Am 13. Juni 2026 war Mespelbrunn im südlichen Spessart der Ort, an dem sich alles um das Rotwild drehte. Vertreter aus Jagd, Politik, Forstwirtschaft, Wissenschaft und Naturschutz kamen zusammen, um über die nachhaltige Rotwildbewirtschaftung zu diskutieren. Die offizielle Hegeschau begann um 13:00 Uhr mit einer musikalischen Begrüßung durch Jagdhornbläser unter der Leitung von Eberhard Geiger. Daraufhin folgte die Eröffnungsrede von Ralph Keller, dem Vorsitzenden des Bayerischen Jagdschutzvereins Miltenberg e.V. Er sprach mit Nachdruck über die Bedeutung dieser Veranstaltung für die Dokumentation der Rotwildhege und wies darauf hin, dass es unbedingt mehr Öffentlichkeitsarbeit für Hegeschauen braucht.

Die Teilnehmer, darunter prominente Gäste wie Landrat Björn Bartels aus Miltenberg und Landrat Dr. Alexander Legler aus Aschaffenburg, brachten ihre Sichtweisen und Erfahrungen ein. In den Gesprächen wurde deutlich, dass die Herausforderungen der Rotwildbewirtschaftung vielfältig sind. Besonders der Stress, den das Rotwild durch frühe Schusszeiten und hohe Beunruhigung erfährt, führt zu Schäden, die nicht zu unterschätzen sind. Ein Dank ging an die Rotwild-Hegegemeinschaft Spessart-Süd, unter der Leitung von Florian Vogel und Christian Schmitt, für ihre unermüdliche Arbeit.

Fachvorträge und genetische Vielfalt

Ein weiterer Höhepunkt war der Fachvortrag von Dr. Susanne Jacobi von der Technischen Universität München, die über die Rotwildgenetik in Bayern referierte. Sie hatte 3.118 Rotwildproben untersucht – 485 davon stammten aus dem Spessart/Rhön, 110 aus dem Odenwald. Die Ergebnisse zeigten eine hohe genetische Vielfalt im Spessart/Rhön mit einem Wert von 0,75, während der Odenwald mit 0,69 etwas hinterherhinkte. Zudem wurde das Geschlechterverhältnis als nahezu ausgewogen festgestellt: 1:1,12 (männlich zu weiblich).

Eine kritische Betrachtung des Totalabschusses außerhalb ausgewiesener Rotwildgebiete war ebenfalls Teil der Diskussion. Hierbei wurde die Bedeutung des Rückbaus von Wildschutzzäunen und Weidezäunen für den Artenschutz hervorgehoben. Ein großer Punkt, der angesprochen wurde, war der Handlungsbedarf in den Isarauen, Haßbergen und Odenwald, wo es genetische Verarmung gibt. Dies könnte zu Fehlbildungen und genetischen Problemen führen, wenn nicht bald Maßnahmen ergriffen werden.

Zusammenarbeit für eine nachhaltige Zukunft

Die Veranstaltung endete gegen 14:30 Uhr, und die Jagdhornbläser verabschiedeten die Teilnehmer – ein ehrlicher Moment, der die Bedeutung der gemeinsamen Anstrengungen für die Rotwildhege unterstrich. Keller und die anderen Anwesenden waren sich einig: Eine nachhaltige Rotwildhege erfordert nicht nur wissenschaftliche Erkenntnisse, sondern auch eine verantwortungsvolle Jagdausübung und die enge Zusammenarbeit aller Beteiligten.

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Der Austausch von Informationen und die Förderung des genetischen Austauschs sind entscheidend, insbesondere in den Gebieten, die genetisch unter Druck stehen. Die Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber betonte die Wichtigkeit der genetischen Vielfalt in den Rotwildbeständen und sprach sich für weitere Studien aus. Denn nur so kann das Rotwild in Bayern auch in Zukunft stark und gesund bleiben. Diese Hegeschau war nicht nur ein Treffen von Fachleuten, sondern auch ein Aufruf zur Verantwortung – für den Wald, für die Wildtiere und für die Zukunft.

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