Heute ist der 12.06.2026 und in Kassel brodelt es. Die Mitarbeiter des Alstom-Werks sind in Aufregung, und das aus gutem Grund. Rund 930 Menschen, darunter viele Festangestellte und Leiharbeiter, bangen um ihre Zukunft. Alstom hat Verhandlungen mit einem unbekannten Investor aufgenommen, der möglicherweise das Werk kaufen möchte. Die Gerüchte, dass es sich bei diesem Investor um einen Rüstungskonzern handeln könnte, halten sich hartnäckig, doch sowohl Rheinmetall als auch KNDS haben dies vehement dementiert.

Die Betriebsversammlung, die kürzlich stattfand, brachte keine neuen Informationen. Markus Hohmann, der Betriebsratsvorsitzende, drängt auf Klarheit und kann den geplanten Verkauf nicht nachvollziehen. „Wir möchten weiterhin Lokomotiven in Kassel bauen“, so seine klare Ansage. Ein Umstieg auf die Produktion von Rüstungsgütern? Das kommt für ihn und die Belegschaft nicht in Frage. Trotz der Unsicherheiten gibt es im Werk eine gewisse Zuversicht. Die Auftragsbücher sind für dieses und nächstes Jahr voll, allerdings führt eine mangelhafte Materialversorgung zu Frustrationen in der Produktion. Manchmal steht die Arbeit still, weil das nötige Material fehlt.

Existenzängste und Verunsicherung

Die Existenzängste unter den Mitarbeitern sind greifbar. Mathias Papritz, der Werkleiter, musste sich bei der letzten Versammlung Pfiffe und Buh-Rufe gefallen lassen. Kein Wunder, wenn man bedenkt, dass das Werk zuletzt rote Zahlen geschrieben hat und Produktionsziele verfehlt wurden. „Wir haben die Ansprüche an Neubauten und Umrüstungen auf neue Zugsicherungssysteme erhöht“, erklärte er, aber so recht glauben wollte das niemand mehr. Hohmann hatte auch betont, dass die Gespräche bisher ohne Ergebnis blieben. Die Belegschaft ist ungeduldig und möchte wissen, wie es weitergeht.

In der Rüstungsindustrie, die derzeit einen Boom erlebt – nicht zuletzt wegen des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine – könnten Stellen geschaffen werden, die möglicherweise für Alstom-Mitarbeiter attraktiv sind. Laut Berichten planen große und mittlere Waffenhersteller, in diesem Jahr mehrere Zehntausend neue Mitarbeiter einzustellen. Einzige Frage: Wer möchte den Schritt in diese Richtung wagen? Die Verunsicherung ist groß, und die Belegschaft fragt sich, ob sie in einem solchen Umfeld ihre Fähigkeiten weiterhin in der Lokproduktion einsetzen können.

Der Druck wächst

Gewerkschaftssekretär Dennis Poß von der IG Metall fordert von Alstom, alles zu tun, um die Produktion zu sichern und bessere Kennzahlen zu erreichen. Die Gespräche über den möglichen Verkauf des Werks sorgen für eine Art „Hängepartie“, und während die Auftragslage für die nächsten zwei Jahre solide aussieht, muss dennoch Klarheit für das Jahr 2028 geschaffen werden. Die Sorgen um die Arbeitsplätze sind allgegenwärtig. Bei der letzten Betriebsversammlung waren etwa 450 bis 500 Beschäftigte anwesend, und das Gefühl der Unsicherheit war nicht zu übersehen.

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Die Atmosphäre im Werk ist angespannt. Ein Arbeitskampf ist zurzeit nicht geplant, da der Betriebsrat auf die Ergebnisse der Verhandlungen wartet. Doch wie lange kann man noch abwarten, wenn die eigene Existenz auf dem Spiel steht? Der Alltag in Kassel bleibt von Fragen geprägt, die nicht nur das Werk, sondern auch die Zukunft der Mitarbeitenden betreffen. Am Ende bleibt die Hoffnung, dass die Gespräche mit dem Investor in eine positive Richtung gehen – und dass Alstom die Weichen für die Zukunft des Lokbaus richtig stellt.