Heinsberg, der 11. Juni 2026 – In der kleinen Stadt, wo sich die Menschen gegenseitig über den Weg laufen und die Nachbarn noch wissen, wie die Kinder der anderen heißen, wird ein großes Jubiläum gefeiert. Der Caritasverband der Region Heinsberg blickt auf stolze 60 Jahre zurück. Doch anstatt großartige Festlichkeiten zu planen, setzen die beiden Vorstände Ulrich Paus und Judith Anlauf auf Bescheidenheit und die Kraft des Glaubens. Am Freitag um 17 Uhr wird im Heinsberger „Selfkantdom“ ein offener Gottesdienst stattfinden, eine Art gemeinsames Innehalten, das die Bedeutung dieser Institution unterstreicht.

Der Caritasverband hat sich in den letzten sechs Jahrzehnten als einer der wichtigsten sozialen Arbeitgeber im Kreis Heinsberg etabliert. Mit 1200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die sich in verschiedenen sozialen Bereichen engagieren, ist der Verband ein wichtiger Pfeiler der Gemeinschaft. Ulrich Paus, der seit einem Jahr zusammen mit Judith Anlauf die Geschicke des Verbandes lenkt, spricht von den steigenden gesellschaftlichen Herausforderungen, die einen zukunftsorientierten Blick erfordern. Die Bedarfe in der Pflege, der Ganztagsbetreuung und den Beratungsangeboten wachsen stetig, während die öffentlichen Kassen immer leerer werden. Es ist ein Drahtseilakt, den die Verantwortlichen mit Bravour meistern wollen.

Herausforderungen in der Jugendhilfe

Besonders im Bereich der Jugendhilfe sind die Kosten in den letzten Jahren stark gestiegen. Das lässt sich nicht ignorieren. Paus betont die Notwendigkeit, Teil der Lösung für gesellschaftliche Probleme zu sein. Die Caritas möchte mit mehr Präventionsarbeit dazu beitragen, dass Eltern in der Erziehung ihrer Kinder unterstützt werden. Judith Anlauf hebt die Bedeutung verlässlicher Strukturen hervor, insbesondere in der Suchtberatung. Die Suchtberatung der Caritas in Hückelhoven wird als besonders starkes Angebot beschrieben, das vielen Menschen in schwierigen Lebenslagen zur Seite steht.

Ohne ehrenamtliche Tätigkeiten würde der Caritasverband nicht funktionieren. Sie sind das Herzstück dieser Organisation, das pulsierend durch die Adern der Gemeinschaft fließt. Anlauf sieht die Bereitschaft zum Ehrenamt in der Gesellschaft nicht als gesunken an. Vielmehr entdeckt sie kleinere Projekte in den Nachbarschaften, die oft übersehen werden. Rund 80 Selbsthilfegruppen schaffen Raum für Menschen, die Unterstützung benötigen. Ein starkes Netz, das viele trägt, wenn es mal nicht so rund läuft.

Ein Blick in die Zukunft

Die personalpolitischen Herausforderungen im Caritasverband sind enorm. Eine Untersuchung, die seit 2015 durchgeführt wird, zeigt, dass 31% der Mitarbeitenden 55 Jahre oder älter sind. Gleichzeitig ist nur ein geringer Anteil unter 25 Jahren. Das bedeutet, dass in den nächsten zehn Jahren über 200.000 Beschäftigte in den Ruhestand gehen könnten. Der Fachkräftebedarf wird somit zu einer der größten Herausforderungen für die Caritas. Es ist wie ein Wettlauf gegen die Zeit, bei dem es darum geht, junge Talente zu gewinnen und auszubilden.

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Die aktuelle Situation lässt sich nicht ignorieren: Hohe Lohnkosten und eine steigende Anzahl von Fehlzeiten drücken auf die Stimmung und die Ressourcen. Dennoch bleibt das Betriebsklima gut, und 95% der Rechtsträger berichten von einer hohen Arbeitsplatzsicherheit. Das ist immerhin ein Lichtblick in einer sich wandelnden Arbeitswelt. Die Ausbildungsquote ist jedoch rückläufig, und die Besetzungsquote bei Ausbildungsplätzen ist auf 84% gesunken. Das sind alarmierende Zeichen, die darauf hinweisen, dass gezielte Maßnahmen zur Gewinnung von Arbeitskräften notwendig sind.

Die Caritas bleibt dennoch optimistisch und sieht die Herausforderungen als Chance, die Zukunft aktiv zu gestalten. Es ist ein Balanceakt, der von der Leidenschaft und dem Engagement vieler getragen wird – von den hauptamtlichen Mitarbeitenden bis hin zu den zahlreichen Ehrenamtlichen, die Tag für Tag ihr Bestes geben. In Heinsberg, wo das soziale Netz stark und die Gemeinschaft eng ist, wird auch in Zukunft eine Menge bewegt werden. Und das ist es, was zählt.