In Braunschweig lebt die 29-jährige Mandy, die sich in einem ständigen Kampf mit ihrer sozialen Phobie befindet. Für viele mag der Gang zum Bäcker ein Routineakt sein, für sie allerdings ist es eine wahre Mutprobe. Wenn sie auf die Straße geht, begleiten sie Ängste, die sie in soziale Situationen, sei es beim Einkaufen oder in Gesprächen mit Fremden, lähmen. Sie hat das Gefühl, dass jede Bewertung durch andere wie ein Urteil über ihr Wesen erscheint, was zu einem tiefen Unwohlsein führt.

Mandy ist Content Creatorin in der Hochschulkommunikation und hat eine Leidenschaft für soziale Medien. Dort findet sie einen Raum, in dem sie Kontrolle über ihre Präsentation hat. Auf Instagram teilt sie unter dem Namen „Mutsammlerin“ ihre Erfahrungen und spricht offen über ihre Erkrankung. Wenn sie vor der Kamera steht, fühlt sie sich sicherer, als im direkten Kontakt mit anderen Menschen. Doch trotz ihrer Online-Präsenz hat sie mit Herausforderungen wie Telefonaten, Meetings und Vorträgen zu kämpfen. Ihr Zuhause ist der einzige Ort, an dem sie sich wirklich wohlfühlt.

Therapie und Fortschritte

Um ihre Ängste zu bewältigen, hat Mandy eine Therapie bei Psychotherapeut Daniel Wagner begonnen, der sich auf die Behandlung von Angsterkrankungen spezialisiert hat. Ein zentraler Punkt seiner Methode ist, die Angst nicht zu bekämpfen, sondern willkommen zu heißen. Das klingt einfacher, als es ist. In einer Therapiesitzung stand sie vor der Herausforderung, mit fremden Menschen zu sprechen, und fühlte sich überfordert. Dennoch gibt es auch Lichtblicke: Ein kleiner Erfolg war die Bestellung von zwei Pizzen im Restaurant, was für Mandy wie ein Sieg über ihre Ängste anmutete.

Die Unterstützung durch ihren Freund Lars, den sie in einer Selbsthilfegruppe kennengelernt hat, ist für sie unbezahlbar. Er ist eine wertvolle Stütze in ihrem Leben und hilft ihr, in schwierigen Momenten einen klaren Kopf zu bewahren. Auch ihre Kolleginnen wissen nicht, dass sie unter einer Angststörung leidet, und die enge Verbindung zu ihnen gibt ihr ein Gefühl von Sicherheit.

Ursachen der sozialen Phobie

Soziale Phobie ist keine Seltenheit. Laut der Deutschen Angst-Hilfe e. V. entwickelt fast jeder zehnte Mensch im Laufe seines Lebens eine Form dieser Erkrankung. Es gibt viele Ursachen, die sowohl genetische als auch psychosoziale Faktoren umfassen. Oft haben Betroffene ein empfindliches Nervensystem, das stark auf Reize reagiert. Zudem können familiäre Häufungen und belastende Kindheitserfahrungen das Risiko erhöhen. Auch Ungleichgewichte bestimmter Botenstoffe im Gehirn, wie Serotonin oder Oxytocin, spielen eine Rolle bei der Wahrnehmung sozialer Situationen.

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Die Diagnose erfolgt meist durch Hausärzte, die bei Verdacht auf soziale Phobie eine Überweisung an Fachärzte ausstellen. In psychiatrischen Praxen werden dann Gespräche, körperliche Untersuchungen und standardisierte Fragebögen genutzt, um die Symptome zu erfassen. Ohne gezielte Therapie klingt soziale Phobie selten ab, und die Behandlungsmöglichkeiten reichen von psychotherapeutischen Verfahren, insbesondere der kognitiven Verhaltenstherapie, bis hin zu medikamentösen Ansätzen.

Im zweiten Teil der ZDF-Reportage „37°Leben: Facing Fear“ wird die 23-jährige Vivien mit einer generalisierten Angststörung begleitet. Während Mandy und Vivien ihre Kämpfe zeigen, wird deutlich, dass soziale Phobie viele Gesichter hat und dass jede Geschichte einzigartig ist.

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