In der kleinen Stadt Kuchenheim, unweit von Euskirchen, führt Torsten Lennartz mit viel Leidenschaft die gleichnamige Bäckerei, die nicht nur für ihre köstlichen Backwaren, sondern auch für ihr starkes Engagement in der Region bekannt ist. Mit stolzen 250 Mitarbeitenden in der Region und 13 Filialen hat sich die Bäckerei Lennartz zu einem wichtigen Bestandteil des lokalen Lebens entwickelt. Hier wird noch traditionell gebacken – die meisten Produkte entstehen von Hand, nur bei den Brötchen kommt ein wenig Maschinenunterstützung zum Einsatz. Das Handwerk lebt, und die Bäckerei setzt auf Qualität, Verantwortung und den Blick in die Zukunft.
Die aktuellen Pläne sind mutig: Eine Investition in eine klimafreundliche Kühlanlage, die etwa 1,5 Millionen Euro kosten soll, steht auf der Agenda. Das Ziel? Alte Systeme ersetzen und gleichzeitig Energie sparen. Doch das Projekt steht auf der Kippe, denn es gibt Bedenken hinsichtlich der Stromkapazität. Sollte diese nicht ausreichen, könnte das als existenzgefährdend für den Betrieb angesehen werden. Es ist ein Balanceakt zwischen Tradition und Innovation, den die Bäckerei Lennartz da wagt.
Handwerk und Innovation im Einklang
Der Fokus auf handwerkliche Produktion bringt nicht nur köstliche Ergebnisse, sondern auch Herausforderungen mit sich. Steigende Rohstoffpreise, wie die für Kirschen, die mittlerweile über 20 Euro pro Dose kosten, setzen den Betrieben zu. Auch der Fachkräftemangel ist ein großes Problem. Trotz laufender Bewerbungen fehlen insbesondere in der Backstube und Konditorei viele Hände. Komischerweise wollen viele junge Menschen keine Nachtarbeit leisten – und oft fehlt auch der Führerschein. Die Gesellschaft verändert sich, und damit auch die Anforderungen an die Arbeitswelt.
Doch die Bäckerei Lennartz bleibt nicht stehen. Sie entwickelt sich weiter, inspiriert von Kunden-Feedback und der Kreativität der jüngeren Generation. Eine eigene App wird auf den Weg gebracht, um den Kunden die Vorbestellung von Produkten zu erleichtern und Bonusprogramme zu nutzen. Und um die neuen Bewerber nicht nur zu gewinnen, sondern sie auch direkt in eine lockere Atmosphäre zu bringen, werden Bewerbungsgespräche auf Schaukeln geführt. Das klingt nach einer erfrischenden Herangehensweise!
Ein Preis für handwerkliche Qualität
Die Qualität und regionale Verbundenheit der Bäckerei wurden jüngst mit dem Ehrenpreis „Meister.Werk. NRW 2026“ ausgezeichnet. Ein schönes Stück Anerkennung für die harte Arbeit und das Engagement, das täglich in die Backstube fließt. Und während die Bäckerei Lennartz in der Region strahlt, ist die gesamte Branche mit Herausforderungen konfrontiert. Laut dem „Bäckerei-Monitor Deutschland 2025“ von NGG und der Hans-Böckler-Stiftung steht das traditionelle Bäckerhandwerk unter Druck, hat jedoch auch Chancen für Wandel. Der positive Trend bei Ausbildungszahlen, mit einem Anstieg von 11,4% bei Bäcker-Azubis und 22,5% bei Fachverkäufer-Azubis, zeigt, dass es noch Hoffnung gibt.
Die Belastung durch Zeitdruck und Stress ist für viele Beschäftigte in der Branche Realität – 86% erleben das regelmäßig. Ein Viertel der Auszubildenden hat Migrationshintergrund, und fast 40% der Beschäftigten arbeiten in Teilzeit. Die Bäckerei Lennartz ist also nicht nur ein Ort des Genusses, sondern auch ein Spiegelbild der aktuellen Entwicklungen in der Branche. Hier wird gestärkt, was wichtig ist: Gemeinschaft, Qualität und die Liebe zum Handwerk.