Heute ist der 9.06.2026 und der Werra-Meißner-Kreis steht vor einer Herausforderung, die immer drängender wird: das Schwimmenlernen. In diesem Sommer bleibt das Freibad Witzenhausen leider stumm, wenn es um Anfängerschwimmkurse geht. Die Schwimmmeister, wie Thomas Werner aus Bad Sooden-Allendorf, machen sich ernsthafte Sorgen. Der Rückgang der Schwimmfähigkeiten bei Kindern ist nicht zu übersehen. Insbesondere Viertklässler können oft nicht schwimmen, was früher undenkbar war. Vor der Einschulung das Seepferdchen? Das war mal. Heute sieht man immer mehr Kinder mit Schwimmflügeln, die für ihr Alter schon fast wie ein Zeichen der Schande wirken.

Werner bietet zwar einen Seepferdchen-Kurs für 120 Euro an, aber die Nachfrage übersteigt das Angebot bei Weitem. In Witzenhausen selbst gibt es aufgrund von Personalmangel keine städtischen Schwimmkurse in dieser Saison. Das ist nicht nur unglücklich für die Kinder, sondern auch für die Eltern, die ihren Sprösslingen das Schwimmen beibringen wollen. Sabrina Blum, die Chefin des Freibads, berichtet von besorgniserregenden Beobachtungen: Eltern lassen ihre Kinder häufig unbeobachtet, was in einem Freibad, wo das Wasser verlockend und gefährlich zugleich ist, nicht gerade beruhigend ist.

Wo bleibt die Schwimmförderung?

Die DLRG in Witzenhausen hat sich zwar bereit erklärt, Rettungsschwimmerkurse anzubieten, aber auch hier fehlt es an Personal, um Anfängerkurse für die Kleinsten zu organisieren. Im benachbarten Hessisch Lichtenau sieht es nicht besser aus: Die Anfängerkurse im Hallenbad sind bereits voll, und eine Warteliste ist eingerichtet. Da fragt man sich schon, wo all die Schwimmbegeisterten hin sind. Das Espada-Freizeitbad in Eschwege hingegen hat erkannt, dass es einen Nachholbedarf nach der Corona-Pandemie gibt, und bietet Anfängerkurse an. Hier zeigt Bäderleiter Oliver Degenhardt Verständnis für die Lage und freut sich über die rege Teilnahme.

Ein Lichtblick ist das Eschweger Bad, das dreimal pro Woche Anfängerkurse für 160 Euro veranstaltet. Sogar Förderungen für einkommensschwache Familien sind möglich – ein Schritt in die richtige Richtung. Auch das Wanfrieder Freibad hat ein offenes Ohr für die Schwimmförderung, auch wenn es keinen festen Kurs gibt und etwa 25 Kinder pro Saison ihr Seepferdchen erreichen. Ein kleiner Anfang, aber immer noch zu wenig für die vielen Kinder, die dringend schwimmen lernen müssen.

Die Notwendigkeit des Schwimmenlernens

Woran liegt es also, dass so viele Kinder nicht schwimmen können? Schwimmmeister Werner betont die immense Bedeutung der elterlichen Unterstützung beim Schwimmenlernen. Das ist nicht zu unterschätzen. Eltern, die selbst nicht schwimmen können oder den Ernst der Lage nicht erkennen, überlassen es oft dem Zufall. Die DLRG hat im Jahr 2025 bundesweit 54.000 Seepferdchen- und 96.000 Bronze-, Silber- und Goldabzeichen abgenommen. Das zeigt, dass es zwar eine große Nachfrage gibt, aber die Angebote nicht ausreichen, um den Bedarf zu decken.

Werbung
Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

In Datterode sieht die Lage ähnlich aus: Aufgrund von Personalmangel gibt es hier keine Kurse, aber Seepferdchen werden dennoch abgenommen. Die Problematik zieht sich wie ein roter Faden durch die Region. Auch das Freizeit- und Erlebnisbad Sontra bietet Schwimmkurse unter DLRG-Anleitung an – ein weiteres Beispiel für die notwendigen Anstrengungen, doch auch hier könnte es mehr Unterstützung geben.

Es bleibt zu hoffen, dass die Verantwortlichen bald Lösungen finden, um den Kindern im Werra-Meißner-Kreis die Möglichkeit zu geben, das Schwimmen zu erlernen. Denn eines ist klar: Schwimmen ist nicht nur eine wichtige Fähigkeit, sondern auch ein Stück Lebensqualität, das jeder in seinem Leben haben sollte.