Hildesheim im Aufbruch: Erinnern, Diskutieren, Verstehen
Heute ist der 7.07.2026 und in Hildesheim brodelt es – nicht nur wegen der sommerlichen Temperaturen. Ein offener Brief hat ordentlich Staub aufgewirbelt, und das nicht ohne Grund. Die Videoinstallation im Roemer- und Pelizaeus-Museum (RPM) steht im Kreuzfeuer der Kritik. Rosa Lobejäger, Gwendolyn Krenkel und Lukas Betzler sind die Unterzeichner, die den Finger in die Wunde legen. Sie fordern eine kritische Auseinandersetzung mit der Sonderausstellung „Hildesheim: Blüte – Zerstörung – Wiederaufbau“. Diese umfasst sowohl den Ausstellungsraum als auch die besagte Videoinstallation, die die Geschichte der Stadt von der Gründung bis zu den 1970er-Jahren erzählt. Besonders der Bombenangriff am 22. März 1945 wird zum zentralen Thema – ein düsteres Kapitel, das viele Erinnerungen weckt.
Um den Vorwürfen Gehör zu verschaffen, hat die Museumsleitung eine Podiumsdiskussion organisiert. Doch die Kritiker lassen es nicht dabei bewenden. Sie laden zu einem eigenen Format ein: einem kritischen Ausstellungsbesuch, der am Dienstag, dem 14. Juli, um 11 Uhr im Foyer des RPM beginnt. Hier können Interessierte bis etwa 14 Uhr in den Austausch treten. Teilnehmer sind herzlich eingeladen, sich mit den Inhalten und der Gestaltung der Ausstellung auseinanderzusetzen. Die Veranstaltung ist kostenlos, doch die Plätze sind auf 60 Personen begrenzt. Eine Anmeldung bis zum 13. Juli per E-Mail ist daher unbedingt erforderlich.
Eine Stadt im Spannungsfeld der Erinnerungen
„Blüte, Zerstörung, Wiederaufbau“ – diese Worte stehen nicht nur für die äußere Veränderung Hildesheims, sondern auch für die Widerstandskraft ihrer Bürger. Es ist eine Geschichte von Verlust und Trauer, die tief in das tägliche Leben der Menschen eingreift. Hinter den Trümmern der Stadt liegen menschliche Schicksale verborgen, die nicht in Vergessenheit geraten dürfen. Die Zerstörung hat nicht nur Gebäude, sondern auch Menschen gefordert. Judenverfolgung, Zwangsarbeit und die Trauer um die alte Mitte und deren schöne Fachwerkarchitektur – all das sind Themen, die es wert sind, diskutiert zu werden.
Dr. Meyer sprach am Friedenstag in der Andreaskirche über die Ambivalenz der Geschichte. Dabei stellte er die Wichtigkeit des Mahnens und Trauerns in den Vordergrund. Christian Wulff, der ehemalige Bundespräsident, zitierte in seiner Friedensrede den großen Kurt Tucholsky und regte zum Nachdenken über den Umgang mit den Erfahrungen von Zerstörung, Krieg und Vertreibung an. Diese Fragen sind von brennender Aktualität, besonders wenn man bedenkt, wie viele Menschen keinen direkten Bezug mehr zur Geschichte Hildesheims haben.
Kritik als Teil der Erinnerungskultur
Die Diskussion über die Lücken und Probleme in der Geschichtsdarstellung ist von entscheidender Bedeutung für die Verantwortung der Erinnerungskultur. Hier wird klar, dass es nicht nur um die Vergangenheit geht, sondern auch um die Gegenwart und Zukunft. Die Ausstellung im RPM ist ein Schritt in die richtige Richtung, doch die kritischen Stimmen zeigen, dass es noch viel zu tun gibt. Es ist ein ständiger Prozess, sich mit der eigenen Geschichte auseinanderzusetzen, und genau diese Auseinandersetzung wollen die Kritiker anstoßen.
Am 14. Juli können alle Interessierten Teil dieser wichtigen Diskussion werden. Vielleicht wird der kritische Ausstellungsbesuch nicht nur zu einem Ort des Dialogs, sondern auch zu einem Raum, in dem neue Perspektiven und Einsichten gewonnen werden. Hildesheim hat eine bewegte Geschichte, die es wert ist, erzählt zu werden – und zwar nicht nur in Form von Ausstellungen, sondern auch in Form von lebendigen Gesprächen.
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