Heute ist der 25.05.2026 und in Erding hat sich etwas Spannendes ereignet. In der Stadtbücherei versammelten sich rund 35 Zuhörer, um einem Vortrag von Andy Kuhn, einem Sprachwissenschaftler aus München, zu lauschen. Das Thema? Achtsamkeit in der Sprache und die problematischen Begriffe, die uns im Alltag begegnen. Manchmal fragt man sich, was genau man sagen sollte, ohne jemandem auf die Füße zu treten. Kuhn hat da ein paar Gedanken zu geäußert, die wirklich zum Nachdenken anregen.
Die Veranstaltung wurde in Kooperation mit dem Katholischen Bildungswerk Erding organisiert und brachte das Publikum zusammen, um über Begriffe wie „Negerkuss“ und „Zigeunersoße“ zu diskutieren. Kuhn hat diese Fremdbezeichnungen als problematisch kritisiert und ermutigte die Anwesenden, Menschen direkt zu fragen, wie sie angesprochen werden möchten. Angesichts der Vielfalt menschlicher Identitäten ist das eine wertvolle Empfehlung!
Ein Blick auf die Sprache
Während der Veranstaltung gab es auch eine amüsante Szene, als Kuhn Schokoküsse verteilte. Eine Besucherin nannte sie „Bumskopf“, was ihn dazu brachte, zu sagen, dass dieser Ausdruck politisch korrekter sei als frühere Bezeichnungen. Eine interessante Wendung, die zeigt, wie sich unsere Sprache weiterentwickelt. Auch historische Begriffe wie Sarotti-Mohr und Mohrenapotheke wurden erwähnt, was das Publikum zum Schmunzeln brachte, aber auch zum Nachdenken anregte.
Alternativen zu problematischen Begriffen gab es reichlich: Statt „Neger“ und „Eskimo“ sollten wir besser „Person of Colour (PoC)“ oder „Indigene“ verwenden. Diese Worte sind nicht nur respektvoller, sie zeigen auch, dass wir die Menschen hinter den Begriffen wahrnehmen. Kuhn empfahl, den Begriff „Zigeuner“ zu vermeiden und stattdessen „Sinti und Roma“ zu nutzen. In einer Zeit, wo Sensibilität und Respekt immer wichtiger werden, ist das ein Schritt in die richtige Richtung.
Achtsame Kommunikation
Achtsame Sprache ist nicht nur ein Schlagwort. In unserer schnelllebigen Welt neigen wir oft dazu, Kommunikation auf das Nötigste zu reduzieren – und das führt zu Missverständnissen und Konflikten. Achtsamkeit, die ursprünglich aus dem Buddhismus stammt, lehrt uns, den gegenwärtigen Moment ohne Urteil wahrzunehmen. Kuhn sprach über die Prinzipien der achtsamen Kommunikation: Selbstmitgefühl, Wertschätzung und bewusste Wortwahl sind nur einige davon.
Das Zuhören ist dabei genauso wichtig wie das Sprechen. Aktives Zuhören, also volle Aufmerksamkeit schenken, Augenkontakt halten und die Gedanken des Gegenübers wertschätzen, kann viel zur Deeskalation von Konflikten beitragen. Mit einer klaren, einfachen Sprache können wir Missverständnisse vermeiden und eine positive Gesprächsatmosphäre schaffen. Kuhn erwähnte auch, dass Fragen wie „Woher kommen Sie?“ vermieden werden sollten – stattdessen könne man nach der gesprochenen Sprache fragen. Ein kleiner, aber feiner Unterschied!
Ein Dialog der Kulturen
In der Diskussion über Faschingskostüme und das Gendern wurden viele Perspektiven angesprochen. Es war spannend zu hören, wie unterschiedlich Menschen über diese Themen denken. Der Gendersternchenansatz wurde als ein Versuch gewertet, alle einzuschließen, auch wenn nicht jeder damit einverstanden ist. Es gibt viele Wege, die Sprache zu gestalten, und das macht den Dialog so lebendig.
Am Ende des Abends war klar: Achtsame Kommunikation ist ein Schlüssel zu einer respektvollen und empathischen Gesellschaft. Jeder kann einen Beitrag leisten, indem er bewusster spricht und zuhört. Und vielleicht – nur vielleicht – können wir so ein bisschen näher zueinander finden. Denn in dieser bunten Welt der Worte ist es wichtig, dass wir uns gegenseitig hören und verstehen. So bleibt die Sprache lebendig und relevant.