In den letzten Jahren ist es in Deutschland zu einem bemerkenswerten Anstieg der Lehrkräfte ohne anerkannte Lehramtsqualifikation gekommen. Die Zahl hat sich in den letzten zehn Jahren mehr als verdoppelt – der Anteil dieser Quereinsteiger und Seiteneinsteiger beträgt mittlerweile rund 12%. Das ist schon eine Hausnummer! Und während die Schulen vermehrt mit dem Problem kämpfen, dass viele Schüler grundlegende Mindeststandards in verschiedenen Fächern verfehlen, wird klar: Die Aus- und Fortbildung des Lehrpersonals steht vor neuen Herausforderungen.

Anja Bensinger-Stolze von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) spricht in diesem Zusammenhang von Vor- und Nachteilen, die diese Quereinsteiger mit sich bringen. Umfragen zeigen, dass der Mangel an Personal und die vielen Quereinsteiger eine echte Herausforderung für die Schulen darstellen. Immer mehr Lehrkräfte werden ohne ein abgeschlossenes Lehramtsstudium eingestellt – und das, obwohl sie oft über ein anderes Studium verfügen. Quereinsteiger haben immerhin ein Studium, benötigen jedoch eine pädagogische Qualifikation, während Seiteneinsteiger ohne Referendariat direkt ins kalte Wasser springen.

Eine Herausforderung für das Bildungssystem

Immer wieder hört man die Geschichten von Seiteneinsteigern, die von fehlender Unterstützung und Überforderung berichten. Bensinger-Stolze fordert, dass es gut organisierte Lehrerfortbildung für diese neuen Lehrkräfte geben muss. Sie hebt hervor, dass Lehrkräfte ohne einschlägigen Abschluss oft nicht die Unterstützung bekommen, die sie benötigen. In Sachsen-Anhalt kündigt ein Drittel der Seiteneinsteiger im ersten Jahr – das macht nachdenklich. Um dem entgegenzuwirken, plant das Bildungsministerium in Sachsen-Anhalt verbindliche Qualifizierungstage pro Woche für neu eingestellte Seiteneinsteiger.

Und während die Forschungslage zum Thema Quer- und Seiteneinstieg in den Lehrberuf noch dünn ist, zeigt eine aktuelle Studie von Werner Klein im IQB-Bildungstrend 2024, dass es keine direkte Verbindung zwischen den sinkenden Schülerleistungen in MINT-Fächern und den steigenden Anteilen von Quereinsteigern gibt. Oft sind die negativen Effekte auf Schülerleistungen eher auf den Einsatz von fachfremd unterrichtenden Lehrkräften in schwierigen Klassen zurückzuführen.

Berufszufriedenheit und Integration

Eine interessante Facette ist die Berufszufriedenheit. Während regulär ausgebildete Lehrkräfte eine Zufriedenheit von 2,95 auf einer Skala von 1 bis 6 haben, liegen Quereinsteiger bei 2,96 und Seiteneinsteiger sogar bei 3,04. Komischerweise zeigen diese Zahlen, dass Seiteneinsteiger die höchste Zufriedenheit aufweisen – vielleicht, weil sie oft aus anderen Berufen kommen und sich den Wechsel in den Lehrerberuf als eine Art Neuanfang erhoffen.

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Vor ihrem Einstieg in den Schuldienst hatten die meisten Quereinsteiger und Seiteneinsteiger Berufe außerhalb der Wissenschaft. Der Wunsch, mit Menschen zu arbeiten und eine sichere Perspektive zu haben, treibt viele in den Lehrerberuf. Ihre eingebrachten Kompetenzen – Resilienz, Organisationsfähigkeit, vernetztes Arbeiten – sind wertvoll, doch oft übernehmen sie auch Zusatzfunktionen, die weniger mit dem Unterricht zu tun haben. Das kann die technische Betreuung oder Sicherheitsaufgaben umfassen.

Ein Blick auf die Zahlen

Ein Blick auf die aktuellen Zahlen zeigt, dass im Schuljahr 2022/2023 rund 71.100 von insgesamt 724.800 Lehrkräften an allgemeinbildenden Schulen ohne anerkannte Lehramtsprüfung unterrichteten. Im Vergleich dazu waren es im Schuljahr 2012/2013 nur knapp 37.400. Der Anteil der Lehrkräfte ohne anerkannte Lehramtsprüfung an beruflichen Schulen lag im selben Jahr bei 21,2%. Die Zahl der Studienanfänger in Lehramtsstudiengängen ist zwar 2023 leicht gestiegen, bleibt aber im Zehnjahresvergleich rückläufig.

Das lässt einen ganz schön nachdenklich zurück. Was passiert mit unserem Bildungssystem, wenn der Trend so weitergeht? Es bleibt abzuwarten, wie sich die Integration und die Fortbildung für Quereinsteiger in den kommenden Jahren entwickeln werden – die Schulen, die Schüler und vor allem die Lehrkräfte brauchen dringend Lösungen.

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