In Kelkheim, im Herzen des Main-Taunus-Kreises, brodelt es gerade gehörig. Erst kürzlich hat der Bauausschuss einstimmig die Offenlage für ein neues Bauprojekt an der Benzstraße beschlossen. Hier sollen bis zu 190 Wohnungen entstehen, die vor allem für Pflegekräfte, Studierende und Erzieher gedacht sind. Ein ambitioniertes Vorhaben, das jedoch in der Vergangenheit mit der Idee eines Flüchtlingsheims für bis zu 300 Menschen konkurrierte. Investor Elvir Pacarada, der hinter dem Projekt steht, hatte sogar gedroht, andernfalls die bereits genehmigte Flüchtlingsunterkunft zu realisieren. Ein gewaltiger Druck, der wohl auch die CDU dazu brachte, ihre anfänglichen Bedenken zu überdenken.

Das Projekt wird am Firmensitz der Pacarada Group im Gewerbegebiet Münster realisiert. Hier war ursprünglich eine modulare Unterkunft für Geflüchtete geplant, die jedoch aufgrund von Anwohnerwiderstand und den rückläufigen Flüchtlingszahlen im Kreis nicht zustande kam. Bürgermeister Albrecht Kündiger und die Stadtverordnetenversammlung setzten sich intensiv mit der Situation auseinander. Die neue Planung sieht nun eine Umwidmung des Areals von Gewerbe- in Mischgebiet vor, was die Möglichkeit zur Schaffung von Wohnraum eröffnet. Das Stadtparlament wird am 15. Juni über die endgültige Entscheidung befinden.

Spannungen und Bedenken

Die Sitzung, in der die Offenlage des Bebauungsplans „Südwestlich der Benzstraße“ empfohlen wurde, war von Spannungen geprägt. Insbesondere zwischen der CDU und dem Investor gab es hitzige Diskussionen. Jürgen Schnabel von der CDU äußerte Bedenken hinsichtlich der Bauweise und der möglichen Klagerechte der Neubürger. Auch die Parkplatzsituation sorgt für Stirnrunzeln, denn für die kleinen Wohnungen sind lediglich 0,5 Stellplätze pro Einheit eingeplant. Pacarada selbst plant zwar keine zweite Tiefgarage – die Kosten sind einfach zu hoch – betont aber, dass er dennoch ausreichend Stellplätze schaffen wird.

Die CDU fordert zudem eine schriftliche Bestätigung des Verzichts auf das Flüchtlingsheim, die in den städtebaulichen Vertrag aufgenommen werden könnte. Der Wind hat sich hier also gedreht. Wo zuvor eine Unterkunft für Geflüchtete im Vordergrund stand, wird nun ein Wohnprojekt für junge Menschen angestrebt. Der Investor bleibt dennoch optimistisch: Seine Pläne für Miniappartements sind weiterhin modular und flexibel, jede Einheit wird mit eigenem Bad und Küchenzeile ausgestattet.

Nachhaltigkeit im Bau

Ein interessanter Aspekt, der in der Debatte nicht fehlen sollte, ist die Forderung nach nachhaltigen Baukonzepten. Angesichts der Herausforderungen, die wir in Deutschland beim Thema Wohnraum und Klimaziele haben, ist es wichtig, dass die Unterbringung nicht nur als Übergangslösung gesehen wird. Das Umweltbundesamt hat dazu ein Positionspapier veröffentlicht, das einen klaren Fokus auf nachhaltige, integrierte und zukunftsfähige Wohnlösungen legt. Die Empfehlung, geflüchteten Menschen eine dauerhafte und sozial integrierte Wohnform zu bieten, könnte auch für Kelkheim eine wegweisende Rolle spielen.

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Die Stadt Kelkheim betreibt derzeit 24 Objekte zur dezentralen Unterbringung von Geflüchteten mit Bleiberecht. Doch mit der Umwidmung des Areals an der Benzstraße wird deutlich: Die Stadt möchte einen neuen Kurs fahren. Statt Containerlösungen soll mehr Raum für langfristige Wohnkonzepte geschaffen werden. Eine öffentliche Informationsveranstaltung im Rathaus, die bereits anberaumt wurde, soll den Bürgern die veränderte Planung näherbringen und ihre Bedenken aufgreifen.

Es bleibt spannend, wie sich die Dinge entwickeln werden. Der 15. Juni rückt näher und mit ihm die Entscheidung über ein Projekt, das nicht nur die Zukunft von jungen Menschen in Kelkheim prägen könnte, sondern auch ein Beispiel für nachhaltiges Bauen in der Region setzen könnte.