In der malerischen Region Ebersberg, wo die Natur noch unberührt scheint, hat ein bemerkenswertes Projekt zur Rettung der bedrohten Bachmuschel (Unio crassus agg.) das Licht der Welt erblickt. Hier, in den Gewässern von Rott, Attel und Kalten, setzen engagierte Umweltschützer und Fischereivereine alles daran, die Bestände dieser faszinierenden Muschelart wieder aufzubauen. Es ist eine Art, die in den letzten Jahrzehnten dramatisch zurückgegangen ist – um rund 90 Prozent, um genau zu sein. Dies ist nicht nur ein besorgniserregender Rückgang, sondern auch ein Weckruf für uns alle!
Im Rahmen dieses Projekts haben die Mitglieder des Kreisfischereivereins Ebersberg und weitere Partner wie der Fischereiverband Oberbayern e. V. rund 10.000 Wirtsfische in die Gewässer eingesetzt. Diese Fische, darunter Arten wie Elritzen und Nasen, fungieren als lebende Trägersysteme für die larvalen Muscheln, bekannt als Glochidien. Die Glochidien heften sich an die Kiemen der Wirtsfische und entwickeln sich dort über einen Zeitraum von vier bis sechs Wochen zu Jungmuscheln. Das ist ein faszinierender Kreislauf der Natur, der durch viele Faktoren, wie verschmutzte Gewässer und invasive Arten, gestört wurde.
Gemeinsam gegen das Aussterben
Die Methode ist ebenso spannend wie wirkungsvoll: Die Wirtsfische werden zunächst mit Elektrobefischung gefangen, dann im Labor mit den Muschellarven infiziert und schließlich wieder ins Wasser gesetzt. Die Freisetzung der Glochidien erfolgt in einem präzise abgestimmten Zeitrahmen und bei optimalen Wassertemperaturen – denn die kleinen Larven müssen sich innerhalb weniger Tage an den Kiemen der Fische festsetzen, um ihre Entwicklung fortzusetzen. Das ist ein wahrhaft teuflisches Zusammenspiel von Natur und Mensch, und es erfordert ein breites Engagement von Fischereivereinen, Ehrenamtlichen und Fischereirechtsinhabern, um das Vorhaben zum Erfolg zu führen.
„Wir haben kleine Restbestände der Bachmuschel in den Flüssen Rott, Attel und Kaltenbach nachgewiesen,“ sagt Dr. Bernhard Gum, Fachberater für Fischerei. Die Hoffnung auf eine Wiederherstellung der natürlichen Reproduktion ist groß, und auch Maximilian Voit, Präsident des Fischereiverbands Oberbayern, ist optimistisch. „Das Projekt wird von einer Vielzahl von Akteuren unterstützt – von den Kreisfischereivereinen bis hin zu den Fischereigenossenschaften.“ Es ist klar: Hier arbeiten Menschen zusammen, um die Natur zu schützen und ihren Teil zum ökologischen Gleichgewicht beizutragen.
Ein Schritt in die richtige Richtung
Die Bachmuschel hat viel zu bieten. Sie kann bis zu 20 Jahre alt werden und filtert etwa vier Liter Wasser pro Stunde! Das sind beeindruckende Zahlen, die zeigen, wie wichtig diese Muschel für die Wasserqualität und das gesamte Ökosystem ist. Doch die Ursachen für den Rückgang sind vielschichtig: verschmutzte Gewässer, Verlust geeigneter Wirtsfische und die Bedrohung durch invasive Arten wie die Bisamratte setzen den Beständen zu. Das Projekt, das bis mindestens 2030 laufen soll, ist also nicht nur eine einmalige Aktion, sondern ein langfristiger Einsatz für den Erhalt dieser einzigartigen Art.
Die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Partnern und die kontinuierliche Förderung aus dem Artenhilfsprogramm Bachmuschel sind entscheidend für den Erfolg. Die Koordination durch die Fachberatung für Fischerei ist ein weiterer wichtiger Pfeiler. Es bleibt spannend zu beobachten, wie sich die Bestände entwickeln und ob die Bachmuschel bald wieder in größerer Zahl in unseren Gewässern anzutreffen ist. Denn eines ist sicher: Jede Muschel zählt und jeder Einsatz für die Natur ist ein Schritt in die richtige Richtung.