Heute ist der 28.05.2026 und die wirtschaftliche Stimmung in Westschwaben zeigt sich so trüb wie der Himmel über Günzburg an einem regnerischen Tag. Die IHK-Regionalgeschäftsstelle hat eine Pressmitteilung veröffentlicht, die wenig Anlass zur Freude gibt. Im Frühjahr 2026 hat sich die wirtschaftliche Lage merklich verschlechtert. Der IHK-Konjunkturindex für die Landkreise Neu-Ulm und Günzburg ist um sieben Punkte auf 91 Punkte gefallen. Damit liegt er nicht nur deutlich unter der Wachstumsschwelle von 100 Punkten, sondern auch unter dem langjährigen Durchschnitt von 113 Punkten. Ein Blick auf die aktuellen Zahlen lässt erahnen, dass die Unternehmen unter erheblichem Druck stehen. Gerd Stiefel, Vorsitzender der IHK-Regionalversammlung Neu-Ulm, bringt es auf den Punkt: „Die Unternehmen stehen unter erheblichem wirtschaftlichem Druck.“

Die Gründe dafür sind vielfältig. Hohe Kosten und eine schwache Nachfrage drücken auf die Stimmung, während Unsicherheit über die wirtschaftspolitische Entwicklung wie ein Schatten über den Betrieben schwebt. Hermann Hutter, der Vorsitzende der IHK-Regionalversammlung Günzburg, äußert sich ähnlich. Er betont, dass die Unternehmen bei Investitionen und Personalentscheidungen zunehmend vorsichtig reagieren. Im Landkreis Neu-Ulm ist der Index um fünf Punkte auf 94 Punkte gesunken, während im Landkreis Günzburg der Rückgang sogar neun Punkte beträgt – auf 87 Punkte. Besonders der Handel spürt die schwache Inlandsnachfrage mit einem Branchenindex von nur 89 Punkten.

Der Blick auf die einzelnen Branchen

Ein wenig Licht gibt es in der Dienstleistungsbranche, die als wichtigste Stütze der regionalen Konjunktur gilt. Mit einem Branchenindex von 106 Punkten zeigt sie sich stabil. Die Industrie hat mit 101 Punkten ebenfalls einen Index über der 100-Punkte-Marke, leidet aber unter internationalen Krisen und protektionistischen Zöllen. Die allgemeine Stimmung ist jedoch angespannt, und doppelt so viele Unternehmen erwarten sinkende Belegschaften. Die IHK-Regionalversammlungsleiter fordern daher dringend wirtschaftspolitische Reformen von der Bundespolitik.

Reformen sind notwendig, um wettbewerbsfähige Energiepreise zu gewährleisten, Genehmigungsverfahren zu beschleunigen und die Verkehrs- sowie Datennetze leistungsfähiger zu gestalten. Auch der Bürokratieabbau steht auf der Agenda. Es wird gefordert, das Potenzial starker mittelständischer Unternehmen zu stärken und für einen breiten Branchenmix in Westschwaben zu sorgen.

Ein Lichtblick in Günzburg?

<pDoch nicht alles ist verloren. Zu Beginn des Jahres 2026 hat sich die Stimmung in Günzburg leicht verbessert. Der IHK-Konjunkturindex stieg um 3 Punkte auf 96 Punkte im Vergleich zum Herbst 2025. Diese Verbesserung wird von Hermann Hutter als Vertrauensvorschuss der Unternehmen an die Politik gewertet. Es gibt zwar einen leichten positiven Trend in den meisten Branchen, aber der Einzelhandel bleibt mit einem Index von 96 Punkten zurück.

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Die IHK Schwaben befragte vom 5. bis 16. Januar 2026 einen repräsentativen Querschnitt ihrer Mitgliedsunternehmen und stellte fest, dass 27% die Geschäftslage als „gut“ bewerten – das ist immerhin ein Anstieg. Dennoch bleibt die Skepsis: 24% der Unternehmen erwarten eine verschlechterte Geschäftslage im kommenden halben Jahr. Die Risiken sind allgegenwärtig: wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen, Inlandsnachfrage, Arbeitskosten und der Mangel an qualifizierten Arbeitskräften belasten die Unternehmen.

Die Herausforderungen bleiben

<pAndreas Dirr, Vorsitzender der IHK-Regionalversammlung Donau-Ries, berichtet von ähnlichen Herausforderungen in Nordschwaben. Auch dort leiden die Unternehmen unter hohen Energiepreisen, schwacher Inlandsnachfrage und anhaltender wirtschaftspolitischer Unsicherheit. Investitionen werden verschoben, und die Zurückhaltung bei Neueinstellungen nimmt zu. Alexander Merenda, Vorsitzender der IHK-Regionalversammlung Dillingen, fordert verlässliche wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen und mehr Vertrauen in die Zukunft des Standorts Deutschland.

<pDie IHK Schwaben, die rund 140.000 Mitgliedsunternehmen vertritt, ist seit 1843 aktiv und hat die Aufgabe, die Interessen der Wirtschaft in der Region zu vertreten. Die aktuelle Situation zeigt jedoch, dass es an der Zeit ist, mutige Reformen einzuleiten, um die Wirtschaft wieder auf Kurs zu bringen.