In Hamm, einer Stadt, die man vielleicht nicht sofort mit Skandalen in Verbindung bringt, hat der Auftakt eines Prozesses die Gemüter erregt. Ein leitender Mitarbeiter der Stadt, 65 Jahre alt und seit Jahren mit vollem Gehalt freigestellt, steht wegen Untreue in besonders schwerem Fall vor Gericht. Die Vorsitzende Richterin, Chantale Fischer, leitete die Verhandlung, die überraschend nur 20 Minuten dauerte. Dabei wurde ein Strafbefehl über 10 Monate Haft ausgesprochen – ausgesetzt auf zwei Jahre zur Bewährung. Dazu kommt die Einziehung von satten 168.000 Euro. Doch das ist nur die Spitze des Eisbergs.
Der Vorwurf ist heftig: In 72 Fällen soll der Angeklagte unrechtmäßige Bargeldabhebungen von einem DRK-Spendenkonto getätigt haben, zwischen Januar 2011 und Juli 2016. Die Summe? Über 168.000 Euro. Allerdings haben nur zwei der Taten, die an den Tagen 14. und 26. Juli 2016 begangen wurden, die Verjährung überstanden. Für die anderen 70 Fälle ist es bereits zu spät. Es wird also spannend, ob das erstinstanzliche Urteil vor den Fristen ergeht und die Einziehung von 162.950 Euro aus den verjährten Taten sowie 5.500 Euro aus den zwei jüngsten Taten tatsächlich vollzogen werden kann.
Krankheitsbedingte Abwesenheit und Staatsanwaltschafts-Antrag
Komischerweise war der Angeklagte beim Prozessauftakt nicht anwesend. Er meldete sich krank, sein Fehlen war auf eine Operation nach einem häuslichen Unfall zurückzuführen. Das vorgelegte Attest wurde von der Staatsanwaltschaft jedoch als unzureichend angesehen. Ein Antrag der Verteidigung auf Terminverschiebung wurde abgelehnt, und die Staatsanwaltschaft forderte den Erlass eines Strafbefehls. Während der Verhandlung waren drei Mitarbeiter der Stadt und ein Zuschauer anwesend – ein eher stilles Publikum für solch einen aufsehenerregenden Fall.
Doch was steckt hinter diesem Skandal? Der Vorfall wirft ein grelles Licht auf das Deutsche Rote Kreuz (DRK), eine Organisation, die in Deutschland für ihre wertvolle Arbeit in Bereichen wie Blutspenden, Flüchtlingshilfe und Krankenhäuser bekannt ist. Mit einem geschätzten Gesamtumsatz von rund 4,5 Milliarden Euro bundesweit und etwa 300.000 ehrenamtlichen Helfern kann man nicht umhin, die hohen Gehälter der Vorstände zu hinterfragen. DRK-Präsident Rudolf Seiters, der CDU-Politiker, erhält monatlich etwa 20.000 Euro. Der Generalsekretär des DRK-Bundesverbandes kann sich über ein Jahresbruttogehalt von rund 120.000 Euro freuen – inklusive Dienstwagen. Das wirft Fragen auf, besonders im Hinblick auf die zahlreichen Skandale, die das DRK in der Vergangenheit erschüttert haben.
Ein Blick in die Vergangenheit
Die Geschichte des DRK ist nicht nur von humanitärer Hilfe geprägt. Immer wieder gab es Vorfälle, die das Vertrauen in die Organisation erschütterten. 1996 verkaufte das DRK minderwertige Textilien zu überhöhten Preisen. 2009 wurde der Ex-Geschäftsführer des DRK Aachen wegen Untreue verurteilt, und 2010 sorgte ein Abrechnungsbetrug an Berliner DRK-Kliniken für einen zweistelligen Millionenschaden. Zudem wurden 2011 Vorstandsmitglieder in Hannover zum Rücktritt gedrängt, als sie in eine Kontroversen um den Lebensmittelverkauf in einer Suppenküche verwickelt waren. Der Skandal von Hamm reiht sich damit nahtlos in eine Geschichte von Missmanagement und fragwürdigen Praktiken ein.
Die Frage bleibt, wie sich das DRK in Zukunft aufstellen wird. Es wird interessant sein zu beobachten, ob der Prozess gegen den städtischen Mitarbeiter in Hamm weitere Wellen schlägt und welche Konsequenzen das für die Organisation insgesamt haben könnte. Verjährung, krumme Geschäfte und die ethischen Fragen hinter der Verwendung von Spenden – es gibt viel zu klären. Vielleicht ist es an der Zeit, den Fokus wieder auf die ehrenamtlichen Helfer zu richten, die tagtäglich ihr Bestes geben. Das DRK hat viel Gutes getan, aber die Schatten der Vergangenheit werfen einen langen Schatten auf die Zukunft.