Gärten im Wandel: Natur bewahren in Zeiten des Klimawandels
Es gibt sie, diese kleinen Oasen der Ruhe und des Lebens – die Gärten! In einer Welt, die immer schneller und hektischer wird, sind sie ein Rückzugsort, der uns mit der Natur verbindet. Und gerade in Lindau wurde ein ganz besonderes Jubiläum gefeiert: Der Schwäbische Bezirksverband für Gartenbau und Landespflege hat stolze 150 Jahre für die Gartenkultur und die Pflege unserer Landschaften gearbeitet. Bernd Brunner, der Geschäftsführer des Verbands, hat sich in einem inspirierenden Vortrag mit den Veränderungen in der Gartenkultur auseinandergesetzt und spannende Tipps für die Anpassung an den Klimawandel gegeben.
Früher waren Gärten vor allem Orte der Selbstversorgung – Gemüsegärten, Obstbäume und Kräuterbeete prägten das Bild. Heute hingegen erfüllen sie viele weitere Funktionen, wie die Förderung der Artenvielfalt und die Schaffung von Freizeitmöglichkeiten. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, wie sehr sich die Sortenvielfalt verändert hat: 1841 gab es in Deutschland noch 1.421 Apfelsorten und 841 Birnensorten. Im Jahr 2021 sind es nur noch 305 Apfel- und 117 Birnensorten. Diese Entwicklung ist alarmierend und zeigt den Rückgang des Streuobstanbaus, der durch die moderne Landwirtschaft stark beeinflusst wurde.
Tipps für den naturnahen Garten
Der Klimawandel ist in aller Munde, und auch die Gartenliebhaber kommen nicht drumherum, ihre Ansätze zu überdenken. Bernd Brunner hat einige nützliche Tipps für trockene Sommer parat: Er empfiehlt intensives Gießen am Morgen, damit die Wurzeln tiefer gehen und die Pflanzen besser mit Trockenheit umgehen können. Statt die Pflanze selbst zu bewässern, sollte der Fokus auf dem Wurzelbereich liegen. Mulchschichten und eine geschlossene Bepflanzung helfen zudem, die Verdunstung zu reduzieren. Wer sich für einen naturnahen Garten interessiert, sollte von Pflanzen wie Thuja und Azaleen Abstand nehmen und stattdessen auf trockenheitsverträgliche Pflanzen setzen.
Ein weiterer spannender Aspekt ist die Wanderausstellung „In Schwaben verwurzelt“, die bis zum 31. August im Museum der Gartenkultur in Illertissen zu sehen ist. Die Ausstellung feiert nicht nur die Geschichte des Verbands, sondern gibt auch Einblicke in die Vielfalt der Gartenkultur in der Region. Wenn man bedenkt, dass der Schwäbische Bezirksverband heute 78.444 Mitglieder zählt und 12 Kreis- und Stadtverbände mit insgesamt 485 Vereinen umfasst, wird klar, wie wichtig die Gartenbewegung in Deutschland ist.
Klimawandel und seine Herausforderungen
Doch der Klimawandel bringt auch Herausforderungen mit sich, die nicht ignoriert werden können. Extreme Wetterereignisse – sei es Trockenheit, Hagel oder das Aufkommen neuer Schädlinge – nehmen zu. In den letzten Jahren haben Obstbaubetriebe in Deutschland verstärkt Maßnahmen ergriffen, um sich anzupassen. Frostschutzberegnung und die Nutzung von Erdfolienbecken zum Wasserspeichern sind nur einige der Strategien, die angewendet werden. Interessanterweise hat sich die durchschnittliche Temperatur in Deutschland seit 1975 um 1,7 Grad erhöht, was zu früheren Blütezeiten führt und somit das Risiko für Frostschäden erhöht.
Ein weiteres Problem ist der Wassermangel während der Wachstumsphasen, der die Erträge um 30 bis 40 Prozent senken kann. Vor allem die Kirschen, Pflaumen und Birnen sind frostempfindlicher geworden. Und während die steigenden Temperaturen zur Entwicklung neuer Schädlinge führen, ist es auch komisch, dass gleichzeitig die Trockenheit das Auftreten von Schadpilzen verringert. Es ist ein ständiger Balanceakt, den die Gärtner und Landwirte meistern müssen.
Die Gartenkultur in Deutschland steht also an einem Wendepunkt. Die Tipps von Bernd Brunner und die engagierte Arbeit des Schwäbischen Bezirksverbands sind Beispiele dafür, wie wir auch in Zukunft naturnahe und klimafitte Gärten gestalten können. Die Herausforderungen sind groß, aber mit Hingabe und einem Blick für das Wesentliche können wir unsere Gärten weiterhin blühen lassen und die Vielfalt der Natur erhalten.
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