Schnäppchenjagd oder Abschiedsschmerz? Der letzte Tag bei Hervis in Garmisch-Partenkirchen
Heute ist der 13.06.2026, und in Garmisch-Partenkirchen wird gerade ein Räumungsverkauf in der Hervis-Filiale abgehalten. Die Stimmung ist gemischt. Auf der einen Seite gibt es Schnäppchen, auf der anderen Seite schwingt die Melancholie mit, denn die Schließung dieser Filiale ist nur ein Teil eines größeren, traurigen Bildes. Hervis, der bekannte Sportartikelhändler, plant, im kommenden Jahr 17 Filialen in Österreich dichtzumachen. Das betrifft nicht nur die Geschäfte, sondern auch die Menschen hinter den Tresen – insgesamt 100 Arbeitsplätze stehen auf der Kippe. Das ist schon ein herber Schlag für die betroffenen Mitarbeiter und ihre Familien.
Die Entscheidung, diese Standorte zu schließen, kommt nicht aus heiterem Himmel. Die betroffenen Filialen wurden als nicht ertragbringend eingestuft. Das bedeutet, dass der Druck im Einzelhandel, der durch die Digitalisierung und die großen Online-Riesen immer größer wird, auch vor Hervis nicht haltmacht. Die Marke, die einst zum Handelskonzern Spar gehörte, wurde Anfang 2026 an die Quantum Investment Holding GmbH verkauft, die von Sven Voth und Udo Schloemer geleitet wird. Und nun, unter neuer Führung, wird das Augenmerk auf die Rentabilität gelegt.
Die Situation in Deutschland und anderswo
Ein Blick auf die Situation in Deutschland zeigt, dass hier ebenfalls nicht alles rosig ist. Während in Österreich die Schließungen bereits angekündigt sind, hat man in Deutschland bereits vier Filialen geschlossen. Garmisch-Partenkirchen, Donauwörth, Amberg und Neumarkt in der Oberpfalz – das sind die letzten verbliebenen Standorte. Auch in anderen Ländern sieht es nicht viel besser aus. In Slowenien wurden 21 und in Kroatien 18 Filialen geschlossen. Die Zukunft der Marke ist ungewiss und wirft Fragen auf, wie sich der Sporthandel in den kommenden Jahren entwickeln wird.
Die Gründe für diese Entwicklung sind vielfältig. Neben der veränderten Marktbedingungen, die Michael Seidel, der neue Eigentümer des Auslandsgeschäfts, anführt, gibt es auch den Druck durch die Corona-Pandemie, Kriege und die damit verbundenen Energie- sowie Lieferengpässe. Diese Faktoren haben die Kaufkraft der Verbraucher:innen stark beeinträchtigt, und die Einzelhandelsbranche hat sich grundlegend gewandelt. Erstaunlicherweise kaufen fast 93 % der Deutschen mittlerweile online ein, was den stationären Handel unter Druck setzt.
Ein Blick in die Zukunft
Die Herausforderungen für den Einzelhandel sind enorm. Technologische Innovationen, wie Künstliche Intelligenz, könnten neue Möglichkeiten bieten, aber die Risiken sind ebenso hoch. Verbraucher:innen fordern mehr Transparenz und Engagement in Bezug auf Nachhaltigkeit, und das hat Auswirkungen auf das Kaufverhalten. Wer kann es den Menschen verdenken, dass sie in Zeiten steigender Preise und unsicherer wirtschaftlicher Verhältnisse besonders darauf achten, wo sie ihr Geld ausgeben?
Die Schließungen von Hervis sind nur ein weiteres Beispiel für einen größeren Trend im Einzelhandel. Während Discounter und Online-Marktplätze boomen, kämpfen traditionelle Händler um ihre Existenz. Die Zukunft wird zeigen, ob die Marken sich anpassen können oder ob sie der Welle der Veränderungen erliegen. In Garmisch-Partenkirchen ist die Atmosphäre angespannt, während die letzten Kunden durch die Regale schlendern und das Gefühl haben, etwas Wertvolles zu verlieren.
Es bleibt abzuwarten, wie sich die Situation entwickeln wird. Vielleicht wird der Einzelhandel durch die Herausforderungen gestärkt, vielleicht aber auch nicht. Das ist eine spannende, wenn auch sorgenvoll stimmende Zeit für alle Beteiligten.
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