Man könnte sagen, im Harburger Binnenhafen tut sich was – und doch ist es irgendwie still. Seit Jahren wird hier viel versprochen und kaum etwas gehalten. Ein Beispiel ist das Grundstück am Veritaskai, das mal für ein Hotelprojekt vorgesehen war. Vor elf Jahren gab es dort sogar einen Beachclub! Und jetzt? Liegt die Fläche brach, überwuchert von Gras und Gestrüpp, schäbig und vergessen. Die Hamburger Lorenz Gruppe hatte 2019 noch einen Vertrag mit der Plaza Hotelgroup für ein 272-Zimmer-Hotel unterzeichnet, doch das Projekt ist kläglich gescheitert. Das Grundstück gehört nun wieder der Stadt, und es gibt für die Zukunft – naja, sagen wir mal – keine konkreten Pläne.
Die Situation am Treidelweg ist nicht viel besser. Ein neuer Beachclub sollte dort entstehen, doch Probleme mit der Entwässerungsstruktur haben das Vorhaben ins Stocken gebracht. Finanzsenator Andreas Dressel hat jüngst angekündigt, dass die Ausschreibung für die Entwässerungsarbeiten bald starten soll. Aber wann Interessenten sich wieder für den Betrieb des Beachclubs bewerben können, bleibt ungewiss. Die Harburger CDU lässt keine Gelegenheit aus, um auf den Mangel an politischem Willen zur Entwicklung des Quartiers hinzuweisen. Man fragt sich ernsthaft: Wo bleibt die Initiative?
Stillstand und Pläne
Das Grundstück am Veritaskai soll demnächst neu ausgeschrieben werden, doch ob es verkauft oder im Erbbaurecht vergeben wird, bleibt abzuwarten. Dressel hat betont, dass es dringend notwendig ist, Investoren und Betreiber zu finden, um die Brachflächen aktiv zu nutzen. Und das ist nicht nur eine Frage der Wirtschaftlichkeit – auch die Kulturszene in Hamburg-Harburg macht sich Sorgen über mögliche Kürzungen von Fördermitteln. Ein weiterer Dorn im Auge sind die ungenutzten Flächen auf der Harburger Schlossinsel. Hier plant Primus Development das Projekt Lightywood, das Büro- und Laborflächen vorsieht. Der Konzeptentwurf muss bis Ende Juni genehmigt werden, und man fragt sich, ob das wirklich klappen wird.
Und dann gibt es noch die Busbahnhöfe in Rahlstedt und Harburg, die in diesem Jahr fertiggestellt werden sollen. Das könnte die Infrastruktur verbessern, aber ob es genug ist, um die Lage im Binnenhafen spürbar zu verändern? Das bleibt abzuwarten. Der Beachclub Veritasbeach hat kürzlich eröffnet, doch die aktuelle Saison wird die letzte am bisherigen Standort sein. Der Umzug zum neuen Standort am Treidelweg ist fast abgeschlossen, und der neue Beachclub wird kleiner – nur 2500 Quadratmeter statt 4500! Das neue Konzept ist zwar spannend, aber auch hier gibt es Bedenken. Arbeiten an der Klappbrücke und die Sanierung der Kaimauer könnten zu Einschränkungen führen.
Herausforderungen und Chancen
Die Diskussion um Widerstand gegen den Beachclub ist ebenfalls nicht zu unterschätzen. Bürgermeister Dressel musste bereits intervenieren, um den Widerstand in der Finanzbehörde zu überwinden. Immerhin wächst der Bedarf an Flächen für unterschiedliche Nutzungen, und die Diskussion um Mehrfachnutzung wird immer relevanter. Im September 2024 fand eine Konferenz zur Mehrfachnutzung mit rund 100 Teilnehmenden statt. Professorin Renée Tribble von der TU Dortmund hat klar betont, dass offene Flächen für niedrigschwellige Mehrfachnutzungen unerlässlich sind. Beispiele wie das PARKS-Projekt in Hamburg oder das Tempelhofer Feld in Berlin zeigen, wie flexible Räume geschaffen werden können – aber wird das auch in Harburg gelingen?
Eine nachhaltige Stadtentwicklung könnte vielleicht durch die Städtebauförderung des Bundes unterstützt werden, die seit über 50 Jahren besteht. Im Bundeshaushalt 2024 stehen 790 Millionen Euro für die Städtebauförderung zur Verfügung, mit dem Ziel, Innenstädte und sozial benachteiligte Quartiere zu stärken. Klimaschutzmaßnahmen sind seit 2020 Voraussetzung für alle Programme. Die Programme wie „Lebendige Zentren“ oder „Sozialer Zusammenhalt“ könnten auch für Harburg von Bedeutung sein, wenn man bedenkt, dass die Stadt dringend neue Impulse braucht.
Eines ist klar: Harburg steht vor Herausforderungen, aber gleichzeitig auch vor großartigen Chancen. Die Frage bleibt, ob die Verantwortlichen in der Lage sind, die richtigen Entscheidungen zu treffen und die vorhandenen Flächen sinnvoll zu nutzen. Die Zeit wird es zeigen – und wir werden hier sein, um es zu beobachten!