Die Geschichte von Faber & Schleicher ist wie ein spannender Roman. 1872 in Offenbach gegründet, begann alles mit einer Vision von Louis Faber und Adolf Schleicher. Sie wollten nicht weniger als die Welt der Druckmaschinen revolutionieren. Ursprünglich an der Christian-Pleß-Straße ansässig, expandierte das Unternehmen schnell und schuf somit eine beeindruckende Produktionsstätte, die in der Branche für Furore sorgte. Die erste Steindruck-Schnellpresse, die „Albatros“, wurde bereits 1875 nach St. Petersburg verkauft. Ein echter Exporthit, wenn man bedenkt, dass das Unternehmen von Anfang an auf internationale Märkte setzte.

Doch die Zeiten haben sich geändert. Heute, am 15. Juni 2026, stehen die letzten Tage von Faber & Schleicher bevor. Die Werke II und III an der Mühlheimer Straße stehen vor der Schließung, und bis zu 750 Mitarbeiter verlieren ihre Jobs. Ab dem 1. Juni 2026 wird nur noch an wenigen letzten Aufträgen gearbeitet. Ein schmerzhafter Abschied von einem Unternehmen, das einst in 104 Ländern erfolgreich war und 1930 einen Exportanteil von 76% erreichte. Die Gründe für den Rückgang sind vielfältig: Der Markt für Druckmaschinen schwindet, insbesondere in China, und die Verluste beliefen sich 2025 auf über 40 Millionen Euro.

Ein Blick in die Vergangenheit

Die Entwicklung von Faber & Schleicher ist beeindruckend. 1911 wurde die erste „Roland“ auf den Markt gebracht – eine Maschine, die auf der Turiner Messe mit einer Goldmedaille ausgezeichnet wurde. Mit technischen Fortschritt und Qualitätsverbesserungen als Unternehmensmaximen hat Faber & Schleicher immer wieder Maßstäbe gesetzt. 1979 kam es zur Fusion mit der Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg, und der Name wurde in „MAN Roland Druckmaschinen AG“ geändert. 2008 schließlich erlebte man eine Umbenennung in „manroland“, die das Unternehmen in eine neue Ära einführte.

Doch die Herausforderungen blieben nicht aus. Die digitale Transformation und der Einbruch des Zeitungsmarktes haben die Branche stark verändert. Die Druckmaschinenhersteller mussten sich anpassen und wandelten sich von klassischen Maschinenbauern zu Lösungsanbietern. Die Konkurrenz durch digitale Druckanbieter wird immer präsenter. Diese Veränderungen sind nicht nur Zahlen und Statistiken – sie betreffen Menschen, Geschichten, Lebenswege.

Der finale Akt

Jetzt, wo die letzte Phase der Produktion ansteht, ist es an der Zeit, sich an die glorreichen Tage zu erinnern, als Faber & Schleicher die Druckwelt prägte. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren die Maschinen des Unternehmens in vielen europäischen Ländern und sogar in Südamerika im Einsatz. Die Errichtung einer eigenen Gießerei 1888 zur Herstellung von Maschinenteilen zeugt von Innovationsgeist und Weitblick. Die Maschinenpalette umfasste bis 1914 bereits 22 verschiedene Typen – von Steindruck- bis zu Offsetmaschinen.

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Die letzten Tage von Faber & Schleicher sind bittersüß. Wie es weitergeht, bleibt abzuwarten, doch die Erinnerungen an die Erfolge und die Pionierarbeit werden in Offenbach weiterleben. Die Menschen hier haben Großes geleistet, und trotz der schmerzlichen Veränderungen wird die Geschichte dieses Unternehmens nie vergessen werden.

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