Digitale Revolution auf Offenbachs Straßen: Wie ein orangefarbener Transporter den Zustand der Fahrbahnen erfasst
In Offenbach wird derzeit mit einem orangefarbenen Transporter eifrig der Zustand der Straßen erfasst. Ausgestattet mit einer Kamera, die nach unten auf die Fahrbahnen gerichtet ist, gleitet das Fahrzeug über insgesamt rund 325 Kilometer Stadtgebiet. Dabei bleiben Neubaugebiete außen vor, denn dort sind die Straßen noch nicht endgültig ausgebaut. Alle sechs Jahre ist es soweit: Ein zertifiziertes Unternehmen wird beauftragt, um eine professionelle Zustandsbewertung durchzuführen. Dabei geht es nicht nur um ein schnödes Abklappern der Straßen, sondern um eine detaillierte digitale Auswertung, die dem Stadtservice hilft, knappe Mittel für Fahrbahnreparaturen gezielt und effizient einzusetzen.
Diese Auswertung fließt in einen umfassenden Straßenzustandsbericht ein, der nicht nur den aktuellen Zustand, sondern auch die Dringlichkeit von Reparaturen dokumentiert. 2021 wurde ein Investitionsbedarf von rund 30 Millionen Euro für die mittelfristige Erhaltung und sogar 68 Millionen Euro für kurzfristige Maßnahmen ermittelt. Das zeigt, wie wichtig diese Erfassung ist, denn ohne die richtigen Prioritäten – die aufgrund finanzieller Engpässe gesetzt werden müssen – bleibt der Zustand unserer Straßen oft unzureichend.
Technologie im Einsatz
Die Fahrten zur Zustandserfassung können sich je nach Witterung über mehrere Wochen hinziehen, geplant bis Mitte August. Nach Abschluss der Erfassung erhält der Stadtservice ein Straßenkataster, in dem der Zustand der Fahrbahnen farblich markiert ist – von blau bis rot. Die Abteilung Tiefbau wird daraufhin eine Prioritätenliste für die nächste Saison der Asphaltarbeiten erstellen. Es ist gesetzlich vorgeschrieben, den Straßenzustand regelmäßig zu untersuchen. In Offenbach geschieht dies auch durch Straßengeher, die vor Ort Schäden untersuchen. Die moderne Kameraauswertung bietet zusätzlich einen umfassenden Zustandsbericht und vergleicht die Entwicklung zu vorherigen Untersuchungen. Und hier kommt die spannende Frage auf: Wie wird die Zukunft der Straßeninspektion aussehen?
Immer mehr wird der Einsatz von innovativen Technologien in der Erfassung und Bewertung von Bauwerken und Fahrbahnen gefordert. Zerstörungsfreie Prüfverfahren und Drohnen könnten hier eine entscheidende Rolle spielen. Das Ziel: eine ganzheitliche Diagnostik, die nicht nur oberflächliche Schäden erfasst, sondern auch innere Schäden und reale Einwirkungsgrößen berücksichtigt. Mit digitalen Zwillingen, Künstlicher Intelligenz sowie Virtual und Augmented Reality könnten neue Maßstäbe gesetzt werden. Es geht darum, Zustandsinformationen aus anerkannten und neu zu entwickelnden Verfahren zu kombinieren. Die digitale Transformation schreitet voran, und damit einher geht die Erarbeitung eines digitalen Workflows für die Zustandsbeurteilung.
Ein Blick in die Zukunft
Ein spannendes Beispiel für diesen Wandel ist das Projekt TWIN4ROAD. Hierbei handelt es sich um eine Initiative, die eine effiziente, objektive und flächendeckende Erfassung und Bewertung von Straßenzuständen in Deutschland zum Ziel hat. Oft erfolgt die Zustandserfassung manuell oder uneinheitlich, obwohl mittlerweile jede Menge moderne Sensortechnik zur Verfügung steht. Das Projekt zielt darauf ab, ein cloudbasiertes System zur automatisierten, KI-gestützten Analyse von Straßeninfrastruktur und -substanz zu entwickeln. Mit Technologien wie Mobile-Mapping-Systemen, die LiDAR-Scanner, Kameras und Georadar nutzen, wird ein digitaler Zwilling der Straße erstellt.
Diese Entwicklungen könnten nicht nur die Planung und Instandhaltung revolutionieren, sondern auch dazu beitragen, Kosten zu senken und Ressourcen zu schonen. All das geschieht im Rahmen eines Projekts mit einem Volumen von über 2,3 Millionen Euro, das bis 2025 laufen soll. Die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Partnern, wie dem Hasso-Plattner-Institut und dem Stadt Essen, zeigt, dass hier ein breites Netzwerk an Fachwissen zusammenkommt. Es bleibt also spannend, wie sich die digitale Landschaft der Straßenunterhaltung weiterentwickeln wird!
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