Kriegsfolgen im Klimawandel: Warum die Debatte in Bonn eine Stimme für Frieden braucht
Die Welt scheint sich gerade in einem ständigen Aufruhr zu befinden, und während wir in Bonn bei der Klima-Vorkonferenz SB 64 vom 8. bis 18. Juni 2026 zusammenkamen, war das Gefühl der Dringlichkeit allgegenwärtig. Hier, wo 9206 Teilnehmer:innen – darunter 3375 Regierungsvertreter:innen und 2430 Nicht-Regierungsteilnehmer:innen – ihre Stimmen erhoben, schwebte die Frage über uns: Wie können wir den Klimawandel wirklich bekämpfen? Offizielle Delegationen hoben die globalen Krisen hervor, doch bemerkenswert war die Stille hinsichtlich spezifischer Probleme wie Militarisierung und Kriege. Das ließ viele von uns aufhorchen.
Helga Merkelbach, die als Beobachterin für die Women’s International League for Peace and Freedom (WILPF) teilnahm, brachte frischen Wind in die Debatte. Ihre Stimme war klar und eindringlich, als sie auf die verheerenden Auswirkungen von Militarisierung und Krieg auf den Klimawandel hinwies. Es ist nicht zu leugnen, dass die militärisch verursachten Emissionen – eine alarmierende Zahl von 5,5 % der globalen CO₂-Emissionen – in den Gesprächen oft vernachlässigt werden. Und das, wo allein der Gazakrieg bis Anfang 2026 33 Millionen Tonnen CO₂ emittierte! Der Ukraine-Krieg, der über vier Jahre hinweg 311 Millionen Tonnen verursachte, ist da kein Einzelfall.
Frauen in der Klimadebatte
Merkelbach war nicht allein; sie und andere Frauen führten eine Nebenveranstaltung und eine Pressekonferenz durch, um die Notwendigkeit zu betonen, Frauen in die Problemlösung einzubeziehen. In einer Zeit, in der 92 Nationen im Jahr 2024 aktiv Krieg führten – die höchste Zahl seit dem Zweiten Weltkrieg – ist es umso wichtiger, dass wir die Stimmen derjenigen hören, die oft im Hintergrund stehen. Die Women and Gender Constituency ist eine von neun zivilgesellschaftlichen Gruppen, die als Beobachter:innen teilnehmen und deren Perspektiven unverzichtbar sind.
Die Forderung nach einer verpflichtenden Berichterstattung über Militäremissionen in nationalen Berichten ist ein weiterer Punkt, der immer wieder angesprochen wird. Der globale Norden gibt 30-mal mehr für Militär aus als für Umweltschutz. Es ist fast absurd, wenn man bedenkt, dass während die Welt sich um Klimagerechtigkeit bemüht, die Gelder weiterhin in die Finanzierung von Kriegen fließen. Ein Vorschlag von ECO, dem Climate Action Network, fordert eine Umleitung dieser Gelder in den Bereich Klimagerechtigkeit. Es bleibt abzuwarten, ob die Staaten bereit sind, diesem Ruf zu folgen.
Ein verzweifelter Aufruf zur Gerechtigkeit
Die Delegierten aus dem globalen Süden äußerten sich kritisch zu den Lösungen, die vom globalen Norden vorgeschlagen wurden. G 77, die Gruppe der 134 Länder des globalen Südens, und China forderten den globalen Norden auf, seinen Verpflichtungen nachzukommen. Es ist klar, dass diese Gespräche nicht nur um Zahlen und Berichte gehen, sondern um das Schicksal von Menschen, die unter dem Druck von Konflikten und Klimawandel leiden.
Die Realität ist, dass die weltweite Aufrüstung den Klimawandel beschleunigt und gleichzeitig zu unzähligen Menschenrechtsverletzungen führt. Würde das Militär als eigener Staat betrachtet, wäre es der viertgrößte Emittent klimaschädlicher Gase, direkt nach den USA, China und Indien. Es ist eine erschreckende Vorstellung, dass die Datenlage zu Rüstungs- und militärischen Emissionen so schwach ist. Im Gegensatz zu den gut dokumentierten Emissionen aus der Energiewirtschaft und dem Verkehr sind hier die Zahlen oft schwer zu ermitteln.
Die Lobbyarbeit des Pentagon in den 1990er Jahren sorgte dafür, dass militärische Emissionen nicht erfasst werden müssen. Das bringt Wissenschaftler:innen in eine verzweifelte Lage, da sie mühsam Emissionszahlen recherchieren müssen, die bei der Produktion von Waffen und dem Betrieb von Militärfahrzeugen anfallen. Neta Crawford, eine Politikwissenschaftlerin, schätzt, dass das US-Militär zwischen 1979 und 2023 fast vier Milliarden Tonnen CO₂-Äquivalente emittiert hat. Ein wahres Armutszeugnis für die internationale Gemeinschaft.
Wir stehen an einem kritischen Punkt, und die Zeit drängt. Kriege und Klimakatastrophen treten in eine Eskalationsspirale ein, die nicht nur die Umwelt, sondern auch die Menschenrechte verletzt. Rohstoffe für die Rüstungsproduktion kommen oft aus Ländern, die unter niedrigen Arbeitsrechts- und Umweltstandards leiden und die bereits unter den Folgen des Klimawandels zu kämpfen haben. Es ist höchste Zeit, dass wir in Bonn und darüber hinaus nicht nur reden, sondern auch handeln. Die Herausforderung ist enorm, aber wir dürfen nicht aufgeben.
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