Heute ist der 17.05.2026 und in Garmisch-Partenkirchen dreht sich alles um die Herausforderung, trotz gesundheitlicher Einschränkungen aktiv zu bleiben. Ein herausragendes Beispiel ist Stephan Scherzer, 61 Jahre alt, der mit einer Fußheberschwäche lebt. Das bedeutet, dass es ihm schwerfällt, den Fuß anzuheben – ein Handikap, das viele als unüberwindbar empfinden würden. Doch Scherzer schnürt weiterhin seine Lauf- oder Wanderschuhe und trotzt den Widrigkeiten. Er erinnert sich an seine Jugend, als das Stolpern und Hinfallen fast schon zum Alltag gehörte. Doch nicht entmutigt, hat er durch Sport und Muskeltraining seine Einschränkungen über Jahrzehnte hinweg kompensiert und es sogar geschafft, eine Schiene abzulegen. Ein wahres Vorbild!
Leider kam mit Mitte 50 eine neue Herausforderung auf ihn zu: Arthrose vierten Grades in der Hüfte. Dies beeinträchtigt seine Aktivitäten erheblich, aber Scherzer gibt nicht auf. Er ist fest entschlossen, zurück in die Berge zu kommen und die Schönheit der Natur zu genießen. Um ihn dabei zu unterstützen, erhielt er eine speziell angefertigte Orthese aus dem 3D-Drucker. Diese wurde in enger Zusammenarbeit mit einem Orthopädie-Betrieb entwickelt und der Prozess dauerte über ein Jahr, mit zahlreichen Anpassungen. Ein beeindruckendes Beispiel für die Möglichkeiten der modernen Medizin!
Hilfsmittel und ihre Bedeutung
Die OTWorld, die vom 19. bis 22. Mai in Leipzig stattfinden wird, ist die weltgrößte Fachmesse der Orthopädie- und Rehabranche. In Deutschland benötigt jedes Jahr ein Viertel der gesetzlich Versicherten Hilfsmittel wie Prothesen, Orthesen oder Rollstühle. Ein enormer Bedarf, der sich auch in den Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen widerspiegelt: 2024 werden dafür nahezu zehn Milliarden Euro aufgebracht. Besonders erschreckend ist, dass die Hälfte dieser Hilfsmittel von Personen ab 65 Jahren benötigt wird. Dies zeigt, dass die Nachfrage aufgrund einer älter werdenden Gesellschaft und chronischer Erkrankungen stetig wächst.
Christoph Lohmann, Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie, gibt jedoch Entwarnung. Deutschland ist gut aufgestellt in der Versorgung, mit führenden Unternehmen, die technisch anspruchsvolle Prothesen herstellen – darunter auch computergesteuerte Knieprothesen. Diese Entwicklungen könnten nicht nur das Leben von Patienten wie Scherzer verbessern, sondern auch die Gesundheitskosten langfristig senken. Denn gute Hilfsmittel könnten in vielen Fällen kostspielige Operationen wie eine Hüft-OP überflüssig machen.
Die Rolle der Physiotherapie und Elektrostimulation
Die Behandlung von Fußheberschwäche ist multifaktoriell und erfordert oft individuelle Anpassungen der Hilfsmittel. Eine Kombination verschiedener Therapien, wie Physiotherapie, kann das beste Gangergebnis erzielen. Physiotherapie ist eine zentrale Behandlungsmethode, die gezieltes Training der Muskulatur fördert und Muskelabbau verhindert. Dazu gehören auch angrenzende Muskelgruppen, die kompensatorische Funktionen übernehmen können. Eine vielversprechende Methode ist die funktionelle Elektrostimulation (FES). Diese wird in Form einer Manschette unter dem Knie angebracht und stimuliert durch elektrische Impulse die Nervenbahnen, um Muskelbewegungen auszulösen. Das Resultat? Ein nahezu natürliches Gangmuster und die Verbesserung der motorischen Funktionen!
In vielen Fällen werden auch sensomotorische Einlagen eingesetzt, die in Kombination mit FES eine noch effektivere Therapie ermöglichen. Eingebaute Druckpolster stimulieren Nervenzellen für die Tiefenwahrnehmung und helfen, Verspannungen zu lösen. So wird der Weg zurück in die Berge auch für Menschen wie Stephan Scherzer, die mit körperlichen Einschränkungen kämpfen, gangbar.
Der finanzielle Rahmen
Um das Ganze in einen größeren Kontext zu setzen: Im Jahr 2025 wurden in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) 12,3 Milliarden Euro für Hilfsmittel ausgegeben. Dies macht etwa 3,5 Prozent der Gesamtausgaben der GKV aus. Auch wenn der Kostendruck, wie Petra Menkel vom Orthopädie-Betrieb anmerkt, die Entwicklung neuer Hilfsmittel erschwert, bleibt die Hoffnung, dass mit innovativen Lösungen und einer gezielten Förderung von Hilfsmitteln auch in Zukunft viele Menschen ihre Lebensqualität verbessern können.