Am vergangenen Samstag machte sich die Gläubigen aus Reisbach im Landkreis Dingolfing-Landau zum 601. Mal auf den Weg zur Bogenbergwallfahrt. Diese Tradition hat eine lange Geschichte, denn die Wallfahrt wurde bereits 1425 erstmals erwähnt und wird seit über 600 Jahren durchgeführt. Im letzten Jahr wurde das beeindruckende Jubiläum gefeiert, und auch in diesem Jahr nahmen rund 100 Pilger an der Wanderung zur Wallfahrtsstätte teil.
Der Fußweg zur Wallfahrtsstätte beträgt etwa 50 Kilometer und führt die Pilger über Mamming und Pilsting. Bereits am Freitagabend segnete Pfarrer Martin Ramoser eine Gruppe von elf Pilgern vor der Salvatorkirche, bevor es für viele am Samstagmorgen weiterging. Einige Teilnehmer entschieden sich, nur ein Teilstück der Strecke zu gehen und starteten von Reisbach nach Griesbach, bevor sie mit dem Bus weiter zur Wallfahrtsstätte fuhren. Zwei Busse und zahlreiche Privatautos transportierten die Gläubigen, die sich schließlich vor dem Gnadenbild der „Muttergottes in der Hoffnung“ versammelten.
Ein Tag voller Spiritualität
Die Wallfahrt könnte auf ein Pestgelübde oder ein Versprechen nach Unwetterschäden zurückgehen, was die tief verwurzelte Bedeutung dieser Tradition unterstreicht. Die Wallfahrtskosten werden von der Gemeinde übernommen, was die Teilnahme für viele erleichtert. Pater Adam begrüßte die Teilnehmer vor dem Gnadenbild und schuf damit eine feierliche Atmosphäre.
Die Pilgermesse wurde von Pfarrer Martin Ramoser zum Sonntag des Guten Hirten zelebriert, wobei ein besonderer Fokus auf Priesterberufungen gelegt wurde. Nach einem gemeinsamen Mittagessen fand eine Andacht statt, bevor die Pilger die Rückfahrt antraten. Wallfahrtsleiter Rudi Kellner bedankte sich herzlich bei allen Unterstützern und Organisatoren, die zum Gelingen der Wallfahrt beigetragen haben. Erwähnenswert ist auch Hermann Birx, der seit über 30 Jahren die Standarte mit dem Reisbach-Wappen und dem Bildnis der lieben Frau vom Bogenberg trägt.
Die Tradition der Wallfahrten
Wallfahrten haben eine tief verwurzelte Tradition in der christlichen Geschichte. Die Bibel berichtet von jüdischen Tempelwallfahrten, wie zum Laubhüttenfest, und Jesus selbst besuchte als 12-Jähriger mit seinen Eltern den Tempel in Jerusalem. Nach dem Jahr 313 n.Chr. wurden die Gräber der Apostel in Rom und Jerusalem beliebte Ziele für christliche Pilger. Im Mittelalter entstanden bedeutende Wallfahrtsstätten in Deutschland, darunter Köln, Trier und Aachen.
Die Wallfahrt zum Bogenberg ist Teil einer langen Tradition, die im Spätmittelalter an Bedeutung gewann. Während der Reformationszeit erlebten Wallfahrten einen Rückgang, doch in der Gegenreformation und im Barock wurden viele alte Wallfahrtsstätten wiederbelebt. Nach dem Zweiten Weltkrieg erlebten Wallfahrten ein Comeback, auch wenn das Interesse in den folgenden Jahrzehnten schwankte. Heute, in den letzten drei Jahrzehnten, erfreuen sich Pilgerreisen und Wallfahrten wieder wachsender Beliebtheit.