Im Kreishaus Heinsberg fand eine aufschlussreiche Informationsveranstaltung zum Thema „Anonyme Spurensicherung mit I-Gobsis“ statt. Eingeladen hatte Landrat Stephan Pusch, zusammen mit der Arbeitsgemeinschaft der Gleichstellungsbeauftragten im Kreis. Was sollte hier geschehen? Nun, das Ziel war es, Kooperationskliniken zu gewinnen, um ein wichtiges Projekt zur anonymen Spurensicherung nach sexualisierter und häuslicher Gewalt ins Leben zu rufen. Ein Thema, das mehr als drängend ist, wie die Polizeiliche Kriminalstatistik 2024 zeigt – bundesweit 170.881 Fälle von Gewalt in Partnerschaften. Und auch im Kreis Heinsberg ist die Situation alarmierend: 403 Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung im Jahr 2025, ein Anstieg von 21,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Diese Zahlen sind nicht nur Statistiken, sie sind Realität. Alexandra Ophoven, die Gleichstellungsbeauftragte, hat die Bedeutung einer schnellen, sensiblen und unbürokratischen Unterstützung für Betroffene betont. Und das ist gut so, denn wenn man bedenkt, dass die Aufklärungsquote bei 83,37 Prozent liegt und 338 Straftaten aufgeklärt wurden, bleibt immer noch viel zu tun. Die I-Gobsis-Methode könnte ein entscheidender Schritt sein, denn sie ermöglicht eine anonyme und gerichtsfeste Sicherung sowie Dokumentation von Gewaltspuren. Die Kosten? Die übernehmen gesetzliche und private Krankenkassen. Eine Erleichterung für viele Betroffene, die oft genug mit finanziellen Sorgen kämpfen müssen.
Ein erster Schritt zur Veränderung
Die Veranstaltung stieß auf großes Interesse und breite Zustimmung. Die Referentinnen, Franziska Uhle (M.Sc. Psychologie) und Christine McTaggart (Fachärztin für Rechtsmedizin am Universitätsklinikum Düsseldorf), wiesen auf die Notwendigkeit hin, das Projekt perspektivisch im Kreis Heinsberg umzusetzen. Es gibt noch viele Hürden, Gespräche und Abstimmungen stehen an, die endgültige Umsetzung ist derzeit ungewiss. Doch der Wunsch ist klar: Ein wohnortnahes Angebot zur anonymen Spurensicherung im Kreis Heinsberg. Das ist nicht nur ein Anliegen von Fachleuten, sondern auch von der Gemeinschaft.
In Hessen gibt es bereits Fortschritte in diesem Bereich. Dort wird die „vertrauliche Spurensicherung“ künftig von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen. Das ist ein Schritt, der für viele Betroffene entscheidend sein könnte. Bisher mussten sie die Kosten selbst tragen, was oft eine zusätzliche Belastung darstellt. Der hessische Sozialminister Heike Hofmann hat die Bedeutung dieser Regelung hervorgehoben, während Gesundheitsministerin Diana Stolz betont, dass finanzielle Hürden niemals eine Rolle spielen sollten. Die vertrauliche Spurensicherung umfasst eine Ganzkörper-Untersuchung zur Dokumentation von Verletzungen und Sammlung von DNA-Spuren – und das ist zeitkritisch!
Ein Blick auf die Zahlen
Im Jahr 2024 gab es in Hessen 600 Fälle von vertraulicher Spurensicherung, und über 11.000 Fälle von häuslicher Gewalt wurden erfasst. Dabei sind 80 Prozent der Tatverdächtigen männlich und 81 Prozent der Opfer weiblich. Die Aufklärungsquote bei häuslicher Gewalt liegt bei unglaublichen 99,8 Prozent, doch das Dunkelfeld ist enorm. Viele Betroffene schweigen, aus Angst oder Scham, und das ist ein Problem, das wir dringend angehen müssen.
Der Austausch im Kreishaus Heinsberg war ein erster Schritt zur besseren Unterstützung und Versorgung von Betroffenen. Die Menschen hier wollen Veränderungen, und das ist spürbar. Es bleibt zu hoffen, dass die I-Gobsis-Methode bald in der Region umgesetzt wird. Denn es geht um Menschen – um ihr Leben, ihre Sicherheit und ihre Würde. Und das sollte für uns alle eine Herzensangelegenheit sein.