Heute ist der 8.06.2026. In Offenbach ist die Stimmung angespannt, und das nicht ohne Grund. Faber & Schleicher, eine Institution der Druckmaschinenindustrie, geht ein weiteres Mal durch schwere Zeiten. Gegründet wurde das Unternehmen im Jahr 1872, und es erlebte eine beeindruckende Reise von den bescheidenen Anfängen an der Christian-Pleß-Straße zu einem Weltunternehmen mit Kunden in 104 Ländern. Die erste Exportmaschine, die „Albatros“, fand 1875 ihren Weg nach St. Petersburg. Von Beginn an war der Export eine zentrale Säule der Unternehmensstrategie, und im Laufe der Jahre drang Faber & Schleicher in Märkte auf der ganzen Welt vor, etwa nach Russland, Italien und Großbritannien.

Doch die goldenen Zeiten scheinen vorbei zu sein. Ausgerechnet jetzt, wo das Unternehmen auf mehr als 150 Jahre Geschichte zurückblickt, stehen die Werke II und III an der Mühlheimer Straße vor der Schließung. Mit dem Verlust von 750 Arbeitsplätzen wird die Schließung nicht nur für die Mitarbeiter, sondern auch für die Stadt eine bittere Pille sein. Es wird berichtet, dass ab dem 1. Juni 2026 nur noch die letzten Aufträge abgearbeitet werden. Der Umsatzrückgang, der vor allem auf den schrumpfenden Markt für Druckmaschinen – besonders in China – zurückzuführen ist, hat 2025 Verluste über 40 Millionen Euro zur Folge gehabt. Das ist schon echt heftig, wenn man bedenkt, was für eine wichtige Rolle Faber & Schleicher über all die Jahre gespielt hat.

Ein Blick in die Geschichte

Die Entwicklung des Unternehmens war von technischem Fortschritt und kontinuierlichen Qualitätsverbesserungen geprägt. 1911 kam die erste „Roland“ auf den Markt, und 1957 wurde der Firmenname in „Roland Offsetmaschinenfabrik Faber & Schleicher AG“ geändert. Diese Umbenennung war nur der Anfang von weiteren Veränderungen. 1979 fusionierte das Unternehmen mit der Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg und wurde zur „MAN Roland Druckmaschinen AG“. Auch in den folgenden Jahren blieb die Innovationskraft nicht auf der Strecke: 2008 folgte die Umbenennung in „manroland“. Doch das Schicksal nahm 2011 eine dramatische Wendung, als manroland Insolvenz anmeldete und in „Manroland Sheetfed“ und „Manroland-Web-Systems“ aufgespalten wurde. Letztere wurde schließlich von der britischen Langley Holdings übernommen.

Die Spezialisierung auf Offsetmaschinen, die 1921 begann, war ein strategischer Schritt, der Faber & Schleicher lange Zeit in der Branche etabliert hielt. Doch die Herausforderungen, die durch die digitale Revolution und die damit verbundenen Veränderungen im Drucksektor entstanden, blieben nicht aus. Der Exportanteil hatte bereits 1930 bei stolzen 76 Prozent gelegen, und auch nach dem Zweiten Weltkrieg wurde schnell wieder exportiert. Es ist tragisch, dass das Unternehmen, das einst so viele innovative Maschinen in die Welt brachte, nun am Ende seiner Reise steht.

Ein Ende in Sicht?

Die Schließung der Werke in Offenbach ist nicht nur das Ende eines Unternehmens, sondern auch das Ende einer Ära. Die Mitarbeiter, die teilweise seit Jahrzehnten Teil der Faber & Schleicher-Familie sind, blicken auf eine bewegte Geschichte zurück, die von Stolz und Herausforderungen geprägt war. Der Verlust ihrer Arbeitsplätze wird nicht nur die Betroffenen persönlich treffen, sondern auch die gesamte Region, die von der industriellen Tradition lebt. Offenbach wird sich neu erfinden müssen, während die Erinnerungen an eine Zeit, in der Faber & Schleicher ein Synonym für Qualität und Innovation war, in den Köpfen vieler bleiben werden.

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Die Frage bleibt, was die Zukunft für die Druckmaschinenindustrie bereithält und ob es einem anderen Unternehmen gelingen wird, die Lücke zu füllen, die Faber & Schleicher hinterlässt. Innovationsgeist und technischer Fortschritt sind zwar unverzichtbar, doch oft geht es auch um die Menschen, die hinter den Maschinen stehen. Und die sind jetzt auf der Suche nach neuen Wegen, neuen Chancen – und das in einem sich ständig verändernden Markt. Ein neuer Anfang könnte sich anbahnen, auch wenn die Schatten der Vergangenheit noch lange nicht verblasst sind.