Max‘ Wohn(t)raum: Ein Ort der Selbstbestimmung und Gemeinschaft für Menschen mit Behinderungen
In Miesbach hat ein Herzensprojekt das Licht der Welt erblickt: Max Huttner und seine Familie haben eine Wohngemeinschaft (WG) für körperlich behinderte Menschen ins Leben gerufen. Unter dem Namen „Max‘ Wohn(t)raum“ wurde im Frühjahr 2023 ein Ort geschaffen, der nicht nur ein Dach über dem Kopf bietet, sondern auch Raum für gemeinschaftliches Leben und Selbstbestimmung. Die geräumige Erdgeschosswohnung an der Bergwerkstraße erstreckt sich über stolze 280 Quadratmeter und bietet Platz für insgesamt sechs Bewohner. Jeder hat sein eigenes Zimmer, während die Gemeinschaftsräume wie Bäder, eine Küche und eine gemütliche Sitzecke zum Austausch einladen.
Max, der selbst an einer Form von Parkinson leidet, lebte zuvor bei seinen Eltern. Der Schritt in die WG markiert für ihn einen wichtigen Schritt in ein selbstbestimmtes Leben. „Ich fühle mich wohl hier und bekomme die Unterstützung, die ich brauche“, erzählt er und man merkt ihm die Erleichterung an. Die Herausforderungen, die die Familie Huttner bei der Immobiliensuche erlebte, waren nicht zu unterschätzen. Nach etlichen Rückschlägen und Frustrationen fand sich schließlich ein passendes Zuhause. Der Kontakt mit dem Vermieter wurde Mitte Dezember hergestellt, und der Traum konnte endlich in die Tat umgesetzt werden.
Gemeinsam stark – das Leben in der WG
Sechs Bewohner, darunter zwei Männer und vier Frauen im Alter zwischen 23 und 50 Jahren, haben sich in der WG zusammengefunden. Interessanterweise teilt eine Mitbewohnerin, die zuvor im Seniorenheim lebte, eine ähnliche Lebensgeschichte mit Max. Doris Fichtner, die älteste Mitbewohnerin, ist 50 Jahre alt und leidet an Multipler Sklerose. Sie sitzt seit 14 Jahren im Rollstuhl und hat ihre Familie verlassen, da ihr Pflegebedarf nicht mehr mit sporadischen Besuchen des Pflegedienstes vereinbar war. Die WG bietet ihr nun den Raum, den sie braucht, um ein selbstbestimmtes Leben zu führen.
In der neuen WG wird Gemeinschaft großgeschrieben. Die Bewohner organisieren sich selbst, teilen Haushaltsaufgaben und gestalten ihren Alltag gemeinsam. Unterstützung erhalten sie durch einen gemeinsam beauftragten Ambulanzdienst. Max‘ Mutter, Brigitte Huttner, hebt hervor, wie viele Menschen zur Realisierung dieses Projekts beigetragen haben: „Viele haben gespendet, nicht nur für Möbel, sondern auch Geld für den Verein.“ Das zeigt, dass es nicht nur um das Wohnen geht, sondern auch um ein Miteinander, das auf Solidarität und Rücksichtnahme basiert.
Das Konzept der inklusiven WGs
Inklusive Wohngemeinschaften, wie sie auch in anderen Städten Deutschlands zu finden sind, bestehen aus Menschen mit und ohne Beeinträchtigung. Dort leben die Bewohner gleichberechtigt zusammen und gestalten ihren Alltag nach eigenen Vorstellungen. Wichtige Prinzipien sind Selbstbestimmung und Partizipation, die das Leben in der WG prägen. Unterstützung erhalten die Bewohner, sei es durch Mitbewohner oder externe Fachkräfte. Aufgaben wie Einkaufen, Kochen oder Putzen werden gemeinschaftlich organisiert – so wird der Alltag zum gemeinsamen Erlebnis.
Ein spannendes Modell ist das Zusammenleben von Menschen mit Beeinträchtigung und Studierenden, wobei letztere oft zu reduzierter Miete oder sogar mietfrei wohnen. Im Gegenzug helfen sie im Alltag, auch wenn sie in der Regel keine ausgebildeten Fachkräfte sind. Qualifizierte Fachkräfte stehen jedoch je nach Bedarf für Assistenzleistungen und Pflege bereit. Diese Art des Zusammenlebens bringt viele Chancen, aber auch Herausforderungen mit sich, insbesondere hinsichtlich der rechtlichen Ausgestaltung solcher Projekte.
Das Projekt „Max‘ Wohn(t)raum“ in Miesbach ist ein ermutigendes Beispiel dafür, wie gemeinsames Leben und gegenseitige Unterstützung aussehen kann. Hier wird nicht nur ein Wohnraum geschaffen, sondern ein Ort, an dem Menschen miteinander wachsen, sich gegenseitig helfen und einfach leben können. Wer weiß, vielleicht wird dies auch andere inspirieren, ähnliche Projekte ins Leben zu rufen.
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