E-Bike-Unfälle: Wenn die Freiheit zur Gefahr wird
Am Sonntagvormittag, in der beschaulichen Stadt Seßlach im Kreis Coburg, ereignete sich ein schwerer Unfall, der einmal mehr die Gefahren des E-Bike-Fahrens ins Bewusstsein rückt. Eine 61-jährige Frau verlor die Kontrolle über ihr E-Bike im Einmündungsbereich der Heilgersdorfer Hauptstraße und der Straße Schloßhof. Der Sturz ereignete sich, während sie in Richtung Wiesen unterwegs war. Die Verletzungen, die sie dabei erlitt, sind gravierend – insbesondere im Gesicht und am Kopf. Sofortige Erste-Hilfe-Maßnahmen wurden am Unfallort geleistet, bevor sie in die Klinik nach Bamberg transportiert wurde.
Was genau zu diesem Unglück führte, bleibt bislang unklar. Die Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen, um Licht ins Dunkel zu bringen. Es ist offensichtlich, dass Unfälle mit E-Bikes, insbesondere bei älteren Fahrerinnen und Fahrern, eine besorgniserregende Tendenz aufweisen. Laut einer Untersuchung des Klinikums der Technischen Universität München stieg die Zahl der ärztlich versorgten Pedelec-Unfälle in Deutschland von durchschnittlich drei pro Jahr (2017-2018) auf satte 45 im Jahr 2023. Eine Versechsfachung, die nicht ignoriert werden kann.
Die wachsende Gefahr auf zwei Rädern
Besonders auffällig ist, dass die Mehrheit der Verunglückten männlich ist – fast 60 Prozent, wobei das Durchschnittsalter bei 53 Jahren liegt. Erschreckend ist auch der Anteil der über 65-Jährigen, die einen schweren Unfall erleiden; sie machen 32 Prozent der Verunglückten aus. Die Statistik zeigt, dass viele dieser Unfälle auf eigene Fahrfehler zurückzuführen sind – die Hauptursache mit 36 Prozent. Kollisionen mit Autos und rutschige Straßen sind ebenfalls häufige Auslöser.
Die Verletzungen, die bei diesen Unfällen auftreten, sind oft ernst. Rund 33 Prozent der Verletzten erleiden Kopfverletzungen – 13 Prozent davon sind potenziell lebensbedrohlich. Das drängt die Frage auf: Wie sicher sind wir eigentlich auf diesen motorisierten Fahrrädern? Die Studie betont, dass nur etwa ein Drittel der Verunglückten einen Helm trugen, während das Tragen eines Helmes das Risiko, auf der Intensivstation zu landen, um 16,4 Prozent senkt. Ein deutlicher Appell an alle E-Bike-Fahrer.
Ein Blick auf die Zahlen
Im Jahr 2023 verunglückten insgesamt 23.658 Pedelec-Nutzer in Deutschland, was im Vergleich zu 2014, als nur 2.223 Unfälle registriert wurden, eine erschreckende Zunahme darstellt. Die Zahl der bei diesen Unfällen Getöteten stieg von 39 (2014) auf 188 im Jahr 2023. Das zeigt deutlich: E-Bikes sind längst nicht mehr nur ein Trend, sie sind eine ernsthafte Gefahr auf unseren Straßen.
Interessanterweise hat sich auch der Anteil der Pedelec-Verunglückten unter 45 Jahren von 10,7 Prozent (2014) auf 31,2 Prozent (2023) erhöht. Während gleichzeitig die Zahl der Unfälle mit nichtmotorisierten Fahrrädern gesenkt werden konnte. Hier lag der Anteil der über 65-Jährigen 2014 bei 16,7 Prozent, heute sind es 54,8 Prozent der Verunglückten, die jünger als 45 Jahre sind. Es ist also ein schmaler Grat zwischen Freiheit und Sicherheit.
Wenn wir uns die Zahlen und die aktuellen Studien anschauen, wird klar, dass E-Bikes in unserer Gesellschaft angekommen sind, aber auch, dass wir dringenden Handlungsbedarf haben. Die Empfehlung, mehr Helme zu tragen und an Fahrsicherheitstrainings teilzunehmen, könnte einen entscheidenden Unterschied machen. Schließlich sind Pedelecs in Deutschland rechtlich wie Fahrräder eingestuft, was bedeutet, dass es keine Führerschein- oder Helmpflicht gibt. Vielleicht sollten wir uns doch ernsthaft überlegen, wie wir unsere Sicherheit auf den zwei Rädern erhöhen können, bevor wir uns wieder in den Sattel schwingen.
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