Das Erbe von Faber & Schleicher: Offenbachs Druckmaschinenpionier am Scheideweg
Die Geschichte von Faber & Schleicher ist eine der vielen Facetten, die Offenbach am Main so besonders macht. Gegründet im Jahr 1872, hat sich dieses Unternehmen von einem kleinen Betrieb an der Christian-Pleß-Straße zu einem Weltunternehmen entwickelt, das Kunden in 104 Ländern bedient. Manchal fragt man sich, wie es zu solch einer Entwicklung kommen kann. Die erste Exportmaschine, eine „Albatros“, wurde bereits 1875 nach St. Petersburg verkauft. Das zeigt, wie das Unternehmen von Anfang an den internationalen Markt im Blick hatte. Gleichzeitig war der Export ein zentrales Anliegen, das sich durch die gesamte Unternehmensgeschichte zieht.
Die ersten Maschinen waren beeindruckend. Die erste Steindruck-Schnellpresse, die ebenfalls den Namen Albatros trug, wurde 1871 erbaut und hatte eine Druckleistung von 600 bis 700 Bogen pro Stunde. Ein paar Jahre später, im Jahr 1888, kam die Steindruckpresse Brunhild dazu und setzte neue Maßstäbe. Und so ging es weiter: 1895 kam die kleine Steindruckpresse Monopol für Akzidenzarbeiten auf den Markt, die in vielen Druckereien Einzug hielt. In der Blütezeit, um 1914, umfasste das Maschinenprogramm bereits 22 verschiedene Maschinenarten, darunter auch Offsetmaschinen, die später eine entscheidende Rolle spielen sollten.
Wendepunkte in der Unternehmensgeschichte
Wie es oft im Leben der Fall ist, gab es auch bei Faber & Schleicher einige Wendepunkte. 1911 wurde die weltweit erste Roland-Bogenoffsetrotationsdruckmaschine gebaut und erhielt sogar eine Goldmedaille auf der Weltausstellung in Turin. Ein echter Grund zur Freude! Aber die Zeiten haben sich gewandelt. Der Umsatzrückgang, insbesondere in den letzten Jahren, ist dramatisch. 2025 betrugen die Verluste über 40 Millionen Euro. Ein schrumpfender Markt für Druckmaschinen, besonders in China, ist für viele Unternehmen in der Branche ein großes Problem geworden.
Der Weg von Faber & Schleicher führte 1979 zur Fusion mit der Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg, und das Unternehmen erhielt den Namen MAN Roland Druckmaschinen AG. 2008 folgte die Umbenennung in manroland. Doch die Herausforderungen blieben nicht aus. 2011 stellte das Unternehmen einen Insolvenzantrag und spaltete sich in zwei Bereiche: Manroland Sheetfed und Manroland-Web-Systems. Während der eine Bereich von Langley Holdings übernommen wurde, blieb der andere auf der Strecke. Fast 750 Mitarbeiter verlieren ihre Jobs, und das Werk I ist nur noch als Hülle vorhanden, mit Rewe als Ankermieter.
Die Druckmaschinenbranche im Umbruch
Die Druckmaschinenbranche selbst befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel. Der Einbruch des Zeitungsmarkts und das Wachstum des Verpackungsdrucks verlangen eine Neuausrichtung. Immer mehr Unternehmen transformieren sich von reinen Maschinenbauern zu Lösungsanbietern. Digitale Transformation ist das Stichwort! Neue Wettbewerber aus dem industriellen Digitaldruck drängen in die Branche und verändern die Rahmenbedingungen. Das betrifft nicht nur die Produkte, sondern auch die Dienstleistungen und die Unternehmen selbst.
Hier in Offenbach, wo alles begann, steht die Zukunft der Druckmaschinenindustrie auf der Kippe. Die letzten Aufträge von Faber & Schleicher werden ab dem 1. Juni 2026 abgearbeitet. Es bleibt zu hoffen, dass die innovativen Ansätze und die lange Tradition, die in diesem Unternehmen stecken, nicht vollständig verloren gehen. Denn das Erbe von Faber & Schleicher ist mehr als nur eine Geschichte über Druckmaschinen; es ist Teil der Identität dieser Stadt.
