Heute, am 9. Mai 2026, werfen wir einen Blick auf die aktuelle Zahlungslandschaft in der Region Hersfeld-Rotenburg. Hier scheint sich die Zahlungsmoral in den letzten Jahren merklich verschlechtert zu haben. Die Städte und Gemeinden sind zunehmend von offenen Forderungen und Forderungsausfällen betroffen, und die Zahlen sind alles andere als erfreulich. In Rotenburg und Bad Hersfeld summieren sich die offenen Forderungen auf etwa eine Million Euro – ein Betrag, der selbst die optimistischsten unter uns zum Nachdenken anregen sollte.
Die kommunalen Jahresabschlüsse für 2024 lassen aufhorchen: Wertberichtigungen in Höhe von 741.527 Euro aus Steuern, 95.695 Euro aus Lieferungen und Leistungen sowie 48.092 Euro an sonstigen Forderungen stehen im Raum. Besonders alarmierend ist, dass die Ausfälle bei Steuern höher sind als bei privatrechtlichen Forderungen. Im Jahr 2025 wurden bereits rund 159.000 Euro abgeschrieben, davon etwa 80.000 Euro aus Steuern. Die offenen Zahlungen, die in der Region noch ausstehen, sind ebenfalls beachtlich: 86.000 Euro Grundsteuern, 676.000 Euro Gewerbesteuer und 10.000 Euro Hundesteuer sind nur einige der Zahlen, die uns wachrütteln sollten.
Zahlungsschwierigkeiten und ihre Folgen
In Heringen hat sich die Situation nicht verbessert. Hier sind sowohl die Anzahl der Mahnungen als auch das Volumen der offenen Posten gestiegen. Die Außenstände belaufen sich auf 35.149 Euro Grundsteuer B und 108.084 Euro Gewerbesteuer im Jahr 2025. Die Stundungen und Vollstreckungen sind mittlerweile Teil des Tagesgeschäfts geworden. Die Laufzeiten für Stundungen bei Straßenbeiträgen und Hausanschlusskosten können bis zu 20 Jahre betragen – eine lange Zeit, in der sich einiges verändern kann, sowohl für die Kommunen als auch für die Bürger.
Der Bürgermeister von Niederaula empfiehlt seinen Bürgern, bei Zahlungsproblemen frühzeitig Kontakt zur Kommune aufzunehmen. Das klingt zwar einfach, ist in der Realität jedoch oft mit vielen Fragen und Unsicherheiten verbunden. Die Vollstreckungsstelle des Landkreises greift bei säumigen Zahlern ein, vor allem bei öffentlich-rechtlichen Forderungen wie Grundsteuer und Wasser- sowie Abwassergebühren. In Bad Hersfeld, Bebra und Rotenburg kümmert man sich selbst um die Forderungen – teils durch freundliche Kontaktaufnahme, teils durch eigene Vollstreckungsmitarbeiter. Zwischen 2022 und 2025 lag die Zahl der jährlichen Vollstreckungsaufträge zwischen 4000 und 5000 mit einem Gesamtvolumen von etwa 1,1 bis 1,85 Millionen Euro pro Jahr. Die Erfolgsquote der Vollstreckungsstelle liegt bei rund 65 Prozent, was immerhin ein Lichtblick in dieser angespannten Lage ist.
Die Auswirkungen auf die Wirtschaft
Doch was bedeutet das alles für die lokale Wirtschaft? Verzögerte oder ausbleibende Zahlungen können nicht nur den einzelnen Bürger in Schwierigkeiten bringen, sondern auch die Unternehmen vor Ort. Besonders kleinere Betriebe sind oft stark von wenigen Kunden abhängig und müssen Materialien häufig vorfinanzieren. Eine schlechte Zahlungsmoral kann den Handlungsspielraum dieser Unternehmen erheblich einschränken. Mangelnde Liquidität führt dazu, dass Investitionen und Personalvergrößerungen auf der Strecke bleiben. In der schlimmsten aller Welten droht sogar Insolvenz, was für die gesamte Region katastrophale Folgen hätte.
Die Kettenreaktion, die durch ausbleibende Zahlungen ausgelöst wird, ist nicht zu unterschätzen. Gläubiger, die lange auf ihre Zahlungen warten, müssen möglicherweise ihr eigenes Zahlungsverhalten anpassen. Und das kann eine ganze Branche betreffen. Die Gefahr, dass Unternehmen versuchen, ihre Preise zu erhöhen, um die verloren gegangene Liquidität wieder aufzuholen, könnte die Wettbewerbsfähigkeit gefährden. Es ist ein Teufelskreis, der schwer zu durchbrechen ist.
In Anbetracht dieser Situation bleibt nur zu hoffen, dass die Kommunen und ihre Bürger gemeinsam an einer Lösung arbeiten. Denn letztlich sind wir alle in einem Boot – und das gilt es, gemeinsam durch die rauen Gewässer der Zahlungsunfähigkeit zu navigieren.