In der zauberhaften Kulisse des Staatstheaters Wiesbaden wird derzeit ein ganz besonderer Theaterabend gefeiert. Unter dem Titel „Ciao Amore!“ vereint die Inszenierung die zeitlose Oper „Don Giovanni“ von Wolfgang Amadeus Mozart und Ingmar Bergmans ikonischen Film „Szenen einer Ehe“. Ein kreatives Regie-Duo, bestehend aus András Dömötör und Evamaria Salcher, hat die beiden Werke zu einem emotionalen Erlebnis verschmolzen, das das Publikum mit auf eine Achterbahn der Gefühle nimmt.
Die Inszenierung geht einen ungewöhnlichen Weg: Don Giovanni selbst bleibt stumm, während Don Ottavio den Gesangspart übernimmt. Diese kreative Entscheidung eröffnet neue Perspektiven und lässt die zarten Nuancen der Beziehung zwischen den Charakteren umso mehr zur Geltung kommen. Die Paare aus der Oper – Donna Anna und Don Ottavio, Zerlina und Masetto – tragen Kostüme, die auffallend an das befreundete Paar Marianne und Johan aus Bergmans Film erinnern. Diese Verbindung zwischen Oper und Film wird nicht nur durch die Kostüme, die von Fruzsina Nagy entworfen wurden, verstärkt, sondern auch durch die parallelen Handlungsstränge, die geschickt zwischen langen Dialogen und kurzen musikalischen Einschüben wechseln.
Ein Spiel der Emotionen
Die emotionale Dynamik, die zwischen den Figuren entsteht, ist faszinierend. Besonders die Beziehung zwischen Katarina und Masetto ist von Konflikten und Wirrungen geprägt. Johan, der sich in die Zerlina-Sängerin verliebt, durchlebt eine innere Zerrissenheit. Er möchte zu Marianne zurückkehren, die sich jedoch inzwischen weiterentwickelt hat. Diese Thematik von großer Erwartung, Verführung und der Vergänglichkeit der Liebe zieht sich wie ein roter Faden durch die gesamte Inszenierung. Und während das Hessische Staatsorchester unter der Leitung von Alejandro Jassán die Zuschauer mit der Musik Mozarts in den Bann zieht, entfaltet sich ein Spannungsfeld, das nicht nur auf der Bühne, sondern auch hinter den Kulissen zu spüren ist.
Der Probenbetrieb läuft – allerdings nicht ohne Schwierigkeiten. Der Darsteller des Don Giovanni hat sich geweigert zu proben, was das Ensemble und das Regieteam vor zusätzliche Herausforderungen stellt. Hier prallen Dramen des Opernplots und persönliche Konflikte aufeinander. Es ist also nicht nur ein Spiel um die Liebe, sondern auch ein Spiel um die Kunst selbst, das sich hier entfaltet. Die Zuschauer dürfen gespannt sein, welche Wendungen die Aufführungen noch nehmen werden.
Bergmans Erbe in neuem Licht
Ingmar Bergman, der schwedische Meister des Kinos und Theaters, hat mit seinen Werken nicht nur Generationen von Filmemachern inspiriert, sondern auch die Theaterlandschaft nachhaltig geprägt. Seine komplexe Sicht auf die Institution der Liebe, die tiefen menschlichen Beziehungen und existenziellen Fragen sind Themen, die auch in „Ciao Amore!“ widerhallen. Bergmans „Szenen einer Ehe“ ist ein Paradebeispiel für seine Fähigkeit, die Abgründe der menschlichen Seele zu ergründen und dabei gleichzeitig das Drama des Alltags lebendig werden zu lassen.
Egal, ob man sich für die Oper oder für das Theater interessiert – „Ciao Amore!“ bietet eine aufregende Synthese, die die Zuschauer am 22. Mai sowie am 11. und 25. Juni erneut in den Bann ziehen wird. Es ist eine Einladung, sich auf eine Reise durch die Höhen und Tiefen der Liebe zu begeben und die emotionalen Wirrungen der Charaktere hautnah zu erleben. Die Spieldauer von drei Stunden mag anmuten, doch man wird kaum merken, wie die Zeit vergeht. In Wiesbaden wird das Theater zu einem Ort der Reflexion über die Liebe und ihre vielen Facetten.