Heute ist der 3.06.2026. In der Stadt Hamm, die für ihre eigene Industriegeschichte bekannt ist, trauern viele um einen bemerkenswerten Menschen, dessen Werk die Art und Weise, wie wir verlassene Orte und die alte Industrie wahrnehmen, revolutioniert hat. Manfred Hamm, ein Fotograf, der mit seinen eindrucksvollen Bildern von Industrieruinen und historischer Architektur die Herzen vieler Menschen berührt hat, ist im Alter von 82 Jahren verstorben. Der Tod ereignete sich schon vor einigen Wochen, doch erst jetzt hat sein Sohn John Wate die traurige Nachricht öffentlich gemacht.
Hamm, geboren 1944 in Cainsdorf bei Zwickau in Sachsen, floh mit seiner Mutter nach West-Berlin. Diese Stadt, die er als „das absurde Mauertheater“ bezeichnete, wurde zur Kulisse für seine außergewöhnlichen Fotografien. Seine Leidenschaft für die analoge Fotografie, vor allem mit Schwarz-Weiß-Filmen und Großformatkameras, verlieh seinen Bildern eine besondere Tiefe. Sie erzählen Geschichten von vergangenen Zeiten und dem schleichenden Verfall von Orten, die einst pulsierendes Leben beherbergten.
Pionier der Ästhetik
Manfred Hamm war nicht nur ein Fotograf, sondern ein Pionier einer neuen Ästhetik in der Fotografie, die sich intensiv mit „toter Technik“ und verlassenen Orten auseinandersetzte. Sein Bildband „Lost Places“ gilt als ein Highlight seiner Karriere und hat vielen Menschen die Augen für die Schönheit des Vergänglichen geöffnet. In seinen Arbeiten spiegelt sich eine Melancholie wider, die sich perfekt mit der rauen Schönheit der Industrieruinen verbindet. Es ist, als würde man beim Betrachten seiner Fotos in eine andere Zeit eintauchen, in der die Maschinen noch lebendig waren.
Sein Archiv, das mehr als 20.000 Negative umfasst, hat er 2020 der Stiftung Stadtmuseum überlassen. Diese Schätze, zusammen mit rund 1.700 Handabzügen und den Verwertungsrechten an seinem Werk, zeugen von einem Lebenswerk, das die Stadt Berlin nachhaltig prägt. Zu seinen Porträts zählen zahlreiche Berliner Kulturikonen, die sich in seinem einzigartigen Blick widerspiegeln.
Ein Abschied in Würde
Eine Trauerfeier für den Fotografen findet am 24. Juni um 10:30 Uhr in der Kapelle des Waldfriedhofs Heerstraße in Berlin statt. Diese Veranstaltung wird mit Sicherheit viele Menschen anziehen, die seine Kunst und seinen Einfluss auf die Fotografie wertschätzen. Man kann sich nur vorstellen, wie viele Menschen sich dort versammeln werden, um das Leben eines Künstlers zu feiern, der mit seiner Kamera die vergessenen Geschichten der Stadt einfing. Es ist eine schöne Geste, die zeigt, wie tief Hamm in den Herzen der Menschen verwurzelt ist.
In einer Welt, die sich ständig wandelt und die oft den Blick für das Vergangene verliert, steht Manfred Hamm für eine tiefere Wertschätzung der Geschichte. Seine Bilder laden uns ein, innezuhalten und über die Spuren nachzudenken, die der Mensch in der Natur und der Architektur hinterlassen hat. Und vielleicht ist es genau das, was wir in einer Zeit des ständigen Wandels mehr denn je brauchen: einen Moment der Reflexion. Der Verlust eines solchen Menschen hinterlässt nicht nur eine Lücke in der Berliner Fotografieszene, sondern auch in den Herzen all derjenigen, die seine Werke lieben und bewundern.