Eine Gruppe von Klimaaktivisten hat sich auf eine bemerkenswerte Fahrradprotesttour begeben, die unter dem Motto „Exit Gas — Enter Future“ steht. Der Weg führt sie über rund 550 Kilometer von Hamburg nach Hamm (Nordrhein-Westfalen), und der Zwischenstopp in Guderhandviertel, in der Samtgemeinde Lühe, hat für ordentlich Aufsehen gesorgt. Dort campieren die Aktivisten auf dem Obsthof von Claus Blohm. Das Ziel dieser neuntägigen Tour? Ganz klar: Auf die dringend benötigte Transformation der fossilen Gasinfrastruktur aufmerksam machen und den Ausbau erneuerbarer Energien vehement fordern.
Die Strecke führt sie durch zahlreiche Städte, darunter Stade, wo gerade ein LNG-Terminal im Bau ist. Claus Blohm und seine Familie sind nicht nur einfach Gastgeber, sie sind auch passionierte Klimaschützer. Tatsächlich haben die Kinder von Claus 2021 eine Verfassungsbeschwerde gegen das damalige Klimaschutzgesetz eingereicht, was die Regierung dazu gezwungen hat, schärfere Klimaziele zu formulieren. Die Aktivisten, die an der Tour teilnehmen, sind sich einig: Fossile Energieträger, insbesondere Flüssigerdgas (LNG), sind nicht die Zukunft. Sie stehen auch dem Fracking kritisch gegenüber, denn der Preis für diesen fossilen Energieträger ist oft viel zu hoch – sowohl für die Umwelt als auch für die Gesellschaft.
Ein Dialog für die Zukunft
Mit ihrem Stopp in Guderhandviertel nutzen die Aktivisten die Gelegenheit, um ins Gespräch mit den Bürgern und kommunalen Vertretern zu kommen. Jan, einer der Teilnehmer, äußert seine Bedenken über die aktuelle Energiepolitik in Deutschland. „Wir dürfen uns nicht von fossilen Energieträgern abhängig machen!“ sagt er und bringt damit die Sorgen einer breiten Bevölkerung zum Ausdruck. Auch Lühe-Samtgemeindebürgermeister Timo Gerke hat sich das Camp nicht entgehen lassen. Er betont die Notwendigkeit eines sachlichen Austauschs über Klimaschutz und Energieversorgung. Das könnte wichtiger nicht sein, denn die Bundesregierung plant, bis 2031 eine Leistung von 12 Gigawatt auszubauen, wobei 10 Gigawatt davon für Gaskraftwerke vorgesehen sind. Das gefährdet nicht nur die Klimaziele, sondern erhöht auch die Abhängigkeit von fossilem Gas.
Ein weiterer Aspekt, den die Aktivisten kritisieren, ist die Vielzahl der geplanten fossilen Gasprojekte in Deutschland. Eine interaktive Deutschlandkarte, erstellt von mehreren Umweltschutzorganisationen wie BUND und Fridays for Future, zeigt die Dimensionen dieser Projekte auf. Mit dem Motto „Gemeinsam gegen Gas“ möchten sie ein starkes Zeichen setzen und fordern einen sofortigen Stopp neuer Gasprojekte sowie einen zügigen Ausbau von Windkraft, Photovoltaik und Speichermöglichkeiten für nachhaltige Energie.
Ein Ausblick auf die Zukunft
Die Protesttour wird am 30. Mai in Hamm enden, wo eine Großdemo gegen ein geplantes Gaskraftwerk stattfinden soll. Das ist ein wichtiger Moment für alle, die sich für den Klimaschutz einsetzen. Das Umweltbundesamt hat klare Ziele formuliert: Bis spätestens 2045 soll Deutschland Treibhausgas-Neutralität erreichen. Diese Ambitionen könnten jedoch durch die geplanten Ausbauten fossiler Infrastrukturen gefährdet werden. Die Integration technischer Technologien zur Kohlenstoffbindung wird oft als Lösung angepriesen, doch es bleibt fraglich, ob dies die bereits festgelegten Minderungspfade nicht gefährdet.
Es ist ein spannendes, manchmal auch frustrierendes Unterfangen, das die Aktivisten auf ihrer Tour erleben – schließlich geht es um nichts Geringeres als die Zukunft unseres Planeten. Der Austausch, die Gespräche und die Mobilisierung der Bürger sind essenziell, um den notwendigen Druck auf die Entscheidungsträger auszuüben. Ein gemeinsames Ziel zeichnet sich ab: die Wende hin zu einer umweltfreundlichen und nachhaltigen Energiezukunft.