In Kochel am See, einem charmanten Ort, der vor 30 Jahren noch von zahlreichen Geschäften wie Schuhläden, Friseuren und Bäckereien geprägt war, steht die Metzgerei Pfleger als leuchtendes Beispiel für Tradition und Handwerkskunst. Seit über 100 Jahren ist diese Metzgerei im Ort verwurzelt, und das in dritter Generation unter der Führung von Eduard und Birgit Pfleger. Eduard, 59 Jahre alt und mit der Metzgerei aufgewachsen, ist ein wahrer Meister seines Fachs, der noch immer tatkräftig mit anpackt – sein Senior hilft ebenfalls mit. Das ist Familienbetrieb pur!

Obwohl die Berufsberatung seiner Tochter Carolin von einer Metzgerausbildung abgeraten hat, verspürt die nächste Generation ein starkes Interesse an diesem Beruf. Das zeigt sich auch in der Auszeichnung der Metzgerei Pfleger mit dem Staatsehrenpreis als eine der zwölf besten Metzgereien Bayerns. Diese Ehrung ist nicht nur ein hübsches Schild an der Wand; sie basiert auf konstanten Bestnoten bei den Qualitätsprüfungen des Fleischerverbands Bayern. Ein echtes Gütesiegel, das für die hohe Qualität ihrer Produkte steht!

Regionalität und Tierwohl

Die Metzgerei Pfleger legt großen Wert auf Nachhaltigkeit und Regionalität. Das Schlachtvieh stammt von Bauern aus der Umgebung, was kurze Transportwege und eine stressfreie Schlachtung garantiert. Seit 2009 besitzt die Metzgerei eine EU-Zulassung und produziert etwa 80 verschiedene Fleisch- und Wurstsorten. Auch in der Filiale in Murnau, die seit 22 Jahren besteht, erfreuen sich die Kunden an den hochwertigen Produkten. Eduard Pfleger, der seit 28 Jahren im Gemeinderat von Kochel sitzt, hofft auf jüngere Nachfolger, die diese Tradition fortführen.

Doch die Herausforderungen für kleine Metzgereien sind enorm. Viele Betriebe haben in den letzten Jahren aufgegeben – von über 40 Mitgliedsbetrieben sind nur noch 19 übrig. Strenge EU-Auflagen, Personalprobleme und der Mangel an Nachfolgern sind nur einige der Gründe. Während die großen Metzgereien aufgrund ihrer hohen Schlachtzahlen weniger pro Tier zahlen, kämpfen die kleinen Betriebe mit höheren Gebühren und weniger Kunden. Personal für den Verkauf zu finden, bleibt eine Herausforderung, trotz gestiegener Verdienstmöglichkeiten. Der Rückgang der Fleischerzeugung in Bayern seit 2015 um etwa 20 Prozent, besonders im Bereich Schweinefleisch, ist alarmierend.

Politische Unterstützung für kleine Betriebe

In einem kleinen Lichtblick kündigte das bayerische Umweltministerium am 02. März 2023 an, die Fleischhygienegebühren neu zu ordnen, um die kleinen, regionalen Schlachtbetriebe zu unterstützen. Über 1.500 kleine Schlachtbetriebe in Bayern sind von dieser Maßnahme betroffen. Minister Thorsten Glauber hob die Bedeutung dieser Betriebe für Innovation, Tradition und Tierwohl hervor. Die geplanten Gebühren sollen festen Beträgen pro Tier für Betriebe mit geringem Durchsatz entsprechen – das könnte kleinen Metzgereien wie der Metzgerei Pfleger zugutekommen.

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Ab dem 1. Juli 2023 gelten die neuen, niedrigeren Gebühren für die Fleischbeschau. Diese Änderungen sind nicht nur für Metzgereien von Bedeutung, sondern auch für Landwirte, die ihre Tiere an kleine und mittlere Schlachthöfe liefern. Das Ziel? Die Stärkung der Lebensmittelvielfalt in Bayern und die Verbesserung der Tierschutzbedingungen. Es bleibt abzuwarten, wie schnell die EU-Kommission zustimmen wird, aber die Experten sind optimistisch.

Für Eduard Pfleger, der in seinem Betrieb 70-80 Stunden pro Woche arbeitet und nur sonntags frei hat (es sei denn, es gibt besondere Anlässe), ist das alles eine ständige Herausforderung. Sein Lieblingsgericht, der saure Presssack, ist nicht nur ein kulinarisches Highlight, sondern auch ein Symbol für die Leidenschaft, die in jedem Stück Fleisch steckt, das die Metzgerei verlässt. Die Zukunft der Metzgerei Pfleger mag ungewiss erscheinen, doch die Hingabe für das Handwerk bleibt ungebrochen.

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