In der Kunsthalle Wilhelmshaven gibt es derzeit eine ganz besondere Ausstellung, die die Sinne anregt und den Blick auf die scheinbar alltägliche Ressource Sand verändert. Unter dem Titel „Jeewi Lee – Where Fragments Linger by the Sea“ lädt die Künstlerin ein, die Komplexität und Vielfalt von Sandkörnern zu entdecken. Diese Ausstellung läuft bis zum 21. Juni 2026 und ist nicht nur ein Augenschmaus, sondern auch ein gediegener Denkanstoß über unsere Abhängigkeit von dieser unscheinbaren, aber essentiellen Materie.
Jeewi Lee, die in Südkorea geboren wurde und heute zwischen Berlin und Seoul pendelt, hat sich auf eine faszinierende Reise begeben. Sie sammelt Sandkörner an Stränden weltweit – von Mallorca über Korea bis hin zu den USA und Portugal, sogar hier in Wilhelmshaven. Unter dem Mikroskop betrachtet, eröffnet sich eine neue Welt, die zeigt, dass jedes Sandkorn seine eigene Geschichte erzählt. Gemeinsam mit dem Geometriewissenschaftler Phillip C. Reiner nutzt sie CT-Scan-Technologie, um die Sandkörner zu analysieren und die Schönheit und Diversität dieses Materials in den Vordergrund zu rücken.
Die Kunst des Sandes
Die Ausstellung zeigt nicht nur die Ergebnisse dieser Analysen, sondern auch beeindruckende Riesenskulpturen aus Sand, die durch 3-D-Druck und Infiltration mit Kunstharz entstanden sind. Eine der Skulpturen hat einen Durchmesser von etwa einem Meter und wiegt stolze 180 kg – sie erinnert an eine Mondkugel und ist ein wahrer Blickfang. Daneben gibt es auch abstrakte Sandmalereien, die die natürliche Schönheit und die Spuren des Vergehens der Zeit thematisieren.
Die Werke von Jeewi Lee laden dazu ein, Sandkörner als Nomaden zu betrachten, die unermüdlich von Küste zu Küste transportiert werden. Diese Perspektive eröffnet einen neuen Zugang zu einem Material, das wir oft als trivial abtun. Sand, das nach Wasser die zweitwichtigste Ressource ist, wird zunehmend knapper – ein Umstand, der in der Ausstellung thematisiert wird. Im Durchschnitt verbraucht jeder Mensch etwa 18 Kilo Sand pro Tag, sei es für den Bau von Beton, die Herstellung von Glas oder sogar in Mikrochips.
Ein Blick auf die Region
Wilhelmshaven spielt in dieser Geschichte eine besondere Rolle. Sand ist hier ein zentraler Baustoff, besonders beim Bau des Jade-Weser-Ports. Die Ausstellung greift diese lokale Verbindung auf und zeigt, wie eng wir mit der Ressource Sand verknüpft sind. Ein Sandkorn vom Wilhelmshavener Südstrand wurde sogar in Form einer großen Skulptur umgesetzt – wie cool ist das denn?
Die Installation „Fragment Proximity, Field of Fragments“, die 2025 von Jeewi Lee und Phillip C. Reiner präsentiert werden soll, wird die Auseinandersetzung mit der Thematik weiter vertiefen. Hier wird das Spannungsfeld zwischen Kunst, Natur und Wissenschaft zum Leben erweckt und zeigt, wie diese Bereiche sich gegenseitig beeinflussen und bereichern können.
Einladung zur Entdeckung
Die Ausstellung ist ein Erlebnis für alle Sinne und bietet einen tiefen Einblick in die emotionale und materielle Bedeutung von Sand. Gezeigt werden sowohl bestehende Skulpturen als auch neue Werke, die aus dem feinkörnigen, rund geschliffenen Sand der Nordseeregion gefertigt wurden. Eintrittspreise sind mit 6 € (4 € ermäßigt) mehr als fair für dieses außergewöhnliche Kunstereignis.
Wer noch mehr über die Bedeutung von Sand erfahren möchte, kann einen Blick in die Ausstellung „Sand. Ressource, Leben, Sehnsucht“ im Museum Sinclair-Haus in Bad Homburg werfen, wo Werke von 16 internationalen Künstler*innen zu sehen sind. Diese Ausstellung beleuchtet die emotionale Bedeutung von Sand, zeigt großformatige Skulpturen, Videoinstallationen und Makrofotografie. Ein wahres Fest für die Sinne.
Die Kunsthalle Wilhelmshaven hat mit dieser Ausstellung ein spannendes Kapitel eröffnet, das sowohl die Kunstliebhaber als auch die Umweltbewussten begeistert. Vielleicht wird der nächste Spaziergang am Strand ganz anders erlebt, wenn man die Geschichten der Sandkörner im Hinterkopf hat.