Heute ist der 17.06.2026, und in Erding brodelt die Stimmung. Das Frühlingsfest, das nun schon seit fünf Jahren in dieser Form gefeiert wurde, steht vor dem Aus. Tobias Martl, der Veranstalter, hat es ausgesprochen: „Wir werden das Fest künftig nicht mehr organisieren.“ Was für eine Nachricht! Die Gründe, die zu dieser schweren Entscheidung führten, sind so vielfältig wie die bunten Lichter der Fahrgeschäfte. Hohe Kosten und zu wenige Besucher haben das Fest in eine finanzielle Schieflage gebracht. Vor der Eröffnung investieren Veranstalter und Schausteller insgesamt bis zu 80.000 Euro, damit alles glattläuft. Ein ordentlicher Batzen Geld, der sich nicht mal ansatzweise rentiert hat.

Besonders die Schausteller haben zu kämpfen. Rund 20.000 Euro zahlen sie für die Anlieferung und den Aufbau ihrer Fahrgeschäfte. Dazu kommen noch weitere Ausgaben wie TÜV, Personal, Strom und Versicherungen. Ein Betreiber musste sogar sagenhafte 500.000 Euro aufwenden, um neue DIN-Normen einzuhalten. Und das bei einem Fest, wo die Besucherzahlen nach dem ersten Wochenende rasant zurückgingen. Der Brauchtumstag am Pfingstmontag war eine herbe Enttäuschung im Vergleich zum Vorjahr. Das ist schon bitter, wenn man an die Mühen denkt, die in die Vorbereitung gesteckt wurden.

Herausforderungen für Schausteller und Betreiber

Die Preise waren fair, mit 11,80 Euro für die Maß Bier und 6,10 Euro für die Halbe. Trotz der Bemühungen um Qualität bei Speisen und Fahrgeschäften blieben die Besucher aus. Vielleicht lag es am Wetter, vielleicht an der Konkurrenz durch andere Feste. Verena Kaiser, die Betreiberin des größten Fahrgeschäfts „Skater“, das seit 30 Jahren auf Tour ist und heuer neu überholt wurde, hat mit ihrem Mann alles gegeben. Doch auch sie spürt den Rückgang der Gäste. Viele Familien nutzen zwar den Volksfestplatz und die Fahrgeschäfte, doch die Zahlen müssen sich im Vergleich zum Herbstfest behaupten, und das wird immer schwieriger.

Das Fahrgeschäft „Parkour“ von Andreas Aigner, das seit 2009 besteht, hat geschätzte Aufbau- und Anreisekosten von 5.000 bis 10.000 Euro. Die Geistervilla von Richard Sipkema, die seit 17 Jahren betrieben wird, hat einen Aufbau von einem Tag und benötigt sechs bis sieben Stunden für den Abbau. Doch trotz dieser beeindruckenden Zahlen spüren alle Betreiber einen Druck. Unkosten von etwa 17.000 Euro stehen zu geringen Einnahmen gegenüber. Kellner im Festzelt klagen über die leeren Tische, obwohl das Zelt bereits um 11 Uhr öffnete. Am Wochenende blitzen zwar einige gute Besucherzahlen auf, doch unter der Woche bleibt es oft ruhig, was die Betreiber frustriert. Werbung wurde durch 400 Plakate, drei bedruckte Busse und soziale Netzwerke gemacht – und dennoch fehlt das Publikum.

Ein Blick auf die Zukunft

Die Ungewissheit über die Fortsetzung des Frühlingsfests im nächsten Jahr schwebt wie ein Damoklesschwert über den Köpfen der Veranstalter. Alles hängt von den Umsätzen und den Sicherheitskosten ab. Die bayerische Volksfesttradition gerät ins Wanken, nicht nur in Erding. In ganz Bayern kämpfen zahlreiche Feste mit ähnlichen Problemen. Ein Beispiel ist die Sandkerwa in Bamberg, die 2017 wegen gestiegener Sicherheitskosten in Höhe von 200.000 Euro abgesagt werden musste. Rund 300.000 Besucher jährlich strömen dorthin, und doch ist auch dort die Finanzierung ein großes Thema. Fast 40% der Gesamtkosten entfallen auf die Gefahrenabwehr. Ein paar Stimmen sprechen sich für Eintrittsgelder bei Traditionsfesten aus, um die Kosten zu decken, doch die Idee stößt auf Widerstand.

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Eines ist klar: Die gestiegenen Ausgaben sind ein Hauptproblem. Das Gefühl der Frustration ist überall spürbar. Die Veranstalter haben nicht nur mit finanziellen, sondern auch mit bürokratischen Hürden zu kämpfen. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Situation entwickeln wird. Ob Erding in der nächsten Saison ein Frühlingsfest erleben wird, steht in den Sternen. Die bayerische Volksfestkultur könnte sich in eine neue Richtung bewegen müssen, um den Herausforderungen der Zeit gerecht zu werden.

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