In Oldenburg wird demnächst ein ganz wichtiger Tag begangen. Am 2. August 2026, dem zwölften Jahrestag des Genozids an den Ezîd:innen in Şengal, treffen sich Menschen im Cine k Oldenburg, um zu gedenken, zu erinnern und sich auszutauschen. Die Veranstaltung wird von Pena-Ger e.V. und Cine k organisiert und beginnt um 17.00 Uhr. Ein Dokumentarfilm wird gezeigt – „Angels of Sinjar“ – der sicher viele Emotionen wecken wird.

Das Besondere an dieser Veranstaltung sind die Gespräche mit Überlebenden. Hanifa Abbas Khalaf Maao wird anwesend sein und ihre Geschichte erzählen. Sie hat den Genozid überlebt, während ihre Schwestern vom IS verschleppt wurden. Ihre Stimme ist wichtig, denn sie kämpft für die Rechte ezidischer Frauen und setzt sich für die Suche nach Vermissten ein. Fawziya Ameen Saydo, die 2014 im Alter von nur neun Jahren entführt wurde, wird ebenfalls sprechen. Sie floh mehr als ein Jahrzehnt später nach Deutschland. Ihre Erfahrungen sind erschütternd und zeigen das immense Leid, das die ezidische Gemeinschaft erlitten hat.

Einblick in die Geschichte

Beybûn Seker, die Vorsitzende von Pena-Ger e.V., wird eine historische und politische Einordnung des Genozids geben. Es ist wichtig, dass wir nicht nur die Zahlen – geschätzte 10.000 Tote, über 400.000 Vertriebe und mehr als 7.000 verschleppte Frauen und Kinder – hören, sondern auch die Geschichten dahinter. Der Genozid, der am 3. August 2014 durch den IS begann, war nicht nur ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit, sondern stellte auch einen Feminizid dar. Die brutalsten Formen der Gewalt wurden gegen Frauen ausgeübt, die als Kriegsbeute betrachtet wurden.

Die Moderation der Veranstaltung übernimmt Duleem Ameen Haji, ein angehender Mediziner und Mitglied der ezidischen Gemeinschaft. Seine Aufgabe wird es sein, die Diskussionen zu leiten und sicherzustellen, dass die Stimmen der Überlebenden gehört werden. Gedenken ist nicht nur eine Pflicht, sondern auch ein Auftrag zur Sichtbarmachung der Erfahrungen der Überlebenden und zur Bekämpfung von Völkermord und geschlechtsspezifischer Gewalt.

Der Kontext des Gedenkens

Gerade einmal zwei Jahre nach dem Genozid, am 3. August 2024, finden in Deutschland Gedenkkundgebungen zum 74. Jahrestag statt. Die Zählung der Genozide hat begonnen, weil die Êzîdinnen viele Verbrechen erlitten haben. Çiçek Yildiz und Ayfer Özdogan erinnern sich an die Gräueltaten und die mediale Präsentation der Gewalt durch den IS. Yildiz betont die veränderte Situation für die junge Generation der Êzîdinnen, die nach dem Angriff auf Şengal 2014 aufgewachsen ist. Die Bundesregierung hat den Genozid offiziell anerkannt, was zwar ein wichtiger Schritt ist, jedoch bleibt die Sicherheitslage in der Şengal-Region angespannt.

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Es sind Fortschritte zu verzeichnen – viele Êzîdinnen sind zurückgekehrt und autonome Strukturen wurden aufgebaut. Doch sie sind immer wieder Angriffen ausgesetzt. Niedersachsen hat sogar einen Abschiebestopp für Êzîdinnen verhängt, um die größte êzîdische Gemeinschaft in Deutschland zu schützen. Dennoch bleibt der Weg zur Gerechtigkeit steinig, und Yildiz fordert klare politische und juristische Konsequenzen aus der Anerkennung des Genozids.

Inmitten all dieser schweren Themen gibt es auch Hoffnung. Die Stimmen der Überlebenden, die sich zusammentun, um für Gerechtigkeit zu kämpfen, sind stark. Ihr Widerstand, ihre Geschichten und ihr Glauben an die Zukunft sind inspirierend. Die Gedenkveranstaltung in Oldenburg wird ein Ort sein, an dem diese Stimmen gehört werden und an dem das Leid der Vergangenheit nicht vergessen wird. Ein Ort, an dem wir alle einen Schritt näher kommen können, um das Unrecht, das geschehen ist, sichtbar zu machen.

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