In Frankfurt am Main tut sich was! Hier wird Geschichte geschrieben, und zwar nicht nur in den alten Gemäuern der Stadt. Der Industriepark Griesheim, seit 1856 ein fester Bestandteil des wirtschaftlichen Lebens, wandelt sich gerade in ein modernes Gewerbequartier – die Frankfurt Westside. Was klingt wie ein futuristisches Konzept, ist tatsächlich das Ergebnis jahrelanger Überlegungen und Planungen. Die Frankfurter Umweltdezernentin Rosemarie Heilig hatte bereits 2016 den ersten Schritt in diese Richtung vorgeschlagen. Aber so einfach ist der Wandel nicht. Es gab Rückschläge, wie die Schließung der Werke von Weylchem und Allessa im Jahr 2019, die 500 Arbeitsplätze kostete. Doch jetzt, mit der Schaffung von 70 Hektar freiwerdender Fläche, wird die Chance für neue Ansiedlungen greifbar.

Allerdings gestaltet sich die Suche nach geeigneten Flächen alles andere als unkompliziert. In den letzten fünf Jahren hatte die Standortmarketinggesellschaft Frankfurt Rhein-Main GmbH keinen Erfolg bei der Ansiedlung von 46 interessierten Unternehmen. Der Flächenmangel wird durch den immer drängenden Wohnungsbau noch verstärkt. So zog das Speditionsunternehmen Fermont 2021 nach Hattersheim, weil es in Frankfurt keine passenden Flächen fand. Ähnlich erging es der Armaturenfabrik Christian Bollin, die 2017 ihren Sitz nach Oberursel verlegte.

Die Pläne für die Zukunft

Beos, das Unternehmen hinter dem neuen Gewerbequartier, hat große Pläne. Auf dem Gelände der ehemaligen Chemiebrache sollen über 100 alte Gebäude und Chemieanlagen abgerissen werden, während 10 bis 12 historische Strukturen erhalten bleiben. Rund um diese wird ein neues Stadtquartier entstehen – hier sind etwa 70 neue Gebäude in Planung, die von der Nachfrage abhängen. Und das Beste: Ein fast fertiges Rechenzentrum wird das gesamte Gelände beheizen. So wird nicht nur die Umwelt geschont, sondern auch ein modernes Arbeitsumfeld geschaffen.

Holger Matheis, Vorstandssprecher der BEOS AG, hat bereits ein Vorzertifikat für ein nachhaltiges Quartier entgegengenommen. Es gibt viel zu tun, und die Entwicklung wird mehrere Jahre in Anspruch nehmen. Hendrik Staiger, der Vorstand der BEOS AG, betont die Verantwortung, die mit der Transformation des Standorts einhergeht. Ein sechsköpfiges Team unter der Leitung von Mathias Strauch arbeitet daran, die nächsten Schritte voranzutreiben – von Rückbaumaßnahmen bis zur Planung der medialen und verkehrlichen Erschließung. Der städtebauliche Rahmenplan soll bis Ende 2022 in Abstimmung mit der Stadt Frankfurt beschlossen werden. Das klingt nach einer echten Herausforderung!

Der Wandel in der Industrie

Die Veränderungen im Gewerbegebiet sind auch Teil eines größeren Trends. Der Wandel von Gewerbegebieten ist nicht nur ein lokales Phänomen, sondern spiegelt sich in vielen Städten wider. Wachsende Dienstleistungsbranchen, neue emissionsarme Produktionsverfahren und der Klimawandel sind treibende Kräfte, die Anpassungen erfordern. Ein Forschungsprojekt untersucht, wie sich verschiedene Typen von Gewerbegebieten baulich und nutzungsspezifisch wandeln müssen, um zukünftigen Anforderungen gerecht zu werden. Ziel ist es, produktive Stadtquartiere zu schaffen und Gewerbegebiete nachhaltig umzugestalten.

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In der Blütezeit des Industrieparks Griesheim arbeiteten dort einmal 3000 Menschen. Künftig könnten es, so die Hoffnung, zwischen 4000 und 6000 Beschäftigte sein. Die Vision ist, dass das Gelände nicht nur ein Ort der Arbeit wird, sondern auch ein Bereich, der für die Öffentlichkeit zugänglich ist – ganz anders als die Zeiten des Chemieparks.

Die Zukunft des Industrieparks Griesheim als Frankfurt Westside verspricht also eine spannende Mischung aus Tradition und Innovation, aus Arbeit und öffentlichem Leben. In einer Stadt, die für ihren Wandel bekannt ist, wird hier ein weiteres Kapitel aufgeschlagen.

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