In Uelzen, im Herzen von Niedersachsen, blüht eine erfrischende Initiative auf, die Frauen in der Landwirtschaft auf neue Höhen hebt. Die Landwirtschaftskammer Uelzen hat es sich zur Aufgabe gemacht, weibliche Hände an den Fahrersitz von Traktoren zu bringen. Regelmäßig werden spezielle Trecker-Kurse nur für Frauen angeboten, und diese sind immer bis auf den letzten Platz ausgebucht. Frauen aus dem gesamten Bundesland, in unterschiedlichen Altersgruppen, nehmen daran teil und lernen den Umgang mit Landmaschinen. Ein Beispiel ist die 25-jährige Alexi Korfhage, die sich entschieden hat, selbstständig Traktor fahren zu lernen. Schließlich möchte sie nicht ständig nachfragen müssen – ein Wunsch, den viele Frauen teilen.

Die Kurse haben ein klares Ziel: Die Teilnehmerinnen sollen Treckerfahren lernen, die Technik verstehen und Gefahren einschätzen können. Anne Dirking von der Landwirtschaftskammer betont, dass im hektischen Hofalltag oft die Zeit fehlt, um mit Maschinen zu üben. Und genau hier setzen die Kurse an. Trainerin Ann-Christin Kahler möchte den Frauen Selbstvertrauen schenken. „Es ist wichtig, Hemmungen abzubauen“, sagt sie. Interessanterweise zeigt sich in den Kursen, dass Frauen oft sanfter fahren und mehr auf die Maschinen achten als ihre männlichen Kollegen. Das ist nicht nur eine Beobachtung, sondern auch eine wertvolle Erkenntnis für die Landwirtschaft.

Ein Schritt in die richtige Richtung

Am 2. Juni fand ein weiteres Schleppertraining für Frauen bei AGRAVIS in Uelzen statt, organisiert von der Bezirksstelle Uelzen der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. 23 Frauen im Alter von 19 bis 66 Jahren nahmen teil – sogar die jüngste Teilnehmerin, die bald ihre landwirtschaftliche Ausbildung beginnt, war dabei. Einige Frauen sind extra aus Orten wie Kassel, Schleswig-Holstein und Hannover angereist. Es war bereits das sechste Training, und die Begeisterung war spürbar. An fünf Stationen lernten die Teilnehmerinnen den Umgang mit verschiedenen Maschinen, darunter Frontlader und Teleskoplader. Das Ganze erforderte Konzentration, Koordination und ein gutes technisches Verständnis.

Besonders wichtig ist, dass viele Frauen den Wunsch nach Unabhängigkeit und mehr Selbstvertrauen im Umgang mit Maschinen äußern. Die Trainer ermutigen sie, Fragen zu stellen und Fehler als Teil des Lernprozesses zu akzeptieren. Im Laufe des Tages wurden die Fortschritte der Teilnehmerinnen sichtbar – die Routine nahm zu, und die Fragen wurden spezifischer. Ein NDR-Kamerateam war vor Ort und dokumentierte das Geschehen für die Sendung „Hallo Niedersachsen“. Das Training fand in einer angenehmen Atmosphäre statt, die von AGRAVIS geschaffen wurde.

Frauenpower in der Landwirtschaft

Doch trotz solcher Fortschritte bleibt die Situation in der Landwirtschaft herausfordernd. Rund 35 Prozent der Beschäftigten in der deutschen Landwirtschaft sind Frauen, während der bundesweite Durchschnitt über alle Berufe bei 47 Prozent liegt. Nur 11 Prozent der Betriebe werden von Frauen geführt, was Deutschland im EU-Vergleich zu den Schlusslichtern in Bezug auf weibliche Führungskräfte in der Landwirtschaft macht. Am besten sieht es in Lettland und Litauen aus, wo jeweils 45 Prozent der Betriebsleiterinnen Frauen sind. In Deutschland hingegen liegt der Frauenanteil in der Ausbildung zur Landwirtin bei 23 Prozent – ein leichter Anstieg, bedenkt man, dass dieser 2005 noch unter 9 Prozent lag.

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Die Kurse in Uelzen sind ein kleiner, aber entscheidender Schritt in die richtige Richtung. Sie stärken nicht nur das Selbstvertrauen der Teilnehmerinnen, sondern fördern auch ein ganz neues Verständnis für die Herausforderungen und Chancen, die die Landwirtschaft bietet. Ein spannendes Jahr steht uns bevor: 2026 wird das „Internationale Jahr der Frauen in der Landwirtschaft“ gefeiert. Eine Gelegenheit, die Frauen, die in diesem Bereich so viel leisten, ins Rampenlicht zu rücken und ihre Stimmen zu stärken. Die Zukunft der Landwirtschaft könnte also auch weiblicher werden – und das ist ein Grund zur Freude.