Das Ebersberger Museum Wald und Umwelt hat mit seiner Dauerausstellung und der faszinierenden Sonderschau „Faszination Moor“ ein besonders wichtiges Thema ins Licht gerückt: die Bedeutung der Moorflächen für unser Klima und die Biodiversität. Diese einzigartigen Lebensräume sind nicht nur Heimat für viele Arten, sondern bergen auch historische und menschliche Überreste, die uns Geschichten aus der Vergangenheit erzählen.
Die Sonderschau beleuchtet die Paludi-Kultur, eine nachhaltige Bewirtschaftungsmethode für Moore, die es ermöglicht, nachwachsende Rohstoffe wie Rohrglanzgras, Schilf und Rohrkolben anzubauen. Diese Pflanzen sind nicht nur CO₂-Speicher, sondern finden auch in verschiedenen Industrien Verwendung. Der Freistaat Bayern hat im Jahr 2023 Förderprogramme aufgelegt, um bis zum Jahr 2040 55.000 Hektar Moorfläche wieder zu vernässen. Allerdings stehen einige Grundstücke dieser Wiedervernässung im Weg, da die Eigentümer auf diese Flächen angewiesen sind.
Wertschätzung für Landwirte und innovative Bewirtschaftung
Ein zentrales Anliegen der Sonderschau ist die Wertschätzung für Landwirte, die sich aktiv für den Naturschutz einsetzen. Die Umstellung von klassischer Milchwirtschaft auf Weidevieh ist eine weitere Moorschutzmaßnahme, die bereits im Brucker Moos praktiziert wird. Hier kommen robuste Rassen wie Wasserbüffel und Galloways zum Einsatz. Diese Maßnahmen sind nicht nur gut für die Natur, sondern tragen auch zur Erhaltung der Moorböden bei, die jährlich um 1 bis 4 cm schrumpfen und langfristig in Seeton oder Kies übergehen können.
Die Paludi-Kultur hat sich als effektive Strategie erwiesen, um die Treibhausgasemissionen signifikant zu reduzieren. Untersuchungen zeigen, dass eine nasse Bewirtschaftung die Torfzersetzung hemmt und den Kohlenstoff im Boden bindet. Besonders standorttolerante Pflanzen wie die Sumpf-Segge (Carex) sind pflegearm und bieten stabile Biomasseerträge. Schilf (Phragmites australis) hingegen stellt einen nachwachsenden Rohstoff dar, der Potenzial für hochwertige Verwertungswege und regionale Wertschöpfungsketten hat.
Ein Ort der Bildung und des Austauschs
Das Museum Wald und Umwelt, das nach einem Brand im Jahr 2019 wiedereröffnet wurde, bietet ein umfangreiches Begleitprogramm mit Vorträgen und Exkursionen an. Die Sonderausstellung „Faszination Moor“ ist noch bis zum 11. Oktober 2023 zu sehen und kann an den Öffnungstagen, samstags sowie sonn- und feiertags von 11 bis 17 Uhr, besucht werden. Diese Veranstaltungen sind nicht nur informativ, sondern fördern auch den Austausch über die Herausforderungen und Chancen im Moorschutz.
Insgesamt ist die Paludi-Kultur nicht nur ein Schritt in Richtung Klimaschutz und Biodiversität, sondern auch eine Chance für die wirtschaftliche Nutzung von Moorflächen. Projekte wie NAPALU liefern Entscheidungsgrundlagen für Landwirte, Flächeneigentümer:innen und Umweltprojekte und tragen zur Transformation entwässerter Moorstandorte in nachhaltige Klimasenken bei.