Emanuel Lasker: Schachgenie und Philosoph im Schatten der Geschichte
In den letzten Jahren hat sich das Schicksal des legendären Schachweltmeisters Emanuel Lasker, der von 1894 bis 1921 den Titel hielt, zu einem spannenden Thema entwickelt. Lasker wurde nicht nur wegen seiner beeindruckenden Schachfähigkeiten bekannt, sondern auch durch seine tragische Geschichte, die durch die politischen Umwälzungen in Deutschland geprägt wurde. Geboren 1868 in Berlinchen, im Haus eines Kantors, war er ein echtes Wunderkind. Schon früh brachte ihm sein älterer Bruder Berthold die Geheimnisse des Schachs bei, und das war der Beginn einer bemerkenswerten Karriere. 1894, mit nur 26 Jahren, besiegte er den damaligen Weltmeister Wilhelm Steinitz und sicherte sich den Titel, den er unglaubliche 27 Jahre lang halten sollte.
Sein Leben war jedoch nicht nur von Schach geprägt. Nach seiner Promotion 1900 an der Universität Erlangen, wo er eine Dissertation zur Analysis verfasste, versuchte Lasker vergeblich, an einer Universität als Mathematiker zu arbeiten. Trotz seiner hochkarätigen Qualifikationen – er wurde sogar für seine Arbeiten zu den Lasker-Ringen und dem Lasker-Noether-Theorem anerkannt – blieb eine akademische Laufbahn ihm verwehrt. Das führte ihn dazu, sich als Berufsschachspieler zu betätigen. Lasker gründete 1904 in New York das „Lasker’s Chess Magazine“ und begann, sich auch für Philosophie zu interessieren. Seine erste philosophische Schrift, „Struggle und Kampf“, veröffentlichte er 1907.
Ein Leben im Schatten der Politik
Die politischen Umwälzungen in Deutschland, die 1933 mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten einhergingen, stellten für Lasker und seine Frau Martha eine existenzielle Bedrohung dar. Juden wurden verfolgt, und 1938 wurde ihm die deutsche Staatsbürgerschaft entzogen. Diese Ausbürgerung basierte auf dem „Gesetz über den Widerruf von Einbürgerungen und die Aberkennung der deutschen Staatsangehörigkeit“. Lasker und seine Frau mussten Deutschland verlassen und lebten zeitweise in Moskau, wo Lasker weiterhin seine kritischen Ansichten über den Nationalsozialismus äußerte.
Die Rückkehr nach Deutschland schien unmöglich. Rolf-Dietrich Beran, ein Schachhistoriker, entdeckte kürzlich, dass Laskers Depromotion nie rückgängig gemacht wurde. Beran setzte sich dafür ein, dass Lasker posthum der Titel des Dr. phil. wieder zuerkannt wird. Unterstützung fand er dabei bei den Professoren der Universität Erlangen. Am 11. Juli 2026 soll es im Rahmen der jährlichen Promoviertenfeier endlich soweit sein, und der große Schachmeister wird die Anerkennung erhalten, die ihm zusteht.
Ein Jahrhunderttalent im Schach
Emanuel Lasker war jedoch nicht nur ein Schachweltmeister, sondern auch ein Mensch mit vielen Facetten. Er war ein leidenschaftlicher Spieler, der seine Titel mehrfach verteidigte – unter anderem gegen den legendären Frank James Marshall im Jahr 1907, wo er mit einem beeindruckenden Ergebnis von 11,5:3,5 gewann. Laskers Schachstil war unorthodox und kreativ, was ihn zu einem der stärksten Spieler seiner Zeit machte. Auch in anderen Spielen wie Bridge und Go fand er Freude und veröffentlichte 1929 das Buch „Die Strategie der Kartenspiele“.
Sein Leben war geprägt von Verlusten und Herausforderungen. Der Erste Weltkrieg brachte Lasker finanzielle Schwierigkeiten, da er sein Vermögen in Kriegsanleihen investiert hatte. Trotz all dieser Widrigkeiten blieb Lasker ein Mensch der Ideen und der Gedanken. In seinen späteren Jahren wandte er sich verstärkt der Philosophie zu und veröffentlichte 1919 „Die Philosophie des Unvollendbar“. Auch über die Rolle der Juden im Schach schrieb er 1911 und äußerte sich zu sozialen Themen, etwa in seinem Essay „Gesellschaft der Zukunft“ von 1940, in dem er Kibbuzim als Modell einer Arbeitsgesellschaft ohne Arbeitslosigkeit beschrieb.
Ein Abschied von der Welt
Lasker verstarb 1941, ohne jemals vom Holocaust zu erfahren. Seine letzten Lebensjahre verbrachte er in den USA, nachdem er 1937 aus der Sowjetunion emigriert war. Dort erlebte er, wie seine Mitmenschen um ihn herum kämpften, und seine Gedanken kreisten oft um die Herausforderungen der Zeit. Laskers Vermächtnis ist nicht nur das Schachspiel, das er revolutionierte, sondern auch sein unermüdlicher Geist und seine kritischen Gedanken zur Gesellschaft. Jetzt, 2026, kann die Universität Erlangen endlich dafür sorgen, dass er die Anerkennung erhält, die er verdient hat. Ein schöner Abschluss für einen so außergewöhnlichen Menschen!
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