Am vergangenen Dienstag fand in der Erdinger Stadtbücherei eine spannende Veranstaltung statt, die das Thema Sprache und ihre Bedeutung in unseren Alltag beleuchtete. Mit rund 35 Zuhörern war die Atmosphäre lebhaft und interessiert. Andy Kuhn, ein Sprachwissenschaftler aus München, referierte über die Achtsamkeit in der Sprache und stellte einige Begriffe in Frage, die heutzutage als problematisch gelten. Diese Diskussion war nicht nur informativ, sondern auch äußerst nötig, um ein Bewusstsein für die Sensibilität in der Kommunikation zu schaffen.

In Kooperation mit dem Katholischen Bildungswerk Erding wurde eine Plattform geschaffen, die es den Anwesenden ermöglichte, über alltägliche Fremdbezeichnungen nachzudenken. Begriffe wie „Negerkuss“ und „Zigeunersoße“ wurden von Kuhn klar als nicht mehr zeitgemäß kritisiert. Stattdessen empfahl er, Menschen direkt zu fragen, wie sie angesprochen werden möchten – eine einfache, aber effektive Methode, um Respekt und Wertschätzung in der Kommunikation zu fördern. Die Veranstaltung war geprägt von einer offenen Diskussion über Themen wie Faschingskostüme, Gendern und die Frage „Woher kommen Sie?“, die in unserer heutigen, multikulturellen Gesellschaft oft zu Missverständnissen führen kann.

Achtsamkeit in der Sprache

Doch was genau bedeutet „achtsame Kommunikation“? Ursprünglich aus dem Buddhismus stammend, lehrt sie uns, den gegenwärtigen Moment ohne Urteil wahrzunehmen. In einer Welt, in der Kommunikation oft auf das Nötigste reduziert wird, ist es umso wichtiger, bewusst und klar zu sprechen und zuzuhören. Kuhn verteilte während seines Vortrags sogar Schokoküsse an das Publikum – vielleicht als süße Erinnerung an die sanften Worte, die wir wählen sollten. Alternativen zu den genannten Begriffen wurden ebenfalls angesprochen, und ein kreativer Vorschlag wie „Bumskopf“ sorgte für einige Schmunzler im Publikum.

Die Prinzipien der achtsamen Sprache umfassen Selbstmitgefühl, Wertschätzung und eine bewusste Wortwahl. Diese Prinzipien sind nicht nur hilfreich, um Konflikte zu deeskalieren, sondern fördern auch das Verständnis und das Finden gemeinsamer Lösungen. Praktische Tipps, wie die Nutzung von Ich-Botschaften und aktives Zuhören, wurden gegeben, um eine positive Gesprächsatmosphäre zu schaffen. Ein kleiner Hinweis: Stille kann oft mehr sagen als tausend Worte. Pausen, um nachzudenken oder Emotionen zu erkennen, sind essenziell, um tiefere Verbindungen aufzubauen.

Der Weg zu respektvoller Kommunikation

Im Verlauf der Diskussion wurden auch historische Begriffe wie Sarotti-Mohr und Mohrenapotheke erwähnt, die nicht mehr zeitgemäß sind. Kuhn wies darauf hin, dass „Neger“ durch „schwarz“ oder „Person of Colour (PoC)“ ersetzt werden kann. Auch die Verwendung von „Eskimo“ und „Indianer“ wurde in Frage gestellt, wobei bessere Bezeichnungen wie „Indigene“ oder spezifische Stammesbezeichnungen in den Raum geworfen wurden. Besonders die Bezeichnung „Zigeuner“ wurde als nicht mehr akzeptabel erachtet, an deren Stelle „Sinti und Roma“ empfohlen wurde.

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Diese Auseinandersetzung mit der Sprache ist besonders wichtig in aktuellen politischen Zeiten, in denen der respektvolle Umgang miteinander oft auf der Strecke bleibt. Kuhn sprach auch über das Gendersternchen, das als Versuch verstanden wird, alle Geschlechter einzuschließen. Ob sich diese Form der Ansprache jedoch durchsetzen wird, bleibt abzuwarten. Fest steht, dass achtsame Kommunikation eine Fähigkeit ist, die erlernt werden kann und Übung erfordert. Vielleicht ist der erste Schritt, einfach einmal zuzuhören und die eigenen Worte zu hinterfragen.