Heute ist der 6.05.2026, und ganz Frankfurt am Main steht still – na ja, fast. Die Stadt ist auf den Beinen, um den hundertsten Geburtstag von Franz Mon zu feiern, einem der schillerndsten Dichter und intermedialen Künstler Deutschlands. Mon, geboren als Franz Löffelholz am 6. Mai 1926 in Frankfurt, hat seine Spuren in der Literatur und Kunst hinterlassen, die weit über seine Zeit hinausreichen. Sein Gedicht „ich bin ein einzelner mensch“, inspiriert von Heinrich Heines „Der Rabbi von Bacharach“, ist nur eines der vielen Beispiele für seinen innovativen Umgang mit Sprache.
Nach einem bewegten Leben, das am 7. April 2022 endete, wird sein Erbe nun gewürdigt. Franz Mon war kein gewöhnlicher Poet; seine Arbeiten umfassten Gedichte wie „in den gärten äsen die toten“ aus dem Jahr 1960 und den Prosatext „herzzero“ von 1968. Seine typographischen Experimente und Sprachbilder machten ihn zu einem Sprach- und Sprachbildkünstler, der auch in anderen Medien wie Hörspielen und Rauminstallationen brillierte. Die Installation „mortuarium für 2 alphabete“, die in der Friedberger Galerie Hoffmann gezeigt wurde, ist ein eindrucksvolles Zeugnis seines Schaffens.
Ein Leben voller Sprachkunst
Franz Mon war ein wahres Multitalent. Er vermischte Genres und brach Grenzen zwischen den Disziplinen. Seine Bedeutung als Schriftsteller und Künstler zeigte sich ebenfalls in seinem Werk „Zuflucht bei Fliegen“, das 2013 im Verlag S. Fischer veröffentlicht wurde und als ein einführendes Werk in Mons Schaffen gilt. Das Deutsche Literaturarchiv in Marbach hat seinen Nachlass übernommen, der ab 2025 für die Nachwelt bewahrt wird. Darin finden sich Manuskripte, Notizhefte und sogar audiovisuelle Materialien – ein Schatz für alle, die mehr über diesen außergewöhnlichen Künstler erfahren wollen.
Der heutige Tag wird auch für die Ehrung von Mon genutzt. In der Frankfurter Romanfabrik werden Nora Gomringer und Peter Hauff von Oulipo Frankfurt über sein Werk sprechen und seine Errungenschaften würdigen. Ein weiterer Höhepunkt ist die Diskussion über das „mortuarium“, die nicht nur seine innovativen Ansätze in der Dichtkunst beleuchtet, sondern auch seine unkonventionelle Sicht auf Sprache und Kunst.
Künstlerische Errungenschaften und Auszeichnungen
Mon war nicht nur ein Dichter, sondern auch ein Visionär. Sein Werk hat in den späten 1950er-Jahren einen Wendepunkt in der deutschen Literatur eingeläutet. Seine Collagen und Rauminstallationen haben der bildenden Kunst neue Impulse verliehen. Auch die Auszeichnungen, die er erhielt, sprechen für sich: 2003 die Goethe-Plakette der Stadt Frankfurt, 2014 den Petrarca-Preis und gleich dreimal den Karl-Sczuka-Preis für Radiokunst. 2019 wurde er mit dem „Prix Littéraire Bernard Heidsieck/La Mention spéciale“ des Centre Pompidou für „Literatur außerhalb des Buches“ ausgezeichnet.
Seine Korrespondenz umfasst Briefe von bedeutenden Persönlichkeiten der europäischen Avantgarde des 20. Jahrhunderts. Diese Verbindungen zeigen, dass Mon nicht nur ein Teil der literarischen Welt war, sondern auch aktiv an deren Gestaltung mitgewirkt hat. Sein Werk hat die Art und Weise, wie wir über Sprache denken, revolutioniert und macht sie erfahrbar als Klang, Schrift als Bild und Bild als Text.
Auf die nächsten hundert Jahre – auf Franz Mon und die Sprache, die uns verbindet!