Die dunkle Wahrheit hinter der Tragödie der „Sea Story“ im Roten Meer
Die Tragödie der „Sea Story“ im Roten Meer ist ein düsteres Kapitel, das die Gemüter bewegt und viele Fragen aufwirft. Am 25. November 2024, nur zwei Tage nach ihrem Auslaufen für eine siebentägige Tauchfahrt, kenterte das Schiff etwa 46 Seemeilen vor der Küste von Marsa Alam. An Bord befanden sich 45 Personen – 36 Passagiere und 12 Mitglieder der Besatzung, darunter 4 Tauchguides. Leider endete der Ausflug für 11 Menschen tödlich. Das Unglück schockte die internationalen Reisenden, die aus den unterschiedlichsten Ländern wie Großbritannien, den USA, China und Deutschland kamen.
Die „Sea Story“ war zwar erst 2022 gebaut worden, doch bereits jetzt stellte sich heraus, dass es massive Konstruktionsmängel gab. Laut einer Untersuchung der Technischen Universität Hamburg-Harburg war das Schiff „nicht ausreichend seetauglich“ und erfüllte nicht die grundlegenden Stabilitätsregeln. Professor Stefan Krüger, ein Experte auf dem Gebiet der Schiffssicherheit, fand heraus, dass der Höhenschwerpunkt des Schiffs mehr als einen halben Meter zu hoch lag und die Rumpfform ungünstig für die Stabilität war. Kurzum, alle Alarmglocken hätten läuten müssen.
Rettung und Vorwürfe
Die Rettungsaktion war alles andere als reibungslos. Zeugen berichteten, dass die ägyptische Marine die Bergung von Überlebenden behindert habe. Eine Fregatte der Marine blieb über 24 Stunden neben dem Wrack und unternahm nichts, um die Überlebenden zu retten. Erst einen Tag nach dem Unglück durfte die Crew eines anderen Bootes das Wrack erreichen. Überlebende wie Christophe Lemmens schilderten erschütternde Erlebnisse: 34 Stunden verbrachte er im Wrack, eingeklemmt zwischen den Trümmern, während andere in Lufteinschlüssen ausharrten, in der Hoffnung auf Rettung.
Die Sicherheitsvorkehrungen an Bord waren offenbar unzureichend. Berichte über Mängel bei der Sicherheitsausrüstung und dem Notfallmanagement ließen aufhorchen. Ein Notrufsignal wurde erst um 05:30 Uhr empfangen, und 28 Menschen konnten am Tag des Unglücks gerettet werden. Doch der Vorfall war nicht der erste seiner Art für den Betreiber DivePro Liveaboard, der bereits im Februar 2024 einen Unfall mit einem Brand und einem Todesopfer erlitten hatte. Ägyptische Behörden hielten die Ermittlungsakten bis September 2025 unter Verschluss – ein weiteres Zeichen für die Intransparenz rund um diesen tragischen Vorfall.
Regulatorische Konsequenzen
Die Tragödie hat weitreichende Folgen für die Sicherheitsstandards im Roten Meer. Die MAIB (Marine Accident Investigation Branch) äußerte Bedenken hinsichtlich der Sicherheit von Tauchbooten, und das britische Außenministerium warnte vor variierenden Sicherheitsstandards. Es wurden neue Vorschriften erlassen, die von den Betreibern verlangen, zwei lizenzierte Kapitäne und ausgebildete Mechaniker an Bord zu haben. Doch die Umsetzung dieser Regeln könnte wegen Personalmangel eine Herausforderung darstellen.
Die Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung (BSU) in Deutschland wird sich ebenfalls mit dem Vorfall befassen. Sie hat die Aufgabe, Seeunfälle zu erfassen und die Umstände sowie Ursachen zu ermitteln, um zukünftige Unfälle zu verhindern. Das Hauptziel ist es, das Leben zu schützen – nicht die Schuld oder Haftung festzustellen. In diesem Kontext wird die „Sea Story“ zum Prüfstein für die Sicherheit von Schiffen unter deutscher Flagge und für die internationalen Standards in der Schifffahrt.
