Es ist schon ein bisschen tragisch, wenn man sieht, wie das Sommerlager (SoLa) der evangelischen Jugend Ebersberg auf der Kippe steht, nur weil nicht genug Jugendliche sich anmelden. Früher war das ein echtes Highlight, eine Zeit voller Abenteuer und Gemeinschaft. Heute, nach den harten Zeiten der Pandemie, sieht die Sache ganz anders aus. Pfarrerin Renate Zorn-Traving schildert, dass die Basis der Jugendarbeit immer schmaler wird und die Anzahl der Jugendlichen dramatisch gesunken ist. Robert Dembinski von der Katholischen Jugendstelle hat ähnliche Beobachtungen gemacht. Besonders betroffen sind die 15- bis 17-Jährigen. Es ist ein bisschen so, als hätte die Pandemie einen Schatten über die Jugend geworfen.
Der Bauwagen an der Heilig-Geist-Kirche, der einst ein beliebter Treffpunkt für zahlreiche Jugendliche war, steht oft verwaist da. Die Gemeinschaft, die früher so wichtig war, scheint verloren gegangen zu sein – ein bitterer Verlust, der nicht nur die Kirchen betrifft. Es gibt einen generellen Mitgliederschwund in beiden Kirchen, und die Gottesdienstbesucherzahlen in den katholischen Kirchen Bayerns haben sich in den letzten 20 Jahren halbiert. Wenn man darüber nachdenkt, wird einem klar, dass die jugendlichen Erfahrungen in der Pandemie, wie das Fehlen von Gemeinschaft und Verantwortung, die Identität und das Wohlbefinden vieler junger Menschen beeinträchtigt haben.
Die Auswirkungen der Pandemie auf die Jugend
Die Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe (AGJ) hat in einem Positionspapier die verheerenden Auswirkungen der Corona-Pandemie auf junge Menschen und die Jugend(sozial)arbeit zusammengefasst. Psychische Belastungen, Zukunftsängste und der fehlende Austausch mit Gleichaltrigen prägten die Zeit. Es ist nicht zu übersehen, dass die Angebote der Jugend(sozial)arbeit stark eingeschränkt waren. Kreative Lösungen zur Aufrechterhaltung des Kontakts konnten oft nur bedingt helfen, und viele Jugendliche fühlten sich schlichtweg nicht vertreten.
Die AGJ kritisiert auch die späte mediale Aufmerksamkeit für die Bedürfnisse junger Menschen während der Pandemie. Und das zu Recht! Wer hätte gedacht, dass das Fehlen von sozialen Kontakten so gravierende Folgen haben könnte? Besonders betroffen sind sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche. Die Bundesregierung hat daraufhin eine interministerielle Arbeitsgruppe eingesetzt, um die gesundheitlichen Auswirkungen auf Kinder und Jugendliche zu analysieren. Sie hat einige Lösungsansätze entwickelt, von „Mental Health Coaches“ bis hin zu Programmen, die kulturelle und sportliche Bildung fördern sollen.
Neue Wege und Herausforderungen
Die AGJ fordert auch einen DigitalPakt für die Kinder- und Jugendhilfe, um digitale Ansätze in der Jugendarbeit weiterzuentwickeln. Es ist klar, dass die Zeit nicht stillsteht – die Lebenswelten der Jugendlichen haben sich verändert. Individualismus und digitale Einflüsse sind stark präsent. Dembinski beobachtet eine hohe Leistungsorientierung und Unsicherheit bei den Jugendlichen. Trotz dieser Herausforderungen sieht er auch Chancen für neue Formate und aktive Beteiligung. Die Erinnerungen an das SoLa, an Gemeinschaftserlebnisse und wichtige Lebenslektionen, dürfen nicht verloren gehen.
Es ist ein bisschen wie ein Puzzle, das nicht mehr richtig zusammenpasst. Fehlende soziale Kontakte, Lernlücken und mangelnde Bewegung sind Folgen der Pandemie, die nicht nur die psychische Gesundheit, sondern auch die Integration junger Menschen in den Arbeitsmarkt stark beeinträchtigt haben. Die AGJ und andere Organisationen setzen sich mit Nachdruck für eine Stärkung der Jugendsozialarbeit und die Bereitstellung ausreichender Ressourcen durch die Kommunen ein. Und das ist gut so, denn die Zukunft unserer Jugend hängt nicht nur von uns Erwachsenen ab, sondern vor allem von den Jugendlichen selbst und ihren Bedürfnissen.
Die Pandemie hat uns gelehrt, wie wichtig Freiräume für junge Menschen sind und wie entscheidend es ist, sie in Entscheidungen einzubeziehen. Es bleibt zu hoffen, dass mit dem Aufblühen der Jugendarbeit auch das SoLa wieder zu einem Ort wird, an dem Jugendliche zusammenkommen, lachen und die Gemeinschaft erleben können – denn das ist es, was wir alle irgendwie brauchen.