Heute ist der 14. Mai 2026, und in Hannover gibt es einen aufregenden Grund zur Freude. Die Uraufführung von Toshiki Okadas neuem Stück „Sliding Away“ hat die Bühne des Schauspielhauses erobert, und das nicht ohne Grund. Es ist ein mutiger Schritt in die Welt der Untoten, der die gängigen Klischees über Zombies auf den Kopf stellt. Traditionell werden diese gesichtslosen Kreaturen in der Horror-Popkultur als Subproletariat dargestellt – gierig, angriffslustig und alles andere als charmant. Doch in Okadas Inszenierung wird deutlich: Die Zombies sind nicht so linkisch, wie man denkt. Stattdessen nehmen sie uns mit auf eine Reise, die mehr nach Tanz als nach schauriger Gruselgeschichte aussieht.
Die Choreografie, die von Dominic Huber entworfen wurde, bringt eine frische Perspektive in die Darstellung der Untoten. Fünf Zombies versuchen, das allgemeine Bild ihrer Art zu hinterfragen, und das in einer packenden Performance, die als „Zombiefilm mit Zombies, von Zombies, für Zombies“ beschrieben wird. So wird eine Diskussion über Repräsentanz im Kino angestoßen, die gerade in der heutigen Zeit besonders relevant ist.
Die Untoten und ihr Platz in der Kultur
Was macht Zombies so faszinierend? Die Kinotradition reicht fast 100 Jahre zurück, beginnend mit „White Zombie“ aus dem Jahr 1932 und mündend in die Neuerscheinung „Cold Storage“ (2026). Zombiefilme haben sich im Laufe der Zeit gewandelt und spiegeln oft gesellschaftliche Ängste wider. Oft sind es medizinische Experimente, okkulte Flüche oder sogar außerirdische Viren, die die Untoten ins Leben zurückrufen. So wird das Genre nicht nur zum Schauplatz von blutigen Auseinandersetzungen, sondern auch zur Metapher für die Apokalypse unserer Zeit.
Das Stück „Sliding Away“ ist nicht nur ein weiteres Zombiestück – es ist eine Einladung, sich mit den Themen Leben und Tod auseinanderzusetzen. Unter der Regie von Toshiki Okada wird das Publikum in eine Welt entführt, in der die Untoten nicht nur jagen, sondern auch Fragen stellen. Die Inszenierung zeigt, wie vielschichtig und dynamisch das Genre tatsächlich ist.
Ein Blick über den Tellerrand
Einen eindrucksvollen Rahmen erhält „Sliding Away“ durch einen aktuellen Kongress in Hamburg, der von der Kulturstiftung des Bundes veranstaltet wird. Hier treffen Mediziner, Philosophen, Künstler und Filmwissenschaftler aufeinander, um über die vielfältigen Aspekte des Zombie-Phänomens zu diskutieren. Welche gesellschaftlichen Metaphern stecken hinter diesen untoten Kreaturen? Was sagt uns das über unsere Angst vor dem Tod und die Kunst des Sterbens? Fragen, die auch in Okadas Werk ihren Platz finden.
Die Inszenierung in Hannover wird ergänzt durch ein kreatives Team: Ann Ayano, Jan Meeno Jürgens, Kilian Ponert, Meryem Öz und Jirka Zett bringen die Charaktere zum Leben. Unterstützung erhalten sie von Kostümbildnerin Tutia Schaad und Musiker Kazuhisa Uchihashi, während Tobias Kluge und Makiko Yamaguchi die Dramaturgie und Lichtgestaltung übernehmen. Die ganze Aufführung dauert 70 Minuten ohne Pause – ein kompaktes Erlebnis, das nachwirkt.
In einer Welt, in der Zombies wieder populär werden, ist „Sliding Away“ ein frischer Wind, der dazu anregt, über die eigene Angst vor dem Unbekannten nachzudenken. Während die Untoten auf der Bühne versuchen, ihrer Existenz einen Sinn zu geben, bleibt das Publikum auf der Suche nach Antworten. Ein Stück, das weit über das Gruselige hinausgeht und zu Gesprächen einlädt. Wer hätte gedacht, dass die Welt der Untoten so viel zu bieten hat?