In Landsberg am Lech, einer Stadt, die sich dem fairen Handel verschrieben hat, geht es nicht nur um die großen Themen der Welt – hier wird auch ganz konkret angepackt. Vor Kurzem hat die Stadt 36 fair produzierte Fußbälle erworben, die nun an vier Grundschulen und eine Mittelschule verteilt werden. Die Übergabe dieser Bälle war ein bedeutender Moment, bei dem Jost Handtrack, der Beauftragte für Fairtrade-Town-Angelegenheiten, die Verantwortung für das Wohl der Kinder im Schulsport unterstrich. Oberbürgermeisterin Doris Baumgartl hob die Bedeutung des fairen Handels für die Stadt hervor. Ein fairer Spielbetrieb, so Handtrack, ist nicht nur eine Frage des Sports, sondern auch der fairen Bezahlung und dem Verbot von Kinderarbeit.
Landsberg am Lech gehört übrigens zu über 60 bayerischen Kommunen, die das Motto „fair play – fair pay“ verfolgen. Seit 2014 erfüllt die Stadt ununterbrochen die Kriterien der Fairtrade-Town-Kampagne und wurde 2024 für weitere zwei Jahre ausgezeichnet. So viel zur Theorie, doch wie sieht es eigentlich in der Textilindustrie aus, die oft in einem ganz anderen Licht steht?
Ein Blick auf die Schattenseiten der Textilproduktion
In Deutschland werden viele Kleidungsstücke, insbesondere T-Shirts und Hosen, in Asien produziert. Oft sind die Bedingungen für die Arbeiter in der Textilindustrie alles andere als rosig. Sie schuften unter miserablen Bedingungen und erhalten häufig nur einen Hungerlohn. Laut Maik Pflaum von der „Christlichen Initiative Romero“ (CIR) müssen viele Arbeiter bis zu 16 Stunden am Tag arbeiten, um ihre Familien über Wasser zu halten. Und Gewerkschaften? Die sind in vielen Produktionsländern nicht willkommen.
Die düstere Realität zeigt sich auch bei der Baumwollernte: Jährlich erkranken Tausende von Feldarbeitern aufgrund des Einsatzes von Pestiziden. Ein weiteres Beispiel sind die Arbeiter, die Jeans per Sandstrahltechnik bearbeiten – ihr Risiko für Atemwegserkrankungen steigt rasant. Sicherheitsmängel in Fabriken sind an der Tagesordnung, und der katastrophale Einsturz der Textilfabrik Rana Plaza in Bangladesch im Jahr 2013, bei dem mehr als 1000 Menschen starben, ist nur die Spitze des Eisbergs.
Fairer Handel und die Hoffnung auf Veränderung
Doch es gibt auch Lichtblicke. Unternehmen wie C&A, Otto und Tchibo bemühen sich um mehr Transparenz in ihren Lieferketten. Kleinere Firmen wie „Native Souls“ setzen auf transparente Produktionswege und faire Arbeitsbedingungen. Auf fair produzierte Textilien zu setzen, ist nicht nur ein Trend, sondern ein echtes Zeichen für Verantwortung. Das staatliche Siegel „Grüner Knopf“ beispielsweise kennzeichnet Produkte, die sozial und ökologisch hergestellt wurden.
Initiativen wie das „Bündnis für nachhaltige Textilien“ des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) zielen darauf ab, Umwelt- und Sozialstandards in der Textilwirtschaft durchzusetzen. Das Textilbündnis, das 2014 ins Leben gerufen wurde, fördert eine sozial gerechte Transformation globaler Textillieferketten und setzt sich für bessere Arbeitsbedingungen ein. Verbraucher können durch den „Grünen Knopf“ bewusstere Kaufentscheidungen treffen.
In Landsberg am Lech wird also nicht nur auf fairen Sport geachtet, sondern auch auf die faire Produktion von Textilien. Es bleibt zu hoffen, dass immer mehr Kommunen und Unternehmen diesem Beispiel folgen und dass der faire Handel nicht nur eine Option, sondern eine Selbstverständlichkeit wird. So könnte ein bisschen mehr Gerechtigkeit in die Welt kommen – und das ist schließlich ein Ziel, für das es sich zu kämpfen lohnt.