In Frankfurt-Praunheim, an der Eberstadtstraße, steht ein Relikt aus vergangenen Tagen: ein Luftschutzbunker, der während des Zweiten Weltkriegs erbaut wurde. Mit seinem runden Treppenturm, den markanten roten Sandsteinfenstern und dem gezahnten Gesims ist das Bauwerk nicht nur ein Stück Geschichte, sondern auch ein beeindruckendes architektonisches Zeugnis. Ursprünglich bot der Bunker Platz für bis zu 878 Menschen und schützte sie vor den Schrecken der Luftangriffe. Über die Jahre wurde er mehrfach umgenutzt – nach dem Krieg lagerte hier beispielsweise das Stadtarchiv. Seit 2012 ist das Bauwerk ein Baudenkmal und zieht die Aufmerksamkeit von Investoren auf sich.

Ein Unternehmer aus Darmstadt plant nun, aus diesem historischen Bunker Wohnungen zu schaffen. Die ersten Entwürfe stammen von dem verstorbenen Architekten Jo Franzke, und die Stahlbetonkonstruktion soll erhalten bleiben. Geplant ist ein zweigeschossiger Anbau, während die Stadt 2020 sogar einen benachbarten Grundstücksstreifen verkauft hat, um das Projekt zu unterstützen. Die geplanten 37 Wohnungen variieren in der Größe – die meisten liegen zwischen 46 und 70 Quadratmetern, während vier größere Einheiten über 100 Quadratmeter bieten. Interessierte Anleger dürfen sich auf Preise ab rund 387.000 Euro freuen.

Der Bunker und seine Zukunft

Die Umbaumaßnahmen sollen beginnen, sobald mindestens die Hälfte der Einheiten verkauft ist, was für die Fertigstellung bis 2028 sorgt. Die angestrebten Mieten von 22 Euro pro Quadratmeter könnten vor allem internationale Geschäftsleute anlocken. Allerdings gibt es Stimmen, die die Stadt kritisieren: Der Ortsbeirat forderte 30 Prozent geförderte Wohnungen, doch die Stadt hat darauf verzichtet. Im Vergleich dazu gibt es in Frankfurt bereits erfolgreich umgebaute Bunker, wie etwa an der Brühlstraße, wo öffentliche geförderte Wohnungen für Haushalte mit geringem Einkommen entstanden sind.

Dieser Umbau, der Ende 2023 abgeschlossen wurde, zeigt, wie man historische Bausubstanz nachhaltig nutzen kann. Der dreistöckige Hochbunker aus dem Jahr 1942 wurde weitgehend in seiner massiven Form belassen, während durch Anbauten und neue Fensteröffnungen viel Tageslicht in die Räume gelangt. Das Architekturbüro schneider+schumacher hat hier ganze Arbeit geleistet. Mit einer Außendämmung von 20 Zentimetern und nachhaltiger Technik, wie einer Luft/Wasser-Wärmepumpe, wurde der Bunker in den Frankfurt-Aktivhaus-Standard überführt. Wer hätte gedacht, dass so viel aus einem ehemaligen Luftschutzbunker herauszuholen ist?

Ein Blick auf die Geschichte der Bunker

Die Geschichte der Luftschutzbunker in Deutschland reicht bis in die 1930er Jahre zurück und nahm mit dem Krieg an Fahrt auf. Unter Hermann Göring wurden diese schützenden Anlagen verstärkt errichtet, um die Zivilbevölkerung vor Luftangriffen zu schützen. Die meisten Bunker wurden bis 1941/42 fertiggestellt und verfügten über meterdicke Betonwände. Nach dem Krieg fanden viele dieser Bunker neue Bestimmungen. Einige wurden weiter als Schutzräume genutzt, andere stehen leer oder unter Denkmalschutz. Auch heute noch gibt es zahlreiche Bunker, die entweder abgerissen oder einer neuen Nutzung zugeführt werden. In Frankfurt beispielsweise wird ein Bunker im Gallus durch die ABG Holding in 42 geförderte Wohnungen umgebaut, während andere, wie an der Petterweilstraße in Bornheim, vor einer ungewissen Zukunft stehen.

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Insgesamt bleibt abzuwarten, wie sich die Pläne für den Bunker an der Eberstadtstraße entwickeln. Die Kombination aus Geschichte und modernem Wohnkomfort könnte neues Leben in diese alten Mauern bringen. Man kann nur hoffen, dass in der Hektik der Stadtentwicklung der Charakter und die Geschichte dieser Bauten nicht verloren gehen.

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