Schlafende Glücksritter: Wie Eltern den nächtlichen Balanceakt meistern
Schlaf – ein Thema, das viele Eltern zum Schmunzeln bringt, aber auch oft für schlaflose Nächte sorgt. In vielen Familien herrscht Unsicherheit, wie der Schlaf der Kleinen am besten zu gestalten ist. Dabei ist die Sache gar nicht so einfach. Die Rahmenbedingungen sind so unterschiedlich wie die Kinder selbst: Schulwege, Arbeitszeiten der Eltern und die unzähligen Termine der kleinen Abenteurer. Es ist ein ständiger Balanceakt, der oft zu Überforderung führt.
Eine regelmäßige Schlafenszeit mit einem gleichbleibenden Ritual wird empfohlen, doch in der Praxis ist das oftmals leichter gesagt als getan. In den letzten zwei Stunden vor dem Zubettgehen sollten aufregende Aktivitäten wirklich tabu sein. Stattdessen könnte man sich eine Viertelstunde Zeit nehmen, um mit dem Kind zu kuscheln, den Tag Revue passieren zu lassen und eine Geschichte vorzulesen. Der Fernseher und das Handy sollten während dieser besonderen Zeit lieber aus bleiben. Wenn das Kind dann in seinem Bett liegt, kann es durchaus alleine einschlafen – vielleicht mit einer offenen Tür und einem kurzen Streicheln zur Beruhigung. Denn das Einschlafen im Arm der Eltern kann eine Art Abhängigkeit schaffen, die auf Dauer nicht hilfreich ist.
Eltern im Spagat zwischen Bedürfnissen
Die Kommunikation über die eigenen Bedürfnisse ist dabei nicht zu unterschätzen. Viele Mütter fühlen sich als „Supermama“, wenn sie ihre eigenen Bedürfnisse hintanstellen. Doch genau das kann zu einer Überlastung führen, die schwer zu tragen ist. Besonders wenn die Schlafbedingungen nicht optimal sind, ist es kein Wunder, dass die Eltern überfordert sind. Es ist wichtig, die eigenen Ressourcen im Blick zu behalten und die Balance zwischen den Bedürfnissen des Kindes und den eigenen zu finden.
Eine interessante Erkenntnis aus der KiGGS-Studie zeigt, dass 81 % der Kinder und Jugendlichen die altersspezifisch empfohlenen Schlafstunden erreichen. Doch im Jugendalter sinkt dieser Anteil. Hier wird es besonders herausfordernd, denn der Schlafbedarf variiert je nach Alter und ist bei Gleichaltrigen unterschiedlich. Bei den 13- bis 17-Jährigen erreichen nur 60 % die Schlafempfehlungen – ein Alarmzeichen, das nicht ignoriert werden sollte! Schließlich ist ausreichend Schlaf entscheidend für die gesunde Entwicklung.
Schlaf und Gesundheit – ein untrennbares Paar
Wenig Schlaf kann sogar das Risiko für Adipositas erhöhen. Der Zusammenhang zwischen Schlafmangel und Übergewicht ist vielschichtig. Hormonelle und metabolische Auswirkungen spielen eine Rolle, die dazu führen, dass der Appetit gesteigert wird. Müdigkeit kann die körperliche Aktivität drosseln und die Nahrungsaufnahme erhöhen. Wenn man bedenkt, dass die durchschnittliche Schlafdauer von 0- bis 17-Jährigen bei 10 Stunden liegt, wird klar, dass hier Handlungsbedarf besteht. Und das Alter spielt eine Rolle: Während unter 1-Jährigen noch 13,9 Stunden empfohlen werden, sind es bei 13- bis 17-Jährigen nur noch 8 bis 10 Stunden.
Der Schlüssel zu einem harmonischen Schlaf-Setup für die Kleinen liegt also in der Balance. Ritualen, offenen Gesprächen und dem Respektieren der individuellen Bedürfnisse kommt dabei eine zentrale Rolle zu. Der Kinder- und Jugendarzt Wolfgang Brüninghaus gibt in seiner Kolumne immer wieder wertvolle Tipps, um die Nachtruhe für Familien entspannter zu gestalten. Es ist ein stetiger Lernprozess, der Geduld erfordert – aber es lohnt sich! Schließlich schlafen glückliche Kinder auch glücklicher ein und das ist es, was wir uns alle wünschen.
