Wiesbaden stellt sich der Vergangenheit: Ehrenbürgerwürde für NS-Verstrickte entzogen
Heute ist der 15.07.2026 und in Wiesbaden wird ein bedeutendes Kapitel der Geschichte aufgeschlagen. Die Stadt hat entschieden, Adam Herbert und Wilhelm von Opel die Ehrenbürgerwürde zu entziehen. Ein Schritt, der nicht nur symbolisch ist, sondern auch die Auseinandersetzung mit der dunklen Vergangenheit des Nationalsozialismus in der Region vorantreibt. Herbert, ein Apotheker, war nicht nur Mitglied der NSDAP, sondern spendete auch rund 79.000 Reichsmark an die Partei und die SS. Er betrieb seine Apotheke in einer moralisch fragwürdigen Weise, indem er eine vom jüdischen Vorbesitzer unter Wert kaufte und Zwangsarbeitskräfte beschäftigte. Wilhelm von Opel, ein einflussreicher Unternehmer, war ebenfalls eng mit dem NS-Regime verbunden und bekannte sich 1941 öffentlich zu dessen Ideologie.
Der Beschluss, der am heutigen Tag gefasst wurde, ist das Ergebnis eines langwierigen, sechsjährigen Überprüfungsprozesses. Dieser wurde schließlich durch die Kontroversen um die Umbenennung der Pfitznerstraße angestoßen, was die Stadt in Bewegung setzte. Eine historische Fachkommission wurde 2020 ins Leben gerufen und legte im November 2023 ihren Abschlussbericht vor, der in 18 Fällen eine Umbenennung und in 12 Fällen eine Kontextualisierung empfahl. Die Stadt Wiesbaden hat nun in drei von 34 Ehrenbürgerverleihungen diese Auszeichnung zurückgenommen. Übrigens, Adolf Hitler wurde die Ehrenbürgerwürde bereits am 2. Juli 1946 aberkannt – das ist schon eine Weile her, aber der Schatten dieser Entscheidungen reicht bis in die Gegenwart.
Ein Blick auf die Auswirkungen
Die Einträge im Goldenen Buch der Stadt bleiben zwar erhalten, jedoch werden sie durch Hinweise auf die Aberkennung ergänzt. Das ist ein kluger Schritt, um die Erinnerung wachzuhalten und die Bürger über die dunklen Seiten ihrer Stadtgeschichte aufzuklären. Die Overbeckstraße wurde bereits umgewidmet, um an den Maler Johann Friedrich Overbeck zu erinnern, und der Ortsbeirat Nordost hat sich dafür ausgesprochen, die Widmung des Opelbads für Wilhelm von Opel aufzuheben, behält aber den Namen. Solche Maßnahmen sind wichtig, um die gesellschaftliche Verantwortung zu reflektieren.
Interessanterweise gibt es auch in den anderen Stadtteilen Bewegung. Der Ortsbeirat Mainz-Kastel plant, sich erneut mit den Biografien von Kurt Hebach und Gottfried Dörr zu befassen. Es scheint, als würde die Stadt Wiesbaden sich aktiv mit der eigenen Vergangenheit auseinandersetzen, was in der heutigen Zeit von großer Bedeutung ist. Historische Aufarbeitung ist nicht nur für die Gegenwart wichtig, sondern auch für die Zukunft.
Ein Teil der Erinnerungskultur
In einer Zeit, in der die Erinnerung an die NS-Opfer mehr denn je im Fokus steht, ist es bedeutsam, dass auch in Wiesbaden Schritte eingeleitet werden, um diese Erinnerungen lebendig zu halten. Kürzlich fand in Dachau der Abschiedsgottesdienst für Pfarrer Björn Mensing statt, der 20 Jahre lang die Erinnerung an die NS-Opfer geprägt hat. Redner wie Charlotte Knobloch und Bodo Ramelow warnten eindrücklich vor der Gefahr von rechts. Mensing erinnerte in seiner letzten Predigt an Martin Niemöller und die Bekennende Kirche. Solche Stimmen sind wichtig, um die Gesellschaft wachsam zu halten und die Lehren aus der Geschichte nicht zu vergessen.
Die Entscheidungen in Wiesbaden sind also nicht nur lokale Ereignisse; sie sind Teil eines breiteren gesellschaftlichen Diskurses über unsere Verantwortung gegenüber der Vergangenheit und die Art und Weise, wie wir als Gemeinschaft mit den Schatten unserer Geschichte umgehen. In einer Welt, die oft von Spaltung geprägt ist, bleibt die Auseinandersetzung mit der Geschichte ein unverzichtbarer Teil unserer Identität.
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