Im Landkreis Stade ist die Situation im Bildungsbereich alles andere als rosig. Die Unterrichtsversorgung liegt hier bei mageren 91,1 Prozent und damit ist der Landkreis das Schlusslicht in Niedersachsen. Dies ist nicht etwa ein neues Phänomen; bereits 2024 war die Unterrichtsversorgung hier auf einem historischen Tiefstand. Die Daten stammen vom Regionalen Landesamt für Schule und Bildung in Lüneburg und zeigen, dass die Schulen im Landkreis aufgrund von Lehrermangel unter enormem Druck stehen. Werte unter 100 Prozent bedeuten schlichtweg: kein Puffer für kurzfristige Erkrankungen von Lehrkräften, was in der Praxis zu Unterrichtsausfällen führt – und das ist besonders bitter für die betroffenen Schüler.

Besonders dramatisch ist die Lage an Förderschulen: Hier liegt die Unterrichtsversorgung sogar unter 69 Prozent. Um etwas Licht ins Dunkel zu bringen, muss man sich die Situation in den umliegenden Landkreisen anschauen. Alle anderen Landkreise in Nordostniedersachsen liegen unter dem landesweiten Schnitt von 97,2 Prozent, was die alarmierende Lage im Landkreis Stade nur noch verstärkt. Im Heidekreis hingegen können sich die Gymnasien über eine Unterrichtsversorgung von 101,9 Prozent freuen. Es ist schon ironisch, dass Lehrkräfte aus Stade oft nach Hamburg abwandern – seit 2023 sind es immerhin 90, die den Landkreis verlassen haben. Das Fehlen einer Universität im Landkreis wird oft als einer der Hauptgründe für den anhaltenden Lehrermangel angeführt.

Ein Servicebüro für Lehrkräfte

Um dem Lehrermangel entgegenzuwirken, plant der Landkreis die Einrichtung eines Servicebüros für Lehrkräfte. Dieses Büro soll nicht nur Informationen über Gemeinden und Schulen bereitstellen, sondern auch Unterstützung bei der Wohnungssuche und der Suche nach Betreuungsplätzen bieten. Ein kleiner Lichtblick in einer ohnehin düsteren Situation! Nicht nur im Landkreis Stade, sondern auch in den benachbarten Regionen klagen die Verantwortlichen über einen großen Lehrermangel und versuchen, mit verschiedenen Hilfsangeboten neue Bewerber zu gewinnen.

Doch auch wenn in Niedersachsen die Zahl der Lehrerinnen und Lehrer im Vergleich zum Vorjahr um 530 gestiegen ist, bleibt die Situation angespannt. Die Zahl der Schülerinnen und Schüler ist ebenfalls gestiegen – um rund 4.600 auf insgesamt 881.745. Das bedeutet, dass trotz mehr Lehrkräften die Unterrichtsversorgung bei 96,9 Prozent stagniert. Die Kultusministerin Julia Willie Hamburg spricht von einer Stabilisierung, während die Ansprüche an die Schulen immer weiter wachsen. Inklusion, Ganztagsschulen und Sprachförderung sind nur einige der Themen, die die Schulen zusätzlich belasten.

Die Lehrer-Schüler-Relation hat sich zwar leicht verbessert, dennoch bleibt der Soll-Wert für Lehrerstunden pro Schüler bei 1,74 Stunden. Es ist ein ständiger Balanceakt: Im Jahr 2024 wurden 2.296 neue Lehrkräfte eingestellt, während 1.764 Lehrkräfte aus dem System ausschieden. Ein ständiges Kommen und Gehen. Zum 1. Februar 2025 sind von 1.160 ausgeschriebenen Stellen 863 besetzt – und für das gesamte Jahr 2025 sind sogar 2.460 Stellenausschreibungen geplant. Die Herausforderungen im Bildungsbereich sind komplex und erfordern kreative Lösungen.

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Und während Politiker wie CDU-Landtagsabgeordneter Christian Fühner die Schulpolitik kritisieren und bessere Angebote für Quereinsteiger und Pensionäre fordern, bleibt abzuwarten, ob diese Maßnahmen den gewünschten Effekt bringen. Geht es nach der AfD, sollen Ganztagsschulen nur auf freiwilliger Basis betrieben werden, um den Bedarf an Lehrerstunden zu senken. Ein Vorschlag, der sicherlich kontrovers diskutiert wird.