In Poing, einer ehemaligen Hochburg der SPD, kündigt sich ein Umbruch an. Einst war Albert Hingerl über zwei Jahrzehnte der prägende Bürgermeister der Gemeinde. Doch die Zeiten haben sich gewandelt. Bei der Kommunalwahl 2020 ging der SPD die Bürgermeisterposition verloren, und im März 2022 büßte die Partei zwei Sitze im Gemeinderat ein. Das hat zur Folge, dass die SPD nun keinen der Stellvertreterposten mehr stellt. Stattdessen wurden Martin Pfürmann von der CSU und Matthias Andres von den Freien Wählern (FWG) zu den neuen Zweiten und Dritten Bürgermeistern gewählt. Ein Schlag ins Gesicht für die Grünen, die als zweitstärkste Fraktion ebenfalls leer ausgingen.

Das Besondere an Poing ist die Tradition, dass die Stellvertreterposten für die Fraktionen reserviert sind, die nicht den Ersten Bürgermeister stellen, aber bei der Wahl die zweit- oder drittbesten Ergebnisse erzielen. Thomas Stark trat als parteiloser Kandidat für die CSU an, während Christina Landgraf von den Grünen und Dominik Hohl von der SPD, die ebenfalls ihre Ambitionen anmeldeten, in den Abstimmungen unterlagen. Eine Einigung zwischen CSU und FWG auf eigene Kandidaten hat die politische Landschaft in der Gemeinde weiter verändert.

Ein Rückzug aus der Politik

Reinhard Tonollo, der bisherige Zweite Bürgermeister und SPD-Vertreter, hat sich entschieden, sich aus der Poinger Gemeindepolitik zurückzuziehen. Er war gegen Thomas Stark in der Bürgermeisterwahl unterlegen und hat sein Gemeinderatsmandat nicht angenommen. In einem nachdenklichen Moment äußerte er, dass es wenig Interesse an seinen Wahlkampf-Vorschlägen gab. Das lässt einen schon stutzig werden. Man fragt sich, ob es vielleicht an mangelnder Vision oder an einem spürbaren Weggang von Avnet aus der Gemeinde liegt. Tonollo plant, künftig in Ruhpolding aktiv zu werden und seinen Lebensmittelpunkt dorthin zu verlegen – ein Neuanfang in einer neuen Umgebung.

Die Wählergruppen, die bei den bayerischen Kommunalwahlen immer mehr an Bedeutung gewinnen, sind auch in Poing und Umgebung ein Thema. Es gibt über tausend Wahlvorschläge, auch wenn in den meisten Gemeinden kein neuer Bürgermeister gewählt wird. Hierzulande gibt es keine Fünfprozenthürde, was die Vielfalt in den Räten fördert und die Hemmschwelle zur Kandidatur senkt. Gerade in kleineren Gemeinden sind Wählergruppen oft erfolgreicher, während die Parteibindung mit der Größe der Gemeinde abnimmt. Das bayerische Innenministerium hat sogar lose Zusammenschlüsse von Wahlberechtigten als Wählergruppen erlaubt.

Die Zukunft der Poinger Politik

Ein interessanter Trend zeigt sich: Die Zahl der Bürgermeisterinnen und Bürgermeister, die von Wählergemeinschaften aufgestellt werden, steigt. In vielen Regionen Süddeutschlands erreichen Wählergruppen bis zu 50 Prozent der Stimmen bei Gemeinderatswahlen, während in großen Städten die Parteizugehörigkeit bei Stadtratswahlen ähnlich wichtig ist wie bei Landtags- und Bundestagswahlen. Aber bei Bürgermeisterwahlen? Da ist es oft ganz anders. Zudem gibt es zahlreiche kreative Wählergruppennamen, wie „Aus Vier mach Wir“ oder „Aller guten Dinge sind Drei“ – das bringt einen zum Schmunzeln.

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In Poing wird sich zeigen, wie sich die politischen Strömungen entwickeln. Der Wechsel von Tonollo und die neuen Machtverhältnisse könnten die Gemeinde nachhaltig beeinflussen. Die Frage bleibt: Welches Gesicht wird Poing in den kommenden Jahren zeigen? Wird die SPD zurückfinden oder bleibt die politische Landschaft so vielfältig und dynamisch wie bisher? Eines ist sicher, der Weg in die Zukunft ist spannend, und Poing wird sich auf jeden Fall weiterentwickeln.