Im Landkreis Ebersberg, genauer gesagt an der Attel bei Emmering, hat sich etwas ganz Besonderes zusammengebraut. Hier wurde ein Projekt ins Leben gerufen, das sich der Rettung einer der am stärksten gefährdeten Arten widmet: der Bachmuschel (Unio crassus). Diese zarten Geschöpfe, die man mit etwas Glück in unseren heimischen Gewässern entdecken kann, sind akut vom Aussterben bedroht. Der Kreisfischereiverein Ebersberg hat in Zusammenarbeit mit verschiedenen Partnern, darunter die Fachberatung für Fischerei des Bezirks Oberbayern und der Fischereiverband Oberbayern e.V., ein ehrgeiziges Vorhaben gestartet, um die Bestände dieser Muschelart wieder aufzubauen.
Insgesamt wurden rund 10.000 Wirtsfische in die Gewässer der Rott, Attel und Kaltenbach eingesetzt – ein kleiner Schwarm, der große Hoffnung trägt! Diese Fische, darunter Arten wie die Elritze und Nase, wurden im Labor mit Muschellarven, den sogenannten Glochidien, infiziert. Es ist ein bisschen wie eine geheime Mission: Die Larven müssen sich innerhalb weniger Tage an den Kiemen der Fische festsetzen, um dort zu wachsen. Nach etwa 4 bis 6 Wochen fallen die Jungmuscheln ab und sinken auf den Gewässergrund, wo sie sich in den kiesigen Boden eingraben. Wenn alles gut geht, beginnt der natürliche Fortpflanzungszyklus der Bachmuschel von vorne.
Die Herausforderungen der Bachmuschel
Die Bestände der Bachmuschel sind in den letzten Jahren dramatisch eingebrochen – um etwa 90 Prozent! Verschmutzte Gewässer, der Verlust geeigneter Wirtsfische und invasive Arten wie die Bisamratte setzen dem kleinen Tierchen enorm zu. Umso wichtiger ist es, dass die Lebensräume und Umweltbedingungen in den Projektgewässern verbessert werden. Dr. Bernhard Gum hat bereits kleine Restbestände der Bachmuschel in den Gewässern Rott, Attel und Kaltenbach nachweisen können. Das gibt Anlass zur Hoffnung!
Die Methode, die für dieses Projekt gewählt wurde, ist alles andere als gewöhnlich. Die Entnahme der Wirtsfische erfolgt fischschonend mithilfe von Elektro-Befischung. Das klingt nicht nur spannend, sondern ist auch ein wichtiger Aspekt, um die Fische in ihrer natürlichen Umgebung zu schützen. Die Rücksetzung der infizierten Fische ins Gewässer erfolgt zu bestimmten Zeiten und bei geeigneten Wassertemperaturen – ein gut durchdachter Plan, um die Erfolgschancen zu maximieren.
Ein starkes Netzwerk für den Artenschutz
Dieses Projekt erfordert ein breites Engagement von verschiedenen Akteuren: Neben dem Kreisfischereiverein Ebersberg sind auch die Fischereivereine aus Wasserburg, Rosenheim, und viele weitere lokale Fischereigenossenschaften beteiligt. Maximilian Voit, einer der Projektverantwortlichen, hebt hervor, wie wichtig die Unterstützung durch Ehrenamtliche und Fischereirechtsinhaber ist. Es ist ein Gemeinschaftsprojekt, in dem sich alle zusammen für eine gute Sache einsetzen!
Die Bachmuschel hat nicht nur einen hohen Schutzstatus, sondern spielt auch eine entscheidende Rolle im Ökosystem. Sie filtert bis zu vier Liter Wasser pro Stunde und trägt damit zur Verbesserung der Wasserqualität bei. Wenn man bedenkt, dass diese Muscheln bis zu 20 Jahre alt werden können, wird klar, wie wichtig sie für die Gewässer sind. Doch die Herausforderungen sind groß: Die Gewässerqualität muss stimmen, und Biotopschutzmaßnahmen sind nötig, um diesen wertvollen Lebensraum zu sichern.
In den nächsten Jahren bis mindestens 2030 wird das Projekt kontinuierlich begleitet, mit dem Ziel, die natürliche Reproduktion der Bachmuschel wiederherzustellen. Es bleibt spannend zu beobachten, ob die engagierten Helfer:innen in Ebersberg und Umgebung die Bachmuschel auf ihrem langen Weg zurück ins Gewässer unterstützen können – und vielleicht wird schon bald eine neue Generation von Bachmuscheln unsere Gewässer bewohnen.